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Meine Woche in Serie

"Watchmen" muss einfach weitergehen

 

Unsere Kolumnistin Ulrike Klode hat in dieser Woche "Watchmen" zu Ende geschaut und schreibt in ihrem ersten Kolumnentext nach der Winterpause voller Begeisterung - aber ohne Spoiler - über die HBO-Serie.

von Ulrike Klode
11.01.2020 - 10:02 Uhr

Wow. Hui. Das war ... beeindruckend, faszinierend, spannend, großartigst. Ich habe vor anderthalb Tagen das Finale von "Watchmen" gesehen, und ich habe mir extra ein bisschen Zeit zwischen dem Anschauen und dem Schreiben gelassen - in der Hoffnung, dass sich meine flatterhaften Gedanken und Gefühle, die diese HBO-Serie in mir erzeugt haben, in der Zeit etwas beruhigen und sortieren. Doch, nein, das ist leider nicht passiert. Ich bin immer noch ziemlich aufgeregt und wünschte mir, ich hätte die Zeit, die komplette Serie noch einmal zu schauen. Dieses Mal aber am Stück. Und eigentlich würde ich gerne tiefer eintauchen in diese ungewöhnliche Superheldinnen-Geschichte, mehr wissen, mehr verstehen.

Gleichzeitig widerstrebt es mir aber auch, tiefer einzutauchen in diese Serie. Dabei wäre es so einfach: Auch zu dieser Serie gibt es einen begleitenden Podcast, den "Official Watchmen Podcast" von HBO, in dem Showrunner Damon Lindelof Beweggründe, Hintergründe und Details zu jeder Folge erklärt. Außerdem wurde eine Art Erklärseite veröffentlicht, "Peteypedia" genannt, in der FBI-Agent Dale Petey, eine Figur der Serie, über Hintergründe aufklärt. Und natürlich gibt's rundherum noch sehr viel journalistische Berichterstattung und Fan-Seiten und Fan-Foren. Ich könnte mich also stunden-, tagelang bis ins Detail mit den Figuren, der Handlung, Anspielungen, der Comicbuch-Vorlage und noch viel mehr beschäftigen. Ich würde viel dazulernen, noch mehr verstehen. Aber all das würde dieses wunderbare Gefühl sezieren und damit zerstören, das diese Serie bei mir hinterlassen hat. 

"Watchmen" hat bei mir etwas bewirkt, das bisher keine Serie geschafft hat - am Anfang scheinbar unerreichbare Erwartungen zu schüren und sie dann auch noch zu übertreffen. "Watchmen" hat mir in der ersten Folge etwas Großes, etwas Neues versprochen - mit den Figuren, mit der Art, wie erzählt wurde, mit den Bildern. In den Folgen danach wurden die Versprechen noch fulminanter, meine Erwartungen unermesslich groß. Und am Ende der Staffel bin ich beglückt, weil alles eingelöst wurde - und noch mehr. Inhaltlich ergibt alles einen Sinn, ich verstehe die Zusammenhänge und bin von Anfang bis Ende begeistert von den Hauptfiguren, allen voran die bewundernswerte Angela Abar (großartig: Regina King), von den starken Geschichten und der gesellschaftlichen Relevanz, den Denkanstößen. Gleichzeitig wurde mir diese Geschichte auf eine Art erzählt, die mich in jeder Folge wieder neu überrascht hat. Entweder, weil neue spannende Figuren oder unerwartete Wendungen eingeführt wurden. Oder, weil man ungewöhnliche Erzähltechniken gewählt hat. Oder, weil aus ungewöhnlichen Perspektiven erzählt wurde. So wurde eine Geschichte, die für sich genommen übersichtlich ist, zu einem spannenden, herausforderndem Gewirr, das vor meinen Augen höchst ästhetisch entwirrt wurde. (Wie unerreichbar gut ist bitte Folge 8?!?) 

Obwohl mir von Anfang an klar war, dass diese neun Folgen für sich stehen sollen - und Showrunner Damon Lindelof das auch immer wieder deutlich gemacht hat -, kann ich am Ende kaum glauben, dass das jetzt das wirklich das Ende ist. Das ist doch nur der Anfang! Staffel eins von "Watchmen" war nur die Origin-Story, wie es bei Superhelden ja immer so schön heißt. Hier muss es weitergehen! Die allerletzte Szene hat mich mit so viel Spannung zurückgelassen, dass ich gar nicht weiß, wohin damit, wenn es keine zweite Staffel gibt.

Ich verstehe es natürlich, wenn Damon Lindelof erst einmal tief stapelt. Er weiß ja, dass zu viel Publikumsbegeisterung und zu wenig Konzept böse enden kann - "Lost" und das viel beschimpfte Ende lassen grüßen. Aber das ist viele, viele Jahre her. Bei "Watchmen" hat er das gemacht, wonach sich seine "Lost"-Fans 2010 gesehnt hätten: Am Ende die Zusammenhänge aufgedeckt, dem großen Ganzen einen Sinn gegeben. Wie übrigens auch bei "The Leftovers", seiner sehr düsteren und hochgelobten Serie, deren drei Staffeln von 2014 bis 2017 bei HBO liefen. 

Wenn Lindelof die zweite Staffel nicht selbst machen möchte, könnte er es doch einer anderen Person überlassen. Ich hätte damit kein Problem. So lange er diese Person aussucht und die Arbeit beratend begleitet, soweit das möglich ist. Ein Vorbild könnte da Phoebe Waller-Bridges Ansatz bei der Thrillerserie "Killing Eve" sein: Die erste Staffel hat sie zwar federführend geschrieben und sie war die Showrunnerin. Aber statt auch bei Staffel 2 den Chefinnen-Job zu übernehmen, verkündete sie, dass sie für jede folgende Staffel immer neue Showrunnerinnen auswählen werde. Die zweite Staffel hat Emerald Fennell übernommen, bei Staffel 3 hat Suzanne Heathcote den Hut auf. Phoebe Waller-Bridge wird natürlich weiterhin als Executive Producer geführt, aber ihr eigentlicher Einfluss liegt darin, dass sie die Showrunnerinnen auswählt und berät. 

Glücklicherweise hat Damon Lindelof durchblicken lassen, dass er für eine solche Lösung offen ist, aber daran auch Erwartungen knüpft (das sagt er zum Beispiel in diesem ohnehin interessanten Interview mit der US-Popkulturseite "Vulture" - Achtung, Spoiler im Interview).
Puh.
Ich werde also hoffen:
1. dass sich da jemand herantraut;
2. dass diese Person die Geschichte im Sinne von Lindelof weiterschreibt und das Team das entsprechend herausfordernd und fortschrittlich umsetzt (Nicole Kassell sollte dringend wieder bei mehreren Folgen Regie führen);
3. dass diese Geschichte die Verantwortlichen von HBO überzeugt (was vermutlich die einfachste der Herausforderungen sein dürfte nach dem Erfolg der ersten Staffel);
4. dass meine Lieblingsfigur dann auch entsprechend gewürdigt wird.
Ach, und 5. dass auch meine Zweitlieblingsfigur weitere Auftritte haben wird.

Und wenn es drei oder vier Jahre dauert, bis die zweite Staffel kommt, weil die Geschichte reifen muss, habe ich da überhaupt nichts gegen. Im Gegenteil: Ich kann beruhigt sein, dass es weitergeht. Und muss mir gleichzeitig keine Sorgen machen, dass es sich um einen unbedachten, minderwertigen Schnellschuss handeln könnte, nur weil die Verantwortlichen bei HBO übereilig an den Erfolg der ersten Staffel anknüpfen wollen. Aber wie man an der sehr guten dritten Staffel von "True Detective" ablesen konnte, scheint HBO aus der eilig produzierten und problembehafteten zweiten Staffel dieser Serie ja etwas gelernt zu haben.

"Watchmen" ist zum Beispiel bei Amazon, Maxdome oder den Sky-Streamingangeboten verfügbar.

Über die Autorin

Ulrike Klode ist freie Journalistin in Hamburg - und weil sie serienverrückt ist, schreibt und redet sie am liebsten über nichts anderes. Zum Beispiel in ihrer wöchentlichen Kolumne "Meine Woche in Serie" und im Podcast "Seriendialoge".

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