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Angebliche Leserzahlen

Print-MA attestiert Zeitschriften sinkende Reichweiten

 

Die Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse attestiert den meisten größeren Zeitschriften sinkende Leserzahlen. Deutlich ging's etwa beim "Spiegel", bei "tv 14", "TV Movie" oder "Sport-Bild" runter. Doch allgemein bleibt die Frage, wie glaubwürdig die Zahlen sind

von Uwe Mantel
24.01.2018 - 11:01 Uhr

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Man hat es ahnen können: "Reichweiten der Publikumszeitschriften generell stabil" berichtet die Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse auch bei der Vorlage der neuesten MA-Daten. Seit vielen Jahren ist schon zu beobachten, dass die auf Umfragen (mit immerhin insgesamt fast 36.000 Teilnehmern) basierende Media-Analyse angebliche Reichweiten ergibt, die sich von der tatsächlich gemessenen Auflagenentwicklung deutlich abgekoppelt haben. Doch auch wenn die MA diesmal wieder ergeben hat, dass die generelle Zeitschriftennutzung nur minimal abnimmt (88,2 Prozent der Bevölkerung lesen demnach Zeitschriften, im Durchschnitt liest jeder Befragte demnach 3 Titel pro Erscheinungsintervall), dominieren insbesondere bei den größeren Titeln diesmal teils deutliche Verluste.

In den Top 20 der meistgelesenen Zeitschriften finden sich nur drei Gewinner. Um fast 13 Prozent nach oben geschossen ist dabei die "Gala" - was allerdings wohl vor allem eine Korrektur der letzten MA-Zahlen ist, da gab's nämlich noch ein Minus von knapp 10 Prozent. Daneben konnten unter den Top 20 nur die "Bunte" sowie die Programmie-Beilage "Prisma" zulegen. Für andere große Titel gibt's deutliche Verluste. Für den "Spiegel" etwa wird eine um 7,5 Prozent geringere Reichweite ausgewiesen, "TV Movie" und "Sport-Bild" sacken um 8 Prozent ab. Auch der "Stern" liegt immerhin fünf Prozent im Minus (was freilich noch immer unter den deutlich stärkeren tatsächlichen Auflagenverlusten liegt).

Deutlich runter ging's auch für mehrere Wochenzeitungen: Die Reichweite der "Zeit" - in Sachen Auflage übrigens recht stabil - sank um rund elf Prozent, die der "Welt am Sonntag" um über 20, bei der "B.Z. am Sonntag" ging's gar um über 30 Prozent nach unten. Diesem Abwärtstrend konnte sich nur die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" entziehen, die ihre Reichweite laut MA stabil hielt.

Die 20 meistgelesenen Zeitschriften waren laut ma 2018/I:

  Leser in Mio.
ma 2017/II
Leser in Mio.
ma 2017/I
Veränderung
in Prozent
zum Vergleich:
IVW-Auflage*
ADAC Motorwelt
14,89
15,17
- 1,8 %
13,44
rtv
8,87
9,37
- 5,3 %
7,37
Bild am Sonntag
8,60
8,91
- 3,5 %
0,85
tv14 6,76
7,28
- 7,1 %
2,13
Stern
6,49
6,83
- 5,0 %
0,55
Der Spiegel
6,07
6,56
- 7,5 %
0,74
Bild der Frau
5,75
5,77
- 0,3 %
0,67
Prisma
5,69
5,51
+ 3,3 %
4,29
TV Spielfilm
4,98
5,06
- 1,6 %
0,99
TV Movie
4,69
5,10
- 8,0 %
0,94
Bunte 4,60
4,43
+ 3,8 %
0,45
Focus 4,48
4,62
- 3,0 %
0,43
Sport Bild
4,18
4,55
- 8,1 %
0,30
TV Digital
3,93
3,95
- 0,5 %
1,53
Hörzu
3,62 3,68
- 1,6 %
0,99
TV Hören und Sehen
3,33
3,35
- 0,6 %
0,55
Gala
3,27
2,90
+ 12,8 %
0,25
Auto-Bild
3,14
3,14
unv.
0,35
kicker
3,07
3,15
- 2,5 %
0,13**
GEO
2,96
3,05
- 3,0 %
0,20

*Verbreitete Auflage 4/2017 in Mio.; **Montags-Ausgabe

Auch wenn sich bei der überwiegenden Zahl der Titel die angebliche Reichweite laut den MA-Zahlen nun zumindest in die gleiche Richtung bewegt wie die Auflagen, bleibt zwischen beiden Werten in vielen Fällen eine derartige Diskrepanz, dass die MA-Zahlen weiterhin ein enormes Glaubwürdigkeitsproblem haben. Auch wenn wir das Beispiel schon oft bemüht haben, sei hier mal wieder auf "Computer Bild Spiele" verwiesen, weil es einfach besonders deutlich ist: Zwar weist die MA hier eine um 5 Prozent gesunkene Reichweite aus - angeblich soll das Heft aber noch immer auf im Schnitt 1,48 Millionen Leser kommen. Das wäre ein geradezu sensationelles Kunststück, wo es doch zuletzt weniger als 22.000 Käufer gab. Aber auch bei großen Titeln stehen Auflage und angebliche Leserzahlen häufig in keinem glaubwürdigen Verhältnis. Jede "BamS" müsste im Schnitt von zehn Personen gelesen werden, ähnlich ist es beim "Focus", sogar noch etwas mehr müssten es beim "Stern", beim "kicker" oder der "Sport-Bild" sein. Es bleibt damit weiterhin sehr fragwürdig, ob der fraglos große Aufwand, der für die Ermittlung der Media-Analysen betrieben wird, mit der Qualität der Daten in einem vernünftigen Verhältnis steht.

Auf Seite 2: Die Titel mit laut MA 2018/I größte Reichweiten-Gewinnen und -Verlusten

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