Erst vor etwas mehr als einer Woche hatten wir darüber berichtet, dass die Filmförderungsanstalt FFA die Anforderungen für Filmförder-Anträge verschärft. Seit heute steht fest: Die für das Jahr deutlich aufgestockten Mittel sind bereits ausgeschöpft, die FFA nimmt keine weiteren Anträge mehr an (DWDL.de berichtete). Für alle Produzentinnen und Produzenten, die mit einer Förderung gerechnet haben und noch in diesem Jahr drehen wollten - bislang aber keinen Antrag gestellt haben - ist das eine mittelschwere Katastrophe. Und sie werden wohl auch eine andere Meinung haben als Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. 

Der Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) deutet den Förderstopp nun nämlich via Pressemitteilung kurzerhand zu einem "Erfolgsjahr für die Bundesfilmförderung" um. Weimer weiter: "Die Filmförderung des Bundes wirkt". Weimer hat durchaus einen Punkt, wenn er auf die Rekordzahl an geförderten Filmen und Serien verweist. "Die Rekordnachfrage nach Fördermitteln ist ein starkes Signal für die Leistungsfähigkeit unserer Wirtschaft", sagt er außerdem.

Zur Erinnerung: Die Filmförderung des Bundes war in diesem Jahr auf rund 250 Millionen Euro fast verdoppelt worden. Das Problem aus Sicht vieler Produzenten ist die Tatsache, dass diese Summe schon im kommenden Jahr wieder auf 200 Millionen Euro gesenkt werden soll. Aus Sicht der Branche macht das schon alleine deshalb keinen Sinn, weil ja jetzt nicht einmal die 250 Millionen gereicht haben. Hinzu kommt die fehlende Planbarkeit, nachdem die Politik gerade erst groß die Verdopplung gefeiert hatte. 

Vom BKM heißt es, dass der Regierungsentwurf für 2026 eine "deutliche Steigerung der wirtschaftlichen Filmförderung gegenüber 2025" vorsehe. Dabei gerät zusehends in Vergessenheit, dass sich die Produktionsbranche zwar erfreut gezeigt hatte über die Verdopplung der Filmförderung. Eigentlich forderte man aber die Einführung eines Steueranreizmodells samt Investitionsverpflichtung. Letztere ist soweit auf dem Weg, dass sie ab dem kommenden Jahr wohl gelten wird. Vom Steueranreizmodell verabschiedete sich Weimer jedoch - und stellte stattdessen die erhöhten Mittel zur Verfügung. 

Wie die Branche auf die aktuelle Situation blickt, wurde schon vor einer Woche deutlich, als sich mehrere Verbände zu den verschärften Anforderungen für Filmförder-Anträge äußerten. Von einer "Bankrotterklärung" und einer "katastrophalen Verschlechterung der Marktbedingungen" war damals die Rede (DWDL.de berichtete). 

Michelle Müntefering, CEO und Sprecherin des Gesamtvorstands der Produktionsallianz, erklärt jetzt, nach dem vollständigen Antragsstopp, gegenüber den Kollegen von "The Spot": "Wenn zugesagte Mittel schon nach kurzer Zeit wieder zurückgenommen werden, wachsen Zweifel an Planbarkeit und Verlässlichkeit. Dass die aufgestockten Fördermittel im August bereits ausgeschöpft sind, zeigt das enorme Potential des Filmstandortes Deutschland – und macht die angedrohten Kürzungen für das kommende Jahr ökonomisch umso problematischer. Die Sommerpause ist vorbei: Jetzt ist es Zeit, alle Beteiligten an einen Tisch zu holen und gemeinsam praxisorientiert eine verlässliche Lösung für den Filmstandort Deutschland zu finden."