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Meine Woche in Serie

"Designated Survivor" hat sich zu stark verändert

 

Unsere Kolumnistin Ulrike Klode mochte die erste Staffel von "Designated Survivor". Doch nachdem sie fünf Folgen der zweiten Staffel geschaut hat, fragt sie sich: Ist das überhaupt noch dieselbe Serie? Und was ist mit den Verschwörern passiert?

von Ulrike Klode
04.11.2017 - 11:15 Uhr

Ich bin ratlos in Bezug auf "Designated Survivor" - und ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Nach der fünften Folge der zweiten Staffel haben sich so viele Fragezeichen in meinem Kopf angesammelt. Das größte Fragenzeichen steht hinter folgender Frage: Ist das noch dieselbe Serie? Gefolgt von: Ist das noch derselbe Tom Kirkman? Und: Was ist denn nun mit den so unglaublich gut organisierten und vernetzten Verschwörern passiert? Das sind nur drei der vielen, vielen Fragen, die ich habe.

Nachdem ich schon nach Folge 2 etwas ratlos war, habe ich mich in meinem Bekanntenkreis umgehört - und stellte fest: Ich bin nicht allein. Nach Folge 4 schaute ich mir die mit jeder Episode abnehmenden Einschaltquoten in den USA an und dachte: Wow, wir sind sehr viele. Und nach Folge 5 nun habe ich beschlossen, der Serie den Rücken zu kehren. Das hört sich jetzt vielleicht etwas dramatischer an, als es gemeint ist. Der Abschied fällt mir nicht schwer - mein Herz hängt nicht an Tom Kirkman (Kiefer Sutherland) und seinen Beratern, aber ich habe Staffel 1 wirklich gern geschaut. Staffel 1 war für mich eine Art Popcorn-Kino für Zuhause: Nicht besonders anspruchsvoll, aber spannend und unterhaltsam und in der Kombination einmal pro Woche genau das Richtige zwischen all den schweren Serien, von denen ich umringt bin. Dafür habe ich dann auch hin und wieder Logikfehler, Charakterinkonsistenzen und unerklärliche Zeitsprünge in Kauf genommen.

Doch diese Unzulänglichkeiten haben nun Überhand genommen, und das, was ich spannend fand, scheint verschwunden: Die faszinierende Vorstellung, dass sich die amerikanische Politik und die amerikanische Gesellschaft auf eine Art neu erfinden müssen, weil durch den Anschlag in der allerersten Folge die politische Elite ausgelöscht wurde und ein ungewählter Außenseiter ins Weiße Haus einzog - gepaart mit einer Verschwörung bis in die höchsten Ebenen. Bei Präsident Kirkman ist in der zweiten Staffel Routine eingezogen, er muss sich in jeder Folge um ein neues politisches Problem kümmern und sein Charakter, der in der ersten Staffel diesen Charme aus Unerfahrenheit und hohen moralischen Ansprüchen hatte, ist flach geworden. Von nennenswerten politischen Antagonisten keine Spur (ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber ich vermisse Kimble Hookstraten, gespielt von Virginia Madsen), und die angeblich so tiefgehende Verschwörung, die mich in der ersten Staffel in Atem gehalten hat, hat sich offenbar selbst in die Luft aufgesprengt, von Mitwissern und Mitverschwörern ist keine Rede mehr. Stattdessen haben wir mit Lyor Boone (Paulo Costanzo) einen Charakter, der hin und wieder für Comic Relief sorgen soll, zwei sich anbahnende Liebschaften zwischen Kirkman-Beratern und eine Ermittlerin, die über allem steht. Dazu einen Präsidenten, der einmal pro Folge - meist im ersten Drittel - "Trust me" oder etwas Ähnliches sagt und natürlich am Ende der Episode eine politische Krise abwendet, weil er etwas Kluges tut oder sagt.

Mittlerweile ist der vierte Showrunner am Ruder der ABC-Serie - der letzte Wechsel fand im Mai statt, kurz bevor die letzten Folgen der ersten Staffel zu sehen waren. Und offensichtlich wurde hier viel umgekrempelt. Man werde sich in Staffel 2 weniger auf überraschende Wendungen und Cliffhanger und stattdessen mehr auf persönliche Beziehungen und Dynamiken im Weißen Haus konzentrieren, hatte ABC-Chef Channing Dungey im August angekündigt. Als ich das las, hatte ich mir tatsächlich Hoffnung auf gute Kirkman-Geschichten gemacht. Schade, dass das bisher nicht so war - der Charakter hätte sich spannend entwickeln können. Sollte der Kirkman, den ich in Staffel 1 mochte, noch einmal auftauchen, hoffe ich natürlich, dass ich das mitbekomme. Dann werde ich wieder einsteigen und vielleicht weniger Fragezeichen im Kopf haben. 

Und zum Schluss noch ein paar Gucktipps: 

Unterhaltsame Action: Die erste Staffel von "Lethal Weapon" ist ab 6. November bei Amazon verfügbar.

Was fürs Herz: Die dritte Staffel von "Outlander" startet am 8. November bei Vox. (Wer die Serie lieber im Original guckt: Die in den USA bereits gesendeten Folgen der dritten Staffel sind zum Beispiel bei Amazon, iTunes oder Maxdome verfügbar.)  

Ein Wiedersehen mit der gewieften Anwältin Diane Lockhart (gespielt von der großartige Christine Baranski): Die erste Staffel des "The Good Wife"-Spin-offs "The Good Fight" ist ab 7. November beim deutschen Bezahlsender Fox zu sehen.

Jetzt zum wirklich Wichtigen: Wo kann man das gucken, über das ich schreibe?

"Designated Survivor": Nur bei Netflix.

Über die Autorin

Ulrike Klode ist freie Journalistin in Hamburg - und weil sie serienverrückt ist, schreibt und redet sie am liebsten über nichts anderes. Zum Beispiel in ihrer wöchentlichen Kolumne "Meine Woche in Serie" und im Podcast "Seriendialoge".

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