© Helen Sloan/HBO
Meine Woche in Serie

"Game of Thrones" hat sich sehr stark verändert

 

Die siebte Staffel von "Game of Thrones" ist vorbei. Sie hatte spektakuläre Szenen zu bieten, doch das reicht unserer Kolumnistin Ulrike Klode nicht - sie ist etwas ratlos.

von Ulrike Klode
02.09.2017 - 10:45 Uhr

"Game of Thrones" hat sich sehr stark verändert, und ich tue mich schwer damit. Die siebte Staffel hat mir deutlich gezeigt: Das ist nicht mehr die Serie, die mich in der ersten Staffel gefesselt und elektrisiert hat. Ich war hingerissen, geschockt, habe geschimpft in der ersten Staffel, in der zweiten Staffel, ja auch in der dritten Staffel ging mir das noch so, in Staffel 4 ebenfalls. In Staffel 5 hatte ich erste Probleme, wieder durchweg begeistert zu sein, entsprechend skeptisch startete ich in Staffel 6. Erst die zweite Hälfte der sechsten Staffel hat mich wieder überzeugt.

Und die gerade zu Ende gegangene siebte Staffel - nun ja. Natürlich war sie unterhaltsam, natürlich war sie großartig gefilmt, natürlich hatte sie spektakuläre Szenen. Aber sie hat mein Herz nicht mehr so angesprochen, wie es die ersten Staffeln geschafft haben. Die Entwicklungen waren größtenteils erwartbar, phasenweise hatte ich den Eindruck, dass nicht die Charaktere die Handlung voranbrachten, sondern die Handlung die Charaktere steuerte. Dieses Wirre, Irre, diese Anarchie, diese Charaktere mit ihrem besonderen Eigenleben - all das hat für mich die ersten Staffeln so reizvoll gemacht, doch davon ist mittlerweile nicht mehr viel zu spüren.

Ob das daher kommt, dass die Serie seit fast zwei Staffeln keine Buchvorlage mehr hat, sondern die ursprünglichen Geschichten von George R.R. Martin nun von den Drehbuchautoren weitergesponnen werden? Oder war das unausweichlich, weil Geschichten wie die der ersten Staffeln nicht uneingeschränkt fernsehserientauglich sind und sich zwangsläufig in konventionelle Handlungsstränge verwandeln müssen? Ich weiß es nicht. Was ich allerdings weiß: Dass mich das Nachdenken darüber, woran es liegen könnte und wann und wie genau sich die Serie so sehr verändert hat, ein bisschen besänftigt hat. Denn nach dem Staffelfinale war ich fast schon wütend.

ACHTUNG, jetzt folgt ein SPOILER auf Handlungen in der siebten Staffel.

Ich will jetzt nicht alles aufzählen, was mich geärgert hat, darum geht es mir in diesem Text nicht. Aber um nur ein Beispiel zu nennen: Besonders aufgeregt habe ich mich über die Littlefinger-Wendung, die aus dem Nichts kam. Ich hatte mich schon vorher darüber geärgert, dass Sansa in Winterfell wie geparkt wirkte - sich von Littlefinger manipulieren ließ, mit Arya fast nur stritt und kaum wirklich mit ihrer Schwester redete. Mittlerweile ist zwar bekannt geworden, dass offenbar eine Szene herausgeschnitten wurde, die die Wendung etwas glaubhafter gemacht hätte - doch selbst mit dieser Szene überzeugt mich Sansas Handlungsstrang nicht. Das war keine schlüssige Entwicklung des Sansa-Charakters aus den vorigen Staffeln. (Aber ja, das Staffelfinale hat auch Großartiges zu bieten: Das Königinnen-Treffen im Dragon Pit und die Schluss-Szene an der Mauer haben mich ein bisschen besänftigt.)

SPOILER-Gefahr zu Ende.

Das ist mein persönliches Pech, könnte man sagen. Stimmt. Die Frage ist nur: Wie gehe ich damit um? Einfach aufhören? Das kann ich natürlich nicht. Auch wenn ich längst nicht mehr so sehr dafür brenne, die weiteren Entwicklungen um meine Lieblingscharaktere Tyrion und Sansa zu verfolgen - so bin ich doch neugierig. Allerdings nicht mehr in erster Linie darauf, wie die Handlung weitergeht, sondern wie die Showrunner David Benioff und D.B. Weiss versuchen, die Serie in der finalen Staffel 8 zu Ende zu bringen. 

An dieser Stelle ein kleiner Lesetipp: US-Kritiker Matt Zoller Seitz hat sehr schlüssig durchdekliniert, wie sich die Serie im Detail verändert hat.

Und zum Schluss noch ein paar Gucktipps: 

Der Drogenkrieg in Kolumbien geht weiter: Die dritte Staffel der Drama-Serie "Narcos" ist seit Freitag auf Netflix verfügbar.

Der junge bayerische Provinzpolitiker Alfons Zischl ist drogenabhängig, verschuldet und korrupt - und die Hauptfigur der großartigen Serie "Hindafing", die an "Fargo" erinnert. Die Serie des Bayerischen Rundfunks ist seit Freitag bei Netflix zu sehen - für alle, die sie im Mai im Fernsehen verpasst haben.

Jetzt zum wirklich Wichtigen: Wo kann man das gucken, über das ich schreibe?

"Game of Thrones", Staffel 7: Die siebte Staffel ist bei vielen Streamingdiensten verfügbar, zum Beispiel bei Amazon Video, iTunes und den Sky-Angeboten.

Wer mir auf Twitter folgen möchte, kann das hier tun: @FrauClodette.

Über die Autorin

Ulrike Klode ist freie Journalistin in Hamburg - und weil sie serienverrückt ist, schreibt und redet sie am liebsten über nichts anderes. Zum Beispiel in ihrer wöchentlichen Kolumne "Meine Woche in Serie" und im Podcast "Seriendialoge".

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