Foto: MTV © MTV

Sarah Kuttner findet keinen Ausweg aus dem Quotenkeller

 

Über die sehr schwachen Quoten von Sarah Kuttners aufwändig produzierter Late-Night-Show dürften sich derzeit die MTV-Verantwortlichen ärgern. Dabei ist der Sender selbst nicht ganz unschuldig für das Quotenproblem

von Henrik Wittmann
21.01.2006 - 16:47 Uhr

Logo: MTVVor fünf Jahren wäre "Kuttner." bei MTV vermutlich der Stern am Quotenhimmel gewesen. Doch das MTV von 2001, als die Invasion der US-Trashshows und der Klingeltonwerbung noch nicht abzusehen war, und das von heute haben nur noch wenig gemein.

Selbst MTV-Chefmoderator Markus Kavka gab vor zwei Wochen in einem Interview mit dem "Süddeutsche Zeitung"-Magazin "jetzt" zu: "Musikfernsehen ist per se nicht mehr so interessant wie es früher mal war." MTV und Co. würden heute ganz anders konsumiert als das noch vor fünf oder zehn Jahren der Fall war, meint Kavka. Er glaube, dass spätestens mit dem Niedergang des Senders Viva Zwei viele Leute ein für alle mal mit dem Musikfernsehen gebrochen haben.

Zwar hat Markus Kavkas Arbeitgeber MTV heute nicht unbedingt mehr Zuschauer als vor fünf Jahren – der durchschnittliche Marktanteil in der Kernzielgruppe liegt damals wie heute bei etwa 2,0 Prozent –, aber dafür andere Zuschauer. Einstige MTV-Stammzuschauer sind inzwischen längst vergrault. Das MTV-Publikum von heute interessiert sich kaum noch für Musikclips oder Sendungen abseits des Mainstreams, sondern eher für importiertes "Light Entertainment" aus Amerika.

Unter den fünfzig meistgesehenen MTV-Sendungen der ersten drei Wochen dieses Jahres finden sich keine einzige Musiksendung und nur drei deutsche Produktionen ("Mein neuer Freund" und "Masters" am 1. Januar sowie "Pimp My Whatever“ am 14. Januar).

Foto: VIVA.tvGanz und gar verloren wirkt Sarah Kuttner mit ihrer Show zwischen dem US-Trash wie "My Super Sweet Sixteen“ oder "Date My Mom“. Von Anfang an hatte sie bei MTV mit sehr schwachen Quoten zu kämpfen. Und es wird und wird nicht besser. Hatte "Kuttner.“ im Oktober 2005 in der Kernzielgruppe der 14- bis 29-Jährigen noch einen durchschnittlichen Marktanteil von 1,1 Prozent, waren es bei den bisher vier Folgen im Januar nur noch 0,8 Prozent.

Im Sommer läuft der Vertrag für Kuttners Sendung, die sie mit ihrer Firma "Kuttner TV“ selbst produziert, aus. Ob der Vertrag verlängert wird, ist fraglich. Schließlich nannte MTV-Programmdirektor Elmar Giglinger vor kurzem in der Zeitung "Die Welt“ für Kuttners Show eine Quotenvorgabe von "über zwei Prozent Marktanteil“.

Zudem strich MTV Ende letzten Jahres zunächst die "Kuttner.“-Wiederholung am Montagabend, ersetzte wenig später die beiden 19-Uhr-Ausstrahlungen am Mittwoch und Freitag durch die US-Shows "True Life“ und "Made“ und lässt Kuttners Show inzwischen nur noch versteckt im Nachtprogramm wiederholen. Das wird Kuttner und ihren Fans nicht gerade Mut machen. Weder Stargäste wie Wir sind Helden, 50 Cent oder Johannes B. Kerner, überwiegend positive Kritiken in den Feuilletons noch die Moderatorin selbst scheinen momentan an dem Quotenproblem etwas ändern zu können.

Am vergangenen Donnerstag machte Kuttner die Quotenmisere erstmals zum Thema der Sendung. Doch auch ihr nicht ganz ernst gemeinter Versuch, "Quote mit Ärschen“ zu machen, hatte keinen großen Erfolg: Die Sendung sahen insgesamt nur 60.000 Zuschauer, der Marktanteil in der Kernzielgruppe lag bei lediglich 0,7 Prozent.

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