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Meine Woche in Serie

"Strike" oder: Wenn die Serie besser als das Buch ist

 

J.K. Rowling hat eine Krimi-Reihe geschrieben, die nun als Serie auch in Deutschland gezeigt wird. Unsere Kolumnistin Ulrike Klode war vom ersten Buch nicht überzeugt, von der Serie "Strike" dagegen würde sie gerne mehr sehen.

von Ulrike Klode
19.05.2018 - 10:39 Uhr

Als ich im vergangenen Frühjahr "American Gods" gelesen habe, zweifelte ich, ob es funktionieren kann, Neil Gaimans Roman als Serie umzusetzen. Ähnlich ging es mir bei der Nachricht, dass Margret Atwoods Buch "Der Report der Magd" in eine Serie umgewandelt werden soll. Beides Bücher, die ich verschlungen habe, die mich vom ersten bis zum letzten Wort gefesselt haben - und beides Bücher, die ich mir als gelungene Serie nicht vorstellen konnte. Beim Krimi "Der Ruf des Kuckucks" war das anders: Der Kriminalfall ist spannend, doch das Buch hat mich nicht gepackt, weil die Geschichte zwar gut ausgedacht, doch stilistisch nicht gut erzählt ist. Aber: Im Gegensatz zu den beiden anderen Beispielen konnte ich mir hier die Umsetzung als Serie sehr gut vorstellen.

Vielleicht sollte ich der Vollständigkeit halber erwähnen, von wem das Buch mit der Ermittlerfigur Cormoran Strike im Mittelpunkt stammt: Der offizielle Autorenname lautet zwar Robert Galbraith, doch dahinter steckt "Harry Potter"-Autorin J.K. Rowling. Sie hat den Krimi 2013 unter einem Pseudonym veröffentlicht, was aber ein paar Wochen nach Erscheinen bekannt wurde. Mittlerweile sind drei Strike-Krimis auf dem Markt, Rowling arbeitet an einem vierten Buch. Und natürlich hat es sich die BBC nicht nehmen lassen, aus Strike eine TV-Serien-Figur zu machen. Herausgekommen ist eine Krimi-Reihe, die ich tatsächlich überzeugender finde als die Buch-Vorlage - zumindest den ersten drei Folgen nach zu urteilen, in denen der erste Fall, den ich gelesen habe, erzählt wird.

Privatdetektiv Cormoran Strike ist eigentlich nichts Besonderes, sondern eine Figur, wie es sie im Krimi-Genre schon Dutzende gibt: Er hat eine sehr schwere Zeit durchgemacht (im Einsatz in Afghanistan wurde er verwundet), seine Kindheit war nicht einfach (seine Mutter war ein Model, sein Vater ein Rockstar, der nichts von ihm wissen wollte), und jetzt hat er es auch nicht leicht (seit der Kriegsverletzung trägt er eine Beinprothese, er hat Schulden, wohnt in seinem heruntergekommenen Büro, seit die Beziehung mit seiner langjährigen Freundin vorbei ist). Nicht zu vergessen: Er ist wortkarg, eigenbrötlerisch und hat hohe moralische Grundsätze. Mit anderen Worten: Strike ist alles andere als die Neu-Erfindung des Privatdetektivs. Und doch macht es Spaß, Tom Burke als Strike beim Lösen des Falls zuzugucken. Weil Burke eine ganz besondere Präsenz auf dem Bildschirm hat, weil sein Strike freundlich ist, Menschen zuhört - und dann die Puzzlesteine nach und nach zusammenfügt. Ganz klassisch, altmodisch gar. Es gibt am Ende sogar - nach Art der britischen Whodunits - eine Konfrontation mit der verdächtigen Person, bei der Strike im Detail erklärt, wie es abgelaufen sein muss und warum nur diese eine Person als Täter oder Täterin in Frage kommt.

Die Ruhe, die Strike im Umgang mit Zeugen und möglichen Verdächtigen ausstrahlt, erinnert zwar an John Luther aus der Krimi-Reihe "Luther", ebenfalls Ermittler in London. Doch unter John Luthers ruhiger Oberfläche brodelt es, da ist eine Wut auf alle Ungerechtigkeiten dieser Welt, die er nicht immer zähmen kann. Bei Strike ist so etwas in den ersten drei Folgen nicht zu spüren - was aber nicht ausschließt, dass er sich in eine solche Richtung entwickelt. Genug Gründe, wütend zu sein, sind in der Figur angelegt. 

Es gibt eine weitere Konstante: Strikes Assistentin Robin Ellacott (Holliday Grainger), die in der ersten Folge per Zeitarbeitsvermittlung zu ihm stößt. Es dauert ein bisschen, bis sich die beiden Figuren aneinander gewöhnen, weil sie - wie bei vielen anderen Ermittler-Duos auch - gegensätzlich angelegt sind.

Normalerweise bin ich eine serielle Leserin. Was ich damit meine: Wenn mir ein Buch gefallen hat, lese ich auch die anderen Bücher der Reihe oder, wenn das Buch nicht Teil einer Reihe ist, die anderen Bücher der Autorin oder des Autoren. Bei "Der Ruf des Kuckucks" Ende 2013 hatte ich nicht das Bedürfnis, ein weiteres Strike-Buch zu lesen - obwohl zu dem Zeitpunkt schon bekannt war, dass 2014 ein weiteres veröffentlicht werden würde. Ganz anders erging es mir beim Gucken: Nach den ersten drei Episoden hätte ich sehr gerne auch die vierte Folge und damit den nächsten Strike-Fall angefangen (leider wurden nur die Folgen 1 bis 3 vorab zur Verfügung gestellt). Während des Anschauens ist es mir nicht gelungen, den Grund für den Unterschied festzumachen. Erst beim Schreiben dieses Textes und beim Beschreiben der Figur Strike ist mir klar geworden: Die beiden Charaktere Strike und Robin sind in der Serie greifbarer und komplexer als im Buch und üben deswegen eine größere Anziehungskraft auf mich aus. Was mich beim Lesen gestört hat - dass Beschreibungen von Umgebungen und Figuren oft im Ungefähren bleiben -, wird in der Serie besser gelöst, als es die Vorlage liefert.

Der erste Fall wird über drei einstündige Folgen erzählt, die beiden anderen Fälle über jeweils zwei. Insgesamt sieben Episoden gibt es also mittlerweile, in Großbritannien wurden sie im vergangenen Jahr und Anfang dieses Jahres gesendet. In Deutschland sind nun alle "Strike"-Fälle nacheinander auf dem Bezahlsender Sky Atlantic zu sehen, die Serie ist auch bei den Sky-Streamingangeboten verfügbar.

Über die Autorin

Ulrike Klode ist freie Journalistin in Hamburg - und weil sie serienverrückt ist, schreibt und redet sie am liebsten über nichts anderes. Zum Beispiel in ihrer wöchentlichen Kolumne "Meine Woche in Serie" und im Podcast "Seriendialoge".

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