Wir reiben mal selbst in der Wunde

Pleiten, Pech und Pannen: Unsere größten Flops

 

Kennen Sie Guggr? Oder DWDL-Reisen? Erinnern Sie sich an VitaminD oder unseren reibungslosen Relaunch in diesem Frühjahr? Nein? Zum 10. Geburtstag des Medienmagazins DWDL.de schreibt Gründer Thomas Lückerath über die größten Flops.

von Thomas Lückerath
03.09.2011 - 14:52 Uhr

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Wie beginnt man jetzt einen Rückblick auf zehn Jahre DWDL.de? Vielleicht mit Pleiten, Pech und Pannen. Also den größten Flops und bittersten Falschmeldungen aus zehn Jahren. Den Momenten, in denen das Herz eines Chefredakteurs und Gründers blutet, weil man sich über sich selbst ärgert. Und dann gilt natürlich immer: Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Doch da muss man dann durch. "Wer in der Öffentlichkeit kegelt, muss damit rechnen, dass andere die Punkte zählen." Ein Satz, den mein früherer jahrelanger Chef bei NBC Giga sowie RP-Online, Volker Pfau, gerne benutzte. Als Pionier des Online-Journalismus hat er damit schon in den 90er Jahren eine ehrliche Haltung zum Umgang mit der viel öffentlicheren Kritikmöglichkeit der Leser im Web gefunden. Und so halten wir es bei DWDL.de auch.

Wir haben in zehn Jahren viele Fehler gemacht. Das bleibt nicht aus, wenn man Neuland betritt. Als wir 2001 gestartet sind, gab es keine Online-only-Angebote für die Medienbranche. Turi2 oder Meedia - sie kamen erst ein gutes halbes Jahrzehnt später. Auch die Blog-Kultur gab es erst Jahre später. Also haben wir experimentiert uns ausprobiert. Was funktioniert im Web? Und was nicht? Wie kann Medienjournalismus im Internet aussehen? Wir haben mehrfach ausgetestet, wohin die Reise gehen könnte. Im Kern haben wir stets über das berichtet, was uns interessiert und wir für lesenswert halten. Welche Zielgruppe wir damit erreichen würden, war in den ersten Jahren zweitrangig. Wir haben unsere Zielgruppe nicht gesucht - sie hat uns über die Zeit gefunden. Doch auch in den Folgejahren war DWDL.de nicht frei von Fehlern.

Deswegen beginnen wir unseren Rückblick auf 10 Jahre DWDL.de doch mit dem, aus dem man am meisten lernen kann: Unseren zehn größten Fehlern. Manche davon sind heute zum Schmunzeln, andere schmerzen noch immer...

Mit "Deutschland sucht den Superstar" kam 2003 ein in Großbritannien damals sehr erfolgreiches Lizenzformat nach Deutschland. Schon im Vorfeld waren die Erwartungen groß. Abgesehen vom eher im Dokusoap-Stil erzählten "Popstars" gab es noch keine Castingshow im deutschen Fernsehen. Dazu war die Verpflichtung von Dieter Bohlen eine spektakulärer Coup von RTL. Wir dachten damals, es wäre eine gute Idee ein solches TV-Event ausführlich zu begleiten und berichteten über die erste "DSDS-Staffel in einem eigenen Special. Nicht boulevardesk. Aber eben ausführlicher als heute. Ähnliches bot DWDL.de zur "Big Brother"-Staffel 2003 an und nochmals zur zweiten "DSDS"-Staffel. Danach war klar: Das passt nicht zu uns. Es wirkte merkwürdig einzelne Formate ausführlicher zu betrachten und ihnen damit mehr Bedeutung und Aufmerksamkeit zu schenken als nötig. Aus heutiger Sicht erst recht. Es fällt zeifelsohne in die Kategorie: Jugendsünden.

2004 boomte in Deutschland der Markt der Billigflieger und Kurzreisen. Germanwings und Hapag-Lloyd Express hatten gerade Ende 2003 ihren Flugbetrieb aufgenommen. Das Thema faszinierte und weckte bei Reisenden einen ganz neuen Informationsbedarf. Gefragt waren praktische, aktuelle Informationen und Tipps für Kurzreisen in die teils bekannten, teils eher unbekannten Flugziele der Billigflieger. Was hat das mit DWDL.de zu tun? Heute fragen wir uns das auch. Damals jedoch faszinierte uns die Idee, das beim Medienmagazin erfolgreiche redaktionelle Konzept mit der uns typischen Herangehensweise auch auf das Thema Reisen zu adaptieren. Das kuriose SpinOff DWDL-Reisen war geboren. Nicht unerfolgreich: Es gab eine Kooperation mit Sat.1, wir belieferten darüber hinaus Teletexte und andere Reisewebsites. Doch für dauerhaften Erfolg hätte man mehr Zeit investieren müssen als möglich war. So konzentrierten wir uns wieder auf das Medienmagazin und nahmen DWDL-Reisen nach weniger als einem Jahr wieder vom Netz.

Im Jahr 2005 passierte dann das, was richtig schmerzt. Eine Falschmeldung. Es war bekannt, dass RTL ein neues Moderationsduo für die Castingshow "Deutschland sucht den Superstar" sucht. Und DWDL.de vermeldete im Juni 2005 auf Basis zweier Quellen das vermeintliche neue Duo: Gülcan Karahanci, heute Gülcan Kamps und Dominic Boeer werden die Moderation der Castingshow übernehmen. Die eine kam von VIVA, der andere schauspielerte bei "GZSZ". Beide moderierten zusammen schon die "Bravo Super Show". Doch wie wir wissen, kam es nie so. Erst später stellte sich heraus: Die beiden Quellen unserer Falschmeldung hatten es wiederum unbewusst und indirekt aus der gleichen Quelle. Für uns war das der Super-GAU. Nicht nur, weil wir unsere Leser damit falsch informierten. Auch, weil zahlreiche Kollegen damals unsere Meldung zitierten. Immerhin: Wenige Wochen später vermeldete DWDL.de vorab den Wechsel von Marco Schreyl zu RTL - und das stimmte. Aus diesem Sommer 2005 haben wir gelernt und unsere Quellen-Kontrolle nochmals verschärft.

Im September 2006 gelang DWDL.de ein Coup: Ein Vertrag mit Media Control ermöglichte uns die Veröffentlichung nahezu aller Einschaltquoten der acht großen deutschen Vollprogramme. Täglich gab es also die Reichweiten von DasErste, ZDF, RTL, Sat.1, ProSieben, VOX, RTL II und Kabel Eins bei uns nachzulesen. Das war ein Dienst, den es so noch nicht gab. Wir waren stolz. Entsprechend wurde der Start dieses neuen Services auch von uns gefeiert. Doch nur drei Wochen später kam die Ernüchterung: Die Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung (AGF), Auftraggeber der Quotenmessung, verbot die Veröffentlichung. Wie sich herausstellte hatte Media Control als Vermarkter der Quotendaten im Vertrag mit DWDL.de Rechte eingeräumt, die sie gar nicht einräumen durften. So war die Offenlegung fast aller relevanten Quotendaten nur von kurzer Dauer. Und unser gerade erst mit viel Tamtam gestartetes Feature wieder Geschichte.

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Sie haben einen Text aus dem Archiv des Medienmagazins DWDL.de aufgerufen, das bis ins Jahr 2001 zurückreicht und mehrere Zehntausend Artikel umfasst.



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