heute-show © ZDF
Wöchentliches Quoten-Update

Finale Quoten: Die "heute-show" ist noch viel erfolgreicher

 

Täglich gegen 8:30 Uhr blickt die TV-Branche auf die Reichweiten des Vortages, dabei liegen die endgültig gewichteten Daten erst drei Tage später vor. Und die unterscheiden sich teils nochmal spürbar. Wir werfen künftig jede Woche einen Blick darauf.

von Uwe Mantel
22.05.2020 - 09:36 Uhr

Zu den Ritualen der Fernsehbranche gehört der morgendliche Blick auf die TV-Quoten des Vortages, die in der Regel spätestens um 8:30 Uhr zur Verfügung stehen. Es handelt sich hierbei um die "vorläufig gewichteten Daten". Drei Tage später werden diese dann allerdings noch einmal durch die endgültig gewichteten Werte ersetzt - und sie sind dann maßgeblich, erhalten in der täglichen Berichterstattung allerdings kaum Aufmerksamkeit, wenn nicht gerade ein Sender auf eine durch die endgültige Gewichtung deutlich besser ausgefallene Zahl verweist. Nachdem auch die Presse jahrelang kaum die Möglichkeit hatte, diese endgütligen Daten in ihrer Gänze einzusehen, ist dies inzwischen möglich - daher wollen wir künftig jede Woche - künftig in der Regel donnerstags - einen Blick darauf werfen, bei welchen Sendungen es in der Woche zuvor besonders deutliche Veränderungen im Vergleich zu den vorläufigen Zahlen gegeben hat - wodurch sich möglicherweise auch die Einschätzung ob Erfolg oder Misserfolg nochmal ändert. Diesmal betrachten wir also die Woche vom 11. bis 17. Mai.

Zunächst sei hier aber kurz erklärt, wieso sich die Zahlen überhaupt nach drei Tagen nochmal ändern. Dabei spielen zwei Faktoren eine Rolle. Der einfacher zu verstehende: In den endgültigen Zahlen wird auch die zeitversetzte Nutzung berücksichtigt - allerdings nur jene, die auf Aufnahmen des linearen Programms etwa auf Festplattenrekordern oder ähnlichem basiert, nicht also, wenn Sendungen etwa in den Mediatheken nachgeholt werden. Der zweite Faktor sind verspätet eintrudelnde Daten aus den Haushalten. Die TV-Quoten werden bekanntlich nicht durch eine Vollerhebung gemessen, stattdessen wird die Nutzung lediglich in einem Panel aus derzeit 5.400 Haushalten mit insgesamt rund 11.000 Personen erhoben und dann auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet. Die Übermittlung der Nutzungsdaten aus diesen Haushalten erfolgt nachts. Allerdings funktioniert sie aus unterschiedlichsten Gründen nie bei allen Haushalten. Schlägt die Übertragung fehl, wird sie im weiteren Verlauf der nächsten Tage erneut versucht. Nach drei Tagen steht die Hochrechnung dank der nachträglich eingetroffenen Daten somit auf einer etwas breiteren Basis als nach dem ersten Tag und ist demnach genauer. Das bedeutet aber auch, dass die Nutzung Einzelner im Panel dann etwas weniger Gewicht hat - und in der Hochrechnung trotz zusätzlich berücksichtigter zeitversetzter Nutzung etwas niedrigere Reichweiten als in der vorläufigen Gewichtung herauskommen können. (Details zur Gewichtung hält die AGF online bereit)

Besonders deutliche Marktanteils-Verschiebungen gibt es häufig in den Randbereichen des Programms, etwa nachts oder am frühen Morgen - schlicht, weil dort so wenige Zuschauer insgesamt fernsehen und im überschaubaren Panel dann schon einzelne Personen entscheidenden Einfluss auf die hochgerechneten Zahlen haben. In der vergangenen Woche wurde als besonders drastisches Beispiel eine Folge von "Paw Patrol" am Morgen in den endgültigen Daten mit 15,5 Prozent Marktanteil (14-49) ausgewiesen, während es bei den vorläufigen Zahlen noch 3,5 Prozent waren. Das ist natürlich eine Ausnahme, doch Änderungen von über drei Prozentpunkten gar nicht so selten. Spannender ist aber natürlich, dass es durchaus auch in der Primetime größere Unterschiede zwischen den vorläufig und endgültig gewichteten Zahlen gibt.

Dabei sticht regelmäßig die "heute-show" heraus. Die ist nämlich sogar noch deutlich erfolgreicher als es die vorläufigen Zahlen erscheinen lassen. Aus den laut vorläufig gewichteten Zahlen im Schnitt 4,5 Millionen Zuschauern wurden in den endgültigen Werten in der vergangenen Woche nämlich 5,0 Millionen Zuschauer. Die Sendung dürfte also besonders stark zeitversetzt genutzt werden. Der Marktanteil beim Gesamtpublikum wurde dadurch von 17,7 auf 19,0 Prozent nachgewichtet, der Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen liegt bei den endgültigen Werten sogar 3,1 Prozentpunkte höher als zunächst gemeldet bei nun 17,8 Prozent. Und das ist kein Einzelfall, in der Woche zuvor erhöhte sich der Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen sogar um 4,4 Prozentpunkte auf 22,2 Prozent, die Gesamt-Reichweite wurde um 650.000 auf 5,75 Millionen nach oben gesetzt.

Größte Zugewinne* bei Gesamtreichweite

  ab 3 14-49
  Sendung Datum Zeit RW MA RW MA
heute-show 15.05. 22:35 5,00
(+0,50)
19,0%
(+1,3%p.)
1,49
(+0,33)
17,8%
(+3,1%p.)
Tagesschau 15.05. 20:00 5,41
(+0,22)
18,3%
(+0,7%p.)
1,41
(+0,11)
18,1%
(+1,3%p.)
Sing meinen Song - Das Tauschkonzert 12.05. 20:15 2,57
(+0,17)
7,8%
(+0,4%p.)
1,31
(+0,06)
13,9%
(+0,4%p.)
Bauer sucht Frau International 17.05. 20:14 3,57
(+0,15)
11,2%
(+0,3%p.)
0,98
(+0,08)
10,4%
(+0,6%p.)
Mann, Sieber! 12.05. 22:47 1,71
(+0,13)
8,6%
(+0,4%p.)
0,37
(+0,10)
5,9%
(+1,5%p.)

*Vergleich vorläufig vs. endgültig gewichtete Quoten; Zeitraum: 11.5.-17.5.; Reichweiten-Angaben in Mio.; Sendungen zwischen 18 und 24 Uhr; Quelle: AGF/Berechnungen DWDL.de

Berücksichtigt man dann noch, dass in der vergangenen Woche auch die nächtliche Wiederholung am Samstag in den endgültig gewichteten Zahlen noch 260.000 weitere Zuschauer (von 0,78 auf 1,04 Millionen) zugesprochen bekam, dann ergibt sich eine um über eine dreiviertel Million höhere Gesamt-Reichweite, und dazu kommen ja auch noch die fast 1,5 Millionen Zuschauer, die die diversen Wiederholungen auf ZDFneo einsammeln - auch ohne Berücksichtigung der Abrufzahlen in der ZDF-Mediathek, wo die "heute-show" stets Spitzenplätze belegt. Abrufzahlen der Mediatheken werden von der AGF inzwischen allerdings nicht mehr veröffentlicht, mit den TV-Quoten vergleichbare Daten zur Sehbeteiligung gab's ohnehin noch nie für die Presse zugänglich. Natürlich bilden also auch diese endgültig gewichteten Zahlen weiterhin nur einen Teil der tatsächlichen Nutzung der TV-Inhalte ab.

Auch andere ZDF-Sendungen gehören zu den großen Zugewinnern beim jüngeren Publikum. Der Marktanteil von "Mann, Sieber!" etwa wurde bei den 14- bis 49-Jährigen von sehr mageren 4,4 auf immerhin halbwegs solide 5,9 Prozent nach oben korrigiert. 1,71 Millionen Zuschauer werden nun insgesamt ausgewiesen, 130.000 mehr als in den vorläufigen Zahlen. "Markus Lanz" wurde im Anschluss in der endgültigen Gewichtung ebenfalls deutlich um 1,4 Prozentpunkte auf nun hervorragende 9,7 Prozent nach oben korrigiert. Zur gleichen Zeit lief bei RTL "Temptation Island" mit 10,9 statt der vorläufig ausgewiesenen 9,6 Prozent ebenfalls deutlich besser. Im Gegenzug müssen andere Programme natürlich nun schwächere Marktanteile hinnehmen, allerdings verteilen sich die Verluste hier großflächig, keiner steht in diesem Timeslot in der endgültigen Gewichtung mehr als 0,3 Prozentpunkte schwächer da.

Weitere nennenswerte Zugewinne in der endgültigen Gewichtung gab's unter anderem für den Mittwochabend bei ProSieben. "Joko & Klaas Live" wurde hier um 0,6 Prozentpunkte auf stolze 17,4 Prozent angepasst, "Grey's Anatomy" kommt laut den endgültigen Zahlen auf 11,8 statt 11,2 Prozent. Auch der Dating-Montag von Vox steht besser da als in den vorläufigen Zahlen. "First Dates Hotel" wird nun mit 8,2 statt 7,7 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen angegeben, "Prince Charming" mit 6,4 statt 6,0 Prozent. Bemerkenswert auch, dass "Sing meinen Song" insgesamt 170.000 Zuschauer mehr attestiert werden als in den vorläufigen Zahlen, die Reichweite steigt damit also auf 2,57 Millionen an. Bei RTL erreicht "Bauer sucht Frau International" am Sonntag in den endgültig gewichteten Werten nun immerhin doch einen zweistelligen Marktanteil von 10,4 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen (zuvor 9,8 Prozent). Der "Tatort" als reichweitenstärkste Sendung der letzten Woche zählte laut endgültig gewichteter Quoten übrigens nun 9,46 Millionen Zuschauer, 100.000 mehr als in den vorläufigen Werten.

Größte Zugewinne* bei Marktanteil (14-49)

  ab 3 14-49
  Sendung Datum Zeit RW MA RW MA
heute-show 15.05. 22:35 5,00
(+0,50)
19,0%
(+1,3%p.)
1,49
(+0,33)
17,8%
(+3,1%p.)
Mann, Sieber! 12.05. 22:47 1,71
(+0,13)
8,6%
(+0,4%p.)
0,37
(+0,10)
5,9%
(+1,5%p.)
Markus Lanz 12.05. 23:16 1,67
(+0,12)
13,0%
(+0,6%p.)
0,42
(+0,07)
9,7%
(+1,4%p.)
Tagesschau 15.05. 20:00 5,41
(+0,22)
18,3%
(+0,7%p.)
1,41
(+0,11)
18,1%
(+1,3%p.)
Temptation Island
12.05. 23:08 0,93
(+0,12)
6,1%
(+0,6%p.)
0,53
(+0,08)
10,9%
(+1,3%p.)

*Vergleich vorläufig vs. endgültig gewichtete Quoten; Zeitraum: 11.5.-17.5.; Reichweiten-Angaben in Mio.; Sendungen zwischen 18 und 24 Uhr; Quelle: AGF/Berechnungen DWDL.de

Und dann taucht in der Hitliste der größten Korrekturen nach oben auch sehr häufig "Big Brother" auf, das mithin kein ganz so schlimmer Flop war, wie es die vorläufigen Werte nahe legen. Die Entscheidungsshow in der vergangenen Woche (also nicht das Finale diese Woche) wurde bei den vorläufigen Quoten noch mit 6,5 Prozent Marktanteil ausgewiesen, kommt bei den endgültigen Werten aber nun auf 7,1 Prozent und damit immerhin schonmal in Sichtweite des Senderschnitts. Die Gesamtreichweite stieg dann doch wieder über die Millionenmarke auf 1,05 Millionen, 110.000 mehr als laut der vorläufig gewichteten Quoten. Auch am Vorabend gab's Aufwertungen von meist über einem halben Prozentpunkt in der Zielgruppe. Im Wochenschnitt kommt "Big Brother" so am Vorabend auf 5,8 Prozent. Das ist natürlich noch immer kein Erfolg, aber liest sich schon nicht mehr ganz so schlecht wie die 5,2 Prozent, die es nach den vorläufigen Zahlen waren.

Neben den Zugewinnen gab's natürlich auch Korrekturen nach unten. Dort finden sich etwa die "Tagesthemen" vom Montag, die bei den 14- bis 49-Jährigen nur 9,8 statt der zunächst ausgewiesenen 10,5 Prozent Marktanteil erreichten, ganz vorn. Auch die Marktanteile von "Let's dance" am Freitag fielen ein klein wenig geringer aus und wurden von 22,1 Prozent in der endgültigen Gewichtung auf 21,7 Prozent angepasst, Oliver Pocher erreichte danach 20,5 statt 21 Prozent. An der grundsätzlichen Bewertung von Erfolg oder Misserfolg ändert das freilich nichts. Zunächst zu hoch ausgewiesen wurde am 12. Mai übrigens auch Sat.1 Gold. Dort wurden die endgültigen Reichweiten von Sendungen wie "K11" oder "Niedrig und Kuhnt" um 70.000 Zuschauer nach unten korrigiert - bei einem recht kleinen Sender entspricht das knapp 10 Prozent der zunächst ausgewiesenen Reichweite und somit schon einer sehr deutlichen Korrektur.

Top 5: Nach unten korrigierte Reichweiten*

  ab 3 14-49
  Sendung Datum Zeit RW MA RW MA
Tagesschau 14.05. 20:00 5,83
(-0,08)
18,8%
(-0,3%p.)
1,46
(-0,01)
17,0%
(-0,2%p.)
Wetter 11.05. 22:13 3,56
(-0,08)
12,7%
(-0,4%p.)
0,56
(-0,04)
7,0%
(-0,6%p.)
Tagesschau 16.05. 20:00 6,71
(-0,07)
23,6%
(-0,4%p.)
1,77
(-0,03)
24,4%
(-0,6%p.)
K 11 - Kommissare im Einsatz 12.05. 19:24 0,73
(-0,07)
2,7%
(-0,2%p.)
0,15
(-0,03)
2,3%
(-0,5%p.)
K 11 - Kommissare im Einsatz 12.05. 19:46 0,65
(-0,07)
2,1%
(-0,3%p.)
0,16
(-0,03)
2,1%
(-0,3%p.)

*Vergleich vorläufig vs. endgültig gewichtete Quoten; Zeitraum: 11.5.-17.5.; Reichweiten-Angaben in Mio.; Sendungen zwischen 18 und 24 Uhr; Quelle: AGF/Berechnungen DWDL.de

Über den Autor

Uwe Mantel ist stellvertretender Chefredakteur des Medienmagazins DWDL.de. Schaut seit den 80ern Fernsehen und schreibt seit 2004 auch darüber. Kann sich sowohl in gute Serien als auch trockene Zahlen vertiefen. Und seine fränkische Herkunft nicht verleugnen.

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