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Meine Woche in Serie

"The Good Fight" hat sich zu einer kraftvollen Serie gemausert

 

Das Spin-off von "The Good Wife" brauchte etwas Zeit: Nach der soliden ersten Staffel hat die Serie "The Good Fight" in Staffel 2 nun endlich ihren Ton gefunden, findet unsere Kolumnistin Ulrike Klode. Sie meint: "The Good Fight" ist eine wichtige, politische Serie geworden. KEINE SPOILER!

von Ulrike Klode
14.07.2018 - 09:17 Uhr

Die zweite Staffel einer Serie ist immer eine Bewährungsprobe: Wird die Serie das halten können, was in Staffel 1 versprochen wurde? Oft genug scheitern Serien daran - die Serienidee funktionierte hervorragend in der ersten Staffel, doch in der zweiten Staffel werden die Mängel sichtbar. Es wird klar, dass die Idee allein nicht ausreicht. Ein Beispiel für dieses Phänomen: "UnREAL". Aber auch "The Affair" - wo Staffel 2 nicht ganz so stark abfiel wie bei "UnREAL" - zeigte, dass es nicht einfach ist, aus einer guten Idee eine tragfähige Idee zu machen. 

Bei der Anwaltsserie "The Good Fight" dagegen ist die zweite Staffel so stark, so gut, so mitreißend, dass ich immer wieder begeistert "Wow!" ausrufe beim Gucken. Und ich bin froh, dass ich nach der ersten Staffel, die zwar solide, aber nicht so mitreißend war, wie ich erhofft hatte, die Serie nicht aufgegeben habe. Alles in allem war Staffel 1 ein gutes Spin-off einer hervorragenden Serie: Man nahm sich die wichtige Nebenfigur Diane Lockhart (Christine Baranski) und folgte ihrem Weg nach dem Ende von "The Good Wife".

Doch allein die Ankündigung, sich auf die erfahrene Anwältin Diane Lockhart zu konzentrieren - eine Figur, die deutlich politischer ist als die bisherige Hauptfigur Alicia Florrick -, weckte hohe Erwartungen bei mir. Zu hohe, wie sich schnell herausstellen sollte. Ja, es ging zwar um Diane. Aber offensichtlich vertraute man der Stärke der Figur nicht vollends und stellte ihr mit Patentochter und Jung-Anwältin Maia Rindell (Rose Leslie) eine neue, junge Figur mit einem ganz eigenen Drama - Finanzbetrug in ihrer Familie in Bernie-Madoff-Dimension - an die Seite. (Zwischendurch hatte ich den leisen Verdacht, dass man befürchtete, die Figur Diane sei zu alt, weswegen diese junge Figur eingeführt wurde.) Maia Rindells Geschichte rückte in den Fokus, Diane Lockhart wurde weniger wichtig. Eine verschenkte Chance, wie ich fand, auch wenn sich Maia Rindell mit ihrer Skandal-Geschichte zu einer interessanten Figur entwickelte.

Was mir an Staffel 1 gefiel: Dass sie konsequent im selben Universum wie "The Good Wife" spielte. Im Mittelpunkt stand von nun an zwar eine andere Kanzlei, aber viele der Figuren rundherum am Gericht oder in anderen Kanzleien waren aus der Mutterserie bekannt. Darunter Publikumslieblinge wie bestimmte exzentrische Richter oder die Rechtsanwältin Elsbeth Tascioni (Carrie Preston), die mit ihren ungewöhnlichen Methoden immer wieder für Erstaunen und Belustigung sorgte. Die Autoren und Autorinnen rund um die Showrunner Michelle und Robert King verstanden also ganz offensichtlich ihr Spin-off-Handwerk. Auch bei der Struktur der neuen Serie orientierte man sich an der Ausgangsserie: Obwohl "The Good Fight" für das Streamingportal des Senders CBS produziert wurde, blieb man bei der bekannten Kombination von episodischen und übergreifenden Handlungssträngen. Und ja, ich kann nachvollziehen, dass die Situation schwierig war: die Geschichte einer politischen, feministischen Figur, die Hillary Clinton verehrt, zu schreiben und kurz nach Abschluss der Dreharbeiten der Pilotfolge festzustellen, dass Trump gewählt wurde. Handlungsstränge im Drehbuch mussten geändert werden, für den Piloten wurden Szenen nachgedreht, wie die Showrunner damals in Gesprächen mit US-Medien sagten. 

Umso mehr freue ich mich, dass die Serie in Staffel 2 ihre Stimme entdeckt hat und zu der politischen Serie geworden ist, auf die ich von Anfang an gehofft hat: Diana Lockhart ist nun der Mittelpunkt. Wir verfolgen, wie sie versucht, mit Präsident Trump, den Veränderungen im Land und den Folgen klar zu kommen, die das für ihr Leben, ihre Arbeit - und ihren eigenen Verstand hat. Es ist faszinierend, ihren inneren Kampf zu beobachten, während sie sich in ihrer Arbeit als Anwältin mit der veränderten politischen Landschaft auseinandersetzen muss. Und hier bauen die Verantwortlichen eine Stärke aus, die bereits "The Good Wife" hatte: Dass aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen in Form von Mandanten und Gerichtsprozessen aufgegriffen werden. Während es bei "The Good Wife" oft auch um gesellschaftliche Entwicklungen ging, die nicht notwendigerweise eine rein politische Dimension hatten - Wie stark beeinträchtigen Fotodrohnen das Privatleben? Oder: Wer steckt hinter Bitcoin? Oder: Wie werden Algorithmen durch den Hintergrund der Programmierer unbewusst beeinflusst? -, baut "The Good Fight" fast ausschließlich auf politische Konflikte wie Rassenhass, Hatespeech, Fake News oder die Veränderung der Einwanderungsgesetzgebung.  

Durch Staffel 2 ist "The Good Fight" nun eine eigenständige Serie geworden, sie setzt sich klar von "The Good Wife" ab, verleugnet ihre Herkunft jedoch nicht. Sie ist voller interessanter Figuren (hier muss ich dringend die Anwältin Lucca Quinn (Cush Jumbo) erwähnen!) und einer starken Protagonistin. "The Good Fight" hat sich zu einer kraftvollen Serie gemausert. Eine Serie, die in den USA zu Diskussionen führen könnte, wenn sie auf einer bekannteren Plattform oder auf CBS zu sehen wäre. Meine Erwartungen an Staffel 3 sind enorm - und ich mache mir keine Sorgen, dass sie zu hoch sein könnten. 

Die zweite Staffel von "The Good Fight" ist beim deutschen Bezahlsender Fox zu sehen. 


(via Giphy)

Über die Autorin

Ulrike Klode ist freie Journalistin in Hamburg - und weil sie serienverrückt ist, schreibt und redet sie am liebsten über nichts anderes. Zum Beispiel in ihrer wöchentlichen Kolumne "Meine Woche in Serie" und im Podcast "Seriendialoge".

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