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Meine Woche in Serie

"Game of Thrones"-Leaks: Wer guckt sowas?

 

Die vierte Folge der neuen Staffel von "Game of Thrones" wurde gegen den Willen von HBO vorab veröffentlicht, und viele Leute im Netz prahlen damit, sie geguckt zu haben. Unsere Kolumnistin Ulrike Klode versteht nicht, was daran reizvoll sein sollte.

von Ulrike Klode
12.08.2017 - 10:30 Uhr

Welchen Reiz hat es, eine Folge einer Serie dringend vorab zu gucken? Dass Kritiker vorab Screener bekommen - geschenkt, das hat ja den Zweck, dass sie dann ihre Arbeit besser machen können. Aber warum sollte ich mir eine illegal vorab veröffentlichte Folge von "Game of Thrones" anschauen, die auch noch von schlechter Qualität ist? Da stecken sogar drei Aspekte drin, die sich mir einfach nicht erschließen: Warum vor allen anderen? Und "Game of Thrones" in schlechter Bildqualität - hä? Und damit auch noch eine kriminelle Handlung unterstützen?!?

Ich kenne das Gefühl, das man hat, wenn man vor allen anderen etwas außergewöhnlich Gutes anschauen kann. Einerseits: ist man begeistert, hin und weg, freut sich. Andererseits: Man will die Begeisterung teilen, was nicht geht, weil es ja noch keiner gesehen hat. Das war für mich besonders schlimm bei der zweiten Staffel von "Fargo", von der ich die ersten zwei oder drei Folgen als Rezensionsexemplare schon Wochen vorher geguckt hatte. Ich fand es furchtbar, dass ich nicht in die Welt hinausposaunen konnte und mit anderen Begeisterten teilen konnte, welche Szenen mich warum besonders beeindruckt haben. Noch nicht einmal meinem Mann konnte ich das erzählen, weil ich ihn nicht spoilern wollte. Ich war sehr froh, als die Staffel endlich gezeigt wurde, weil ich die angestaute Begeisterung loswerden konnte. Selbstverständlich habe ich die Folgen dann noch einmal geschaut - auf dem Fernseher, in groß. Was natürlich noch besser war als in klein vorab auf dem Rechner. Ich bin also nicht der Typ Mensch, für den der Aspekt "Vor allen anderen etwas sehen oder haben" irgendwie interessant ist. Aber vielleicht ist genau das die Faszination, die die entscheidende Rolle spielt und die diese Leute vergessen lässt, dass sie damit eine kriminelle Handlung unterstützen: vor Millionen anderen Fans weltweit zu wissen, was passiert. (Wobei diese Leute natürlich außerdem vergessen, dass sehr viele der Millionen anderen Fans auch in der Lage wären, sich die geleakte Episode zu besorgen. Es ist also im Grunde nichts Besonderes!)

Als ich am Mittwoch die vierte Folge der siebten Staffel von "Game of Thrones" schaute und begeistert verfolgt habe, wie die Geschichte sich entwickelt, spürte ich ein bisschen Schadenfreude. Schadenfreude, dass es sich ausgerechnet um Folge 4 handelt, die geleakt wurde. Folge 4, die visuell so großartige Szenen enthält. Spektakuläre Szenen, die bei einer schlechteren Bildqualität einfach viel verlieren. ("Game of Thrones" hat es ohnehin verdient, in möglichst hoher Auflösung auf einem möglichst großen Screen geschaut zu werden. Selbst inhaltlich schwächere Folgen bieten so grandiose Bilder, dass nach dem Gucken in Kinogröße erst mit einigem Abstand auffällt, dass der Inhalt eher mager war.) Mein Gedanke während der Episode: Haha! Ich hoffe, die Vorab-Gucker haben sich beim Anschauen dieser Szenen ein bisschen darüber geärgert, dass der Drache bei ihnen so klein wirkt. (Überraschend viele haben das ja sogar zugegeben, wie ich in einem Text bei "Mashable" gelesen habe.)

Die Zuschauerzahlen für Folge 4 zeigen: Der Leak hat nicht geschadet. 10,2 Millionen Zuschauer schalteten in den USA ein, das ist ein neuer Rekord - bisher lag der bei 10,1 Millionen bei der ersten Folge von Staffel 7. Und das sind nur diejenigen, die die Episode am Tag der Ausstrahlung geschaut haben. Die Zuschauer, die die Folge später oder online sehen, kommen noch dazu. Ich hatte allerdings auch nicht erwartet, dass sich das Vorabveröffentlichen negativ auf die Zahlen auswirken würde. Zwei Aspekte spielen da meiner Meinung nach eine Rolle: Erstens sind viele Leute, die online geleakte Folgen schauen, ohnehin eher dem illegalen Download zugeneigt. Zweitens kann es gut sein, dass unter den Zuschauern der Erstausstrahlung einige waren, die die Folge zum zweiten Mal geschaut haben, um die spektakulären Szenen in hoher Auflösung zu genießen. 

Ob sich der Leak vielleicht sogar positiv auf die Zuschauerzahlen ausgewirkt hat? Das kann wohl niemand sagen. Aber: Selbst wenn man versucht hat, im Netz den Spoilern durch die Leak-Gucker auszuweichen, so hat man doch aus dem aufgeregten Gesumme mitbekommen, dass diese Folge etwas Besonderes sein muss. Was sie ja auch wirklich war.  

Für Folge 5, die am Sonntag in den USA gezeigt wird, schwirrt nun schon das Drehbuch im Netz herum. Weil es Teil der riesigen Menge an Daten ist, die Hacker bei ihrem Beutezug bei HBO gestohlen haben (die illegal veröffentlichte Folge 4 gehörte offenbar nicht zu diesem digitalen Einbruch). Das Drehbuch einer bereits fertig produzierten Episode zu lesen, ist im Grunde die niedrigste vorstellbare Auflösung. Ob das denselben mir völlig unverständlichen Reiz hat wie eine vorab veröffentlichte Folge anzuschauen?

Und zum Schluss noch ein paar Gucktipps: 

Auf folgende Serie hätte ich längst hingewiesen, wenn die Kolumne nicht ein Sommerpäuschen gemacht hätte: "Berlin Station". Eine fesselnde Spionage-Serie, die tief eintaucht in die Figuren (amerikanische Spione) und in die Stadt (Berlin). Aus der insgesamt sehr guten Besetzung sticht Rhys Ifans besonders hervor. Zu sehen bei Netflix. 

Ein weiterer Sommerpäuschen-Nachtrag: "Catastrophe" ist nun endlich auch in Deutschland verfügbar. Sharon (Sharon Horgan) wird nach einem One-Night-Stand mit Rob (Rob Delaney) schwanger. Da beide nicht mehr die Jüngsten sind, beschließen sie, das Kind gemeinsam zu bekommen. Der Start in eine wunderbare britische Beziehungscomedy, erfunden und geschrieben von den beiden Hauptdarstellern. Mittlerweile gibt es drei Staffeln, seit Anfang August bei Amazon im Prime-Angebot zu sehen. 

Der Teufel langweilt sich in der Hölle, kommt zur Erde und klärt in Los Angeles Verbrechen auf. Die erste Staffel von "Lucifer" war vor allem Dank Tom Ellis in der Hauptrolle wirklich unterhaltsam, seit Freitag ist die zweite Staffel bei Amazon Prime zu sehen. 

Im Mittelpunkt von Ermittlerserien stehen oft erfahrene und von Leben und Job gezeichnete Figuren. Bei der britischen Krimi-Serie "New Blood - Tod in London" ist das erfrischend anders: zwei unerfahrene, übereifrige Polizisten - beides Migrantensöhne - sind die Hauptfiguren. Lohnt sich besonders für Leute, die London mögen. Die BBC-Produktion startet am 13. August um 22 Uhr im ZDF.

Jetzt zum wirklich Wichtigen: Wo kann man das gucken, über das ich schreibe?

"Game of Thrones", Staffel 7: Zeitgleich zur US-Ausstrahlung sind die neuen Folgen in der Nacht zu Montag online bei Sky zu sehen. Bei anderen Streamingdiensten sind sie mit etwas zeitlichem Abstand verfügbar. Außerdem laufen die Folgen Montagabends auf Sky Atlantic HD

Wer mir auf Twitter folgen möchte, kann das hier tun: @FrauClodette.

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