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Meine Woche in Serie

"Bones" oder: Was gucken bei fieser Erkältung?

 

Manchmal passen Serien mit langen Handlungsbögen und komplexen Geschichten einfach nicht zu der Stimmung, in der man gerade ist. Zum Beispiel, wenn man krank auf dem Sofa liegt. Unsere Kolumnistin Ulrike Klode hat für solche Situationen nun "Bones" entdeckt.

von Ulrike Klode
16.03.2019 - 10:23 Uhr

Ich schaue gerade die erste Staffel von "Bones" - ja, genau, diese von 2005 bis 2017 laufende Serie, in der es um eine geniale forensische Anthropologin geht, die gemeinsam mit einem FBI-Agenten Morde aufklärt. Zwölf Staffeln, 246 Folgen, ein Fall pro Folge. Ich bin noch nicht weit, habe aber soviel bereits verstanden: Die beiden Hauptfiguren Dr. Temperance "Bones" Brennan (Emily Deschanel) und Seeley Booth (David Boreanaz) sind sehr gegensätzlich, finden sich aber offensichtlich attraktiv, außerdem gibt es Geschichten in der Vergangenheit, die angedeutet wurden und vermutlich irgendwann aufgearbeitet werden. Die Hauptfiguren sind umgeben von drei bis vier Nebenfiguren mit schrägen Charakterzügen, die vielleicht sogar mal den einen oder anderen eigenen Handlungsstrang bekommen. Es gibt also genug Stoff zum Erzählen - Fälle und Zwischenmenschliches. Auf meiner Guckliste steht "Bones" nicht, dennoch habe ich derzeit ein großes Bedürfnis nach einer solchen Serie. Ich liege nämlich krank auf dem Sofa, schaue eine Folge nach der nächsten, döse mal ein, wache wieder auf, spule zurück, gucke weiter.

Klar, ich hätte jetzt viel Zeit, meine Guckliste abzuarbeiten. "Pose" würde ich an einem Tag durchschauen können, am selben Tag noch die erste Hälfte von "Die Libelle". Und morgen käme die zweite Hälfte davon dran, dazuder Rest von "M - Eine Stadt sucht einen Mörder", die ich bisher nicht geschafft habe. Sollte ich noch länger vergrippt hier herumliegen, hätte ich sogar die Chance, die Top 10 meiner aktuellen Liste wegzugucken. Aber: Alle Serien, die draufstehen, sind derzeit völlig ungeeignet. Wenn ich krank bin, brauche ich etwas Leichtes, das mich nicht ins Grübeln bringt oder unter Anspannung versetzt, etwas Unkompliziertes, mit Handlungsbögen, die nach einer Folge abgeschlossen sind. Wo es nicht so schlimm ist, wenn ich mal wegdöse oder nicht richtig aufpasse. Und wenn da noch ein bisschen fürs Herz dabei ist - herrlich. (Auch wenn ich noch mitten in Staffel 1 stecke, weiß ich natürlich, dass sich zwischen Bones und Booth etwas entwickeln wird, das ist ja quasi popkulturelles Wissen.) Das Praktische an "Bones" ist außerdem: Es gibt so viel davon. Wenn ich mich in vier Tagen wieder genesen vom Sofa erhebe, werde ich noch ausreichend Folgen übrig haben - so dass ich mir für die nächste Krank-auf-dem-Sofa-Phase nichts Neues suchen muss. 

Klar, ich hätte jetzt auch viel Zeit, alte Lieblinge erneut zu gucken. Aber irgendwie fühlt sich das nicht richtig an. Ich könnte "Gilmore Girls" oder "Veronica Mars" nicht genießen. Genauso "Buffy", was ich schon seit Jahren endlich mal von vorne bis hinten durchschauen will, bisher habe ich nur zwei Hände voll Folgen aus unterschiedlichen Staffeln gesehen. Denn "Buffy" ist vom Aufbau her "Bones" sehr ähnlich - statt Fall der Woche eben das Monster der Woche. Aber hier hätte ich das Gefühl: In meinem Guckzustand kann ich der Serie nicht gerecht werden. 

Und dass ich jetzt "Bones" schaue, bedeutet nicht, dass ich die Serie nicht ausreichend würdigen könnte. Ein paar Beispiele von früheren "Krankheitsserien": Voriges Jahr um diese Zeit hatte ich die Grippe, meine Fernsehfutter damals war "Queer Eye". Ich hatte zwar Fieber, aber die Reality-Serie hat mich ergriffen, berührt. Ich habe mich über die Tonalität, die Herzlichkeit, die positive Einstellung der Hauptdarsteller und der Kandidaten gefreut. Und habe "Queer Eye" in die Liste der Serien aufgenommen, zu denen ich immer mal wieder zurückkehre, wenn mir danach ist. Wenn dieser Text erscheint, wurde die dritte Staffel gerade veröffentlicht. Mein Plan: "Bones" und "Queer Eye" ab Samstag abwechselnd zu schauen. 

Das nächste Beispiel: "The Good Wife". Eine Serie, die ich beim ersten Gucken nach ein paar Folgen abgebrochen hatte. Weil ich aber ein paar Jahre später viel Gutes darüber las und hörte, nutzte ich eine Krank-auf-dem-Sofa-Phase 2015, um ihr eine zweite Chance zu geben. Und jetzt steht sie auf der Liste meiner Lieblingsserien ziemlich weit oben. Anders, als ich es bei "Bones" vorhabe, habe ich von "The Good Wife" allerdings nach dem Genesen einfach alle vorhandenen Staffel nachgeschaut und bin dann in die damals aktuelle eingestiegen.

Schließlich: "Veronica Mars". Ja, weiter oben habe ich geschrieben, dass ich befürchte, "Veronica Mars" nicht richtig genießen zu können, wenn ich sie in diesen Tagen erneut schauen würde. Dennoch war es eine Zahn-OP 2009, wegen der ich zu dieser wunderbaren Serie gefunden habe. Ich weiß es noch ganz genau: Mit Kühl-Packs an beiden Wangen lag ich auf dem Sofa und war nach der ersten Folge gefangen von dieser ungewöhnlichen Hauptfigur in diesem besonderen Setting. Und jetzt steht sie auf der Liste meiner Lieblingsserien ganz weit oben.

Ob "Bones" für mich das Potenzial hat, dass ich in zwei Jahren noch weiß, dass sie eine meiner "Krankheitsserien" war? Das kann ich derzeit noch nicht sagen. Vermutlich hätte die ganz große Begeisterung jetzt schon überspringen müssen. Aber derzeit ist sie einfach die passende Serie zur richtigen Zeit.

Alle zwölf Staffeln von "Bones" sind zum Beispiel bei Amazon (teilweise Prime), iTunes, Maxdome oder MagentaTV verfügbar. Die Serie läuft derzeit bei RTL und RTL Crime. Alle Staffeln gibt's auch auf DVD.


(via Giphy)

Über die Autorin

Ulrike Klode ist freie Journalistin in Hamburg - und weil sie serienverrückt ist, schreibt und redet sie am liebsten über nichts anderes. Zum Beispiel in ihrer wöchentlichen Kolumne "Meine Woche in Serie" und im Podcast "Seriendialoge".

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