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Meine Woche in Serie

"Norsemen": Herzhaft lachen mit intellektuellen Wikingern

 

Eigentlich war sie längst fällig: eine überzeugende Historien-Comedy. Ausgerechnet Norweger haben jetzt eine gemacht, und natürlich geht es darin um Wikinger. Unsere Kolumnistin Ulrike Klode findet "Norsemen" sehr gut und fühlt sich an Comedy-Großmeister erinnert.

von Ulrike Klode
11.11.2017 - 10:01 Uhr

Es ist so naheliegend. Und ich finde es toll, dass es sie nun endlich gibt: eine Comedy-Serie, die gekonnt und in bester "Ritter der Kokosnuss"-Manier historische und Mittelalter/Fantasy-Serien (ja, "Game of Thrones", auch du bist gemeint!) aufs Korn nimmt. Und nach dem Gucken von "Norsemen" kann ich nur sagen: Vermutlich mussten wir erst auf die norwegischen Autoren Jon Iver Helgaker und Jonas Torgersen warten, damit sie uns eine überzeugende Historien-Comedy bescheren. 

Wer jetzt sagt: "Na, ein Vergleich mit Monty Python? Ist DAS nicht ein bisschen zu hoch gegriffen?" Dem kann ich nur antworten: "Guck die erste Folge." Denn dieses Anarchische, dieses Absurde, dieses Feinsinnige gekoppelt mit beiläufiger, brutaler Realität - das ist es, was "Ritter der Kokosnuss" auszeichnet. Und genau das ist es, was "Norsemen" ebenfalls ausmacht. 

Das geht los mit der zweiten Szene, in der ein jüngerer Mann mit älteren Menschen auf den Felsen oberhalb eines spektakulären Wasserfalls steht und sie auffordert, nacheinander den "Ættestup" zu machen. Erst nach und nach wird klar, was gemeint ist: Die Alten sollen sich durch einen Sprung in die Tiefe selbst umbringen, damit sie der Dorfgemeinschaft nicht länger zur Last fallen. Eine brutale, überlieferte Tradition einiger Völker im Norden, von der nicht klar ist, ob sie nur ein Mythos ist oder je eingesetzt wurde. In "Norsemen" dagegen beschließen die Alten, dass sie noch ziemlich fit und gar nicht so alt sind und daher nicht springen wollen. Der Mann, der sie dazu aufgefordert hat, sagt dazu sinngemäß: "Macht, was ihr wollt, ich bin eh nur ein Sklave hier - aber bitte sorgt dafür, dass niemand etwas mitbekommt, damit ich keinen Ärger kriege." Und alle trollen sich friedlich von dannen. Schon nach dieser Szene wusste ich, dass es eine gute Entscheidung war, diese Serie auf gut Glück auszuprobieren. 

Ein wichtiger Punkt sind die Dialoge: Die Sätze, die aus den Mündern der dreckigen, unzivilisierten Wikinger kommen, sind kultiviert, filigran, anspruchsvoll, intellektuell und hochmodern. Hier werden Belange des gesellschaftlichen und persönlichen Lebens auf einem Niveau diskutiert, wie man es selbst bei zeitgenössischen Serien nicht sieht (zu Recht, übrigens). Ein wunderbares Beispiel ist folgender Clip - die Szene findet statt kurz bevor die Wikinger zu einer neuen Plünderung aufbrechen:

Dieser Bruch kombiniert mit der brutalen Realität und den überraschenden, teils absurden Entwicklungen bringt eine Komik hervor, die ich in den vergangenen Jahren selten gesehen habe - am ehesten eben, wie gesagt, bei Monty Python. 

Zu all dem beschriebenen kommen zwei weitere Aspekte: Der hohe Produktionsaufwand und die Entscheidung, die Serie in Englisch zu produzieren. Tolle Landschaftsbilder, aufwändige Kulissen, detailreiche Kostüme lassen die Serie authentisch erscheinen, sehr viele Drehs finden draußen statt - im Wikingerdorf, im Wald oder am Wasser. Dadurch wirkt die Serie hochwertig, vom Aussehen her Produktionen wie "Game of Thrones" fast ebenbürtig. Die Figuren sprechen Englisch mit einem starken norwegischen Akzent, er klingt rau und unfreundlich. Dieses ungewöhnliche Englisch zieht mich als Nicht-Norwegerin viel besser in die Welt der Serie, als wenn Synchronsprecher die Dialoge in makelloses Englisch übersetzt hätten. (Das norwegische Publikum hat die Serie übrigens nicht auf Englisch vorgesetzt bekommen, sie wurde sowohl in Norwegisch als auch in Englisch produziert. Mehr Infos dazu hier.) 

Und zum Schluss noch ein paar Gucktipps: 

Was für Superheldenfans: Die erste Staffel von "The Punisher" ist ab 17. November bei Netflix verfügbar. Mal sehen, wie sich der Punisher nach dem Gastauftritt bei "Daredevil" in seiner eigenen Serie schlägt.

Was fürs Herz: Die dritte Staffel von "Club der roten Bänder" startet am 13. November bei Vox - immer montags in Doppelfolgen. Wer die ersten beiden Staffeln dieser ungewöhnlichen Krankenhausserie noch nicht kennt, sollte sie schnell nachholen. Das gibt's gratis bei TV Now oder gegen Geld bei Amazon oder iTunes.  

Jetzt zum wirklich Wichtigen: Wo kann man das gucken, über das ich schreibe?

"Norsemen": Nur bei Netflix.

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