© Erica Parise/Netflix
Meine Woche in Serie

"GLOW" oder: Warum entscheiden wir uns für Serien?

 

Weder Wrestling noch die 80er-Jahre sind Themen, die unsere Kolumnistin Ulrike Klode sonderlich interessieren. Und dennoch hat sie die Netflix-Serie "GLOW" über Frauen-Wrestling sofort angefangen. Jetzt stellt sie sich die Frage: Nach welchen Kriterien wählen wir Serien aus?

von Ulrike Klode
01.07.2017 - 10:45 Uhr

Ich habe in dieser Woche tatsächlich eine Serie über Frauen-Wrestling in den 80er-Jahren geguckt, an drei Tagen die komplette Staffel durch. Und das aus freien Stücken, ohne berufliche Zwänge wie Vorbereitung für ein Interview oder weil ich eine Rezension darüber schreibe. "GLOW" heißt die Serie, wurde vor einer Woche bei Netflix veröffentlicht und ist das, was ich als Serie des Sommers bezeichnen würde: unterhaltsam, clever, überraschend, anregend, reinziehend, wunderbar gespielt. Doch um "GLOW" an sich soll es in diesem Text nicht gehen. Sondern darum, dass ich mir beim Gucken der Serie überlegt habe, wie es kommt, dass ich - obwohl ich Wrestling wirklich nicht mag und dem Style der 80er-Jahre absolut nichts abgewinnen kann - mich tatsächlich auf die Serie gefreut hatte und sie geschaut habe, sobald sie veröffentlicht wurde. Und das, obwohl es gerade so viele andere Serien auf meiner To-watch-Liste gibt, die ich eigentlich auch sehen will. Vom speziellen bin ich auf den allgemeinen Fall gekommen: Warum interessieren wir uns für bestimmte Serien, für andere dagegen nicht? Im folgenden versuche ich diese Frage für mich zu beantworten und Kriterien zu finden, nach denen ich auswähle.

Zuerst noch einmal "GLOW": Der Fall macht deutlich, dass das Thema der Serie nicht immer das ausschlaggebende Kriterium sein kann. Wie gesagt: 80er? Wrestling? Finde ich öde. Entscheidend in dem Fall: Jenji Kohan und Alison Brie. Jenji Kohan ist die Frau, die "Orange Is The New Black" und "Weeds" gemacht hat - beides Serien mit spannenden Frauenfiguren. "GLOW" hat sie zwar weder erfunden noch geschrieben, aber sie ist Executive Producer, was für mich als Anreiz ausreicht. Alison Brie ist eine Schauspielerin, die ich gerne sehe: In "Community" fand ich sie großartig, in "Mad Men" mochte ich ihre Arbeit auch und in "BoJack Horseman" ebenfalls. Mittlerweile vertraue ich darauf, dass die Projekte, die sie sich aussucht, für mich interessant sind. Jenji Kohan + Alison Brie? Das ist noch besser als eine der beiden alleine. Ich war mir also ziemlich sicher, dass das eine Serie für mich sein würde - trotz des Settings.

Ein anderer Fall: "Goliath". Eigentlich sind mit dieser Serie zwei Männer verbunden, deren Arbeit ich bisher mochte. David E. Kelley (Erfinder von unter anderem "Ally McBeal", "Chicago Hope" und "Picket Fences") und Billy Bob Thornton (großartig in vielen seiner Filme und in der ersten Staffel von "Fargo"). Aber: Das hat mich nicht dazu gebracht, die Serie anzuschauen. Ich habe zur Kenntnis genommen, dass sie veröffentlicht wurde, habe ein paar Texte dazu gelesen. Und sie eher aus Pflichtbewusstsein auf meine To-Watch-Liste geschrieben. Das änderte sich erst, nachdem ich "Big Little Lies" geguckt habe - ebenfalls eine Serie von David E. Kelley. Die HBO-Serie mit Nicole Kidman und Reese Witherspoon (meinen Text zu "Big Little Lies" finden Sie hier) hat bei mir Neugier auf mehr Kelley-Arbeit gemacht. Und ja, "Goliath" ist toll, spannend, anders. Auf jeden Fall sehenswert. Und ich hätte sie eigentlich gleich gucken sollen, als sie veröffentlicht wurde. Was mich daran hinderte? Die Aussicht auf einen männlichen Anti-Helden. In einer Anwaltsserie. Ich habe in meinem Leben schon sehr viele männliche Anti-Helden in Serien gesehen. Und das Setting Anwalt, Gericht, Mandant etc. kenne ich ebenfalls aus vielen Serien. Beides zusammen? Kickte mich nicht. Jetzt weiß ich, dass die Einschätzung falsch war. Doch eines weiß ich auch: Geschichten von männlichen Anti-Helden müssen in einem Setting spielen, das ich noch nicht so gut kenne, damit ich sofort darauf anspringe. 

Kommen wir zu "One Day At A Time". Eine Sitcom über eine alleinerziehende Mutter mit kubanischen Wurzeln. Da interessiert mich weder das Format noch das Setting. Zumal es sich bei der Serie um das Reboot einer amerikanischen Serie von Mitte der 70er- bis Mitte der 80er-Jahre handelt, die ich nicht kenne. Dennoch habe ich "One Day At A Time" kurz nach dem Veröffentlichen im Januar angeschaut. Warum? Weil mich die Texte der amerikanischen Kollegen darüber neugierig gemacht haben. Sie waren begeistert von der Serie. (Das waren sie zwar auch von "Goliath", aber das hatte ich bei Billy Bob Thornton nicht anders erwartet.) Diese Begeisterung für die Serie hat mich überrascht und ließ bei mir den Eindruck entstehen, dass es sich entgegen meinen Erwartungen um eine besondere Sitcom handelt. Ich habe eingeschaltet - und es nicht bereut. Denn auch wenn das Format sehr konventionell ist, hier werden auf eine besondere Art gesellschaftlich relevante Themen verhandelt: Einwanderung, Homosexualität, der Umgang mit Veteranen, die Rolle der Frau. "One Day At A Time" zeigt, dass das Format Sitcom kein so strenges Korsett ist, wie ich dachte. Dass eine Sitcom nicht automatisch oberflächliche Unterhaltung ist.

Was also entfacht bei mir Interesse, was lässt mich bestimmte Serien mit Begeisterung einschalten? An den drei Beispielen sieht man: Das ist schwer zu beantworten. Wer daran beteiligt ist, spielt eine große Rolle, aber nicht immer. Weibliche Hauptfiguren locken mich mehr als männliche. Das Setting ist wichtig, aber nicht allein entscheidend. Und bestimmte Formate haben es bei mir schwer. Ebenfalls ein wichtiger Punkt ist die Einschätzung von Kollegen, allerdings vor allem dann, wenn mich die Einschätzung überrascht. Herrje, bin ich kompliziert. ;-) Und das war jetzt nur für mich durchdekliniert - Sie, liebe Leserinnen und Leser, kommen für sich selbst sicher auf ganz andere Faktoren, die bei Ihnen eine Rolle spielen.

Und zum Schluss noch ein paar Gucktipps: 

Verdammt witzig, klug und überraschend:"The Good Place" wurde von "Parks and Recreation"-Erfinder Michael Schur geschrieben, die Hauptrolle spielt die wunderbare Kristen Bell. Die Comedy startet am 1. Juli beim Bezahlsender ProSieben Fun

Sehr nerdig und sehr britisch: Die Comedy-Serie "The IT Crowd" ist bei Funk, dem jungen Angebot von ARD und ZDF, online verfügbar. Alle vier Staffeln - in Originalversion und übersetzt. Damit ist das verregnete Wochenende gefüllt. ;-)

Jetzt zum wirklich Wichtigen: Wo kann man das gucken, über das ich schreibe?

"GLOW": Nur bei Netflix.

"Goliath": Nur bei Amazon Video (Prime).

"One Day At A Time": Nur bei Netflix.

Wer mir auf Twitter folgen möchte, kann das hier tun: @FrauClodette.

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