Als die Investitionsverpflichtung im Mai das Bundeskabinett passiert hat und damit die Filmförderung auf 250 Millionen Euro nahezu verdoppelt wurde, konnte Kulturstaatsminister Wolfram Weimer das gar nicht genug feiern. Er sprach im DWDL.de-Interview von einem "großen Durchbruch in der deutschen Filmpolitik". Weimer nutzte das Wort des "Filmboosters", der der gesamten Branche Schub geben könne. Wenige Monate später ist die Ernüchterung groß: Bekannt ist bereits, dass die Filmförderung 2027 schon wieder auf 200 Millionen Euro sinken soll, ein Steueranreizmodell gibt es nach wie vor nicht und die Investitionsverpflichtung muss erst noch durch den Bundestag, ehe sie ab dem neuen Jahr gelten soll. 

Am Dienstag wurde außerdem bekannt dass die Filmförderungsanstalt FFA die Anforderungen für Anträge auf Filmförderung beim DFFF und GMPF verschärft (DWDL.de berichtete). Grund dafür ist die Tatsache, dass es so viele Anträge gibt, dass die Mittel für das laufende Jahr schon fast ausgeschöpft sind. Und weil es 2027 deutlich weniger Förderung gibt, dürften viele Produzentinnen und Produzenten versucht haben, ihre Anträge noch in diesem Jahr zu stellen. 

Kritik an der Maßnahme der FFA kommt jetzt von verschiedenen Verbänden. Produktionsallianz, AG DOK, Deutsche Filmakademie und PROG Producers of Germany schreiben in einer gemeinsamen Pressemitteilung, dass die Änderungen "Zweifel an der dringend notwendigen Planbarkeit für wirtschaftliche Investitionen in den Filmstandort Deutschland" säen würden. Außerdem würden dadurch Befürchtungen aufkommen, dass es 2027 weitere Einschränkungen geben könnte. Die Verbände fordern daher mehr Transparenz rund um die Filmförderung. 

"Es stehen Existenzen auf dem Spiel"

David Bernet, Ko-Vorsitzender der AG DOK, wird in einer Stellungnahme besonders deutlich und kritisiert allen voran Wolfram Weimer. Er sagt: "Die Nachricht, dass wegen der großen Nachfrage nach DFFF- und GMPF-Mitteln die Fördervergabe ab sofort reduziert und womöglich für 2026 ganz eingestellt werden muss, ist eine Bankrotterklärung der Filmpolitik des BKM. Es fehlt offensichtlich das Verständnis dafür, dass nur alle vier Säulen der begonnenen Reform zusammen den Filmstandort Deutschland nachhaltig stärken können." Der [von Wolfram Weimer, Anm.] gefeierte Aufschwung werde sich als "Strohfeuer" erweisen, weil Investitionsverpflichtung und Steueranreizmodell noch nicht umgesetzt seien, warnt Bernet. Der Ko-Vorsitzender der AG DOK sagt, dass vor allem viele Kinodokumentarfilme und Dokumentarfilmserien durch die "politisch-handwerklichen Fehler des BKM akut gefährdet" seien. 

Auch Michelle Müntefering, CEO und Sprecherin des Gesamtvorstands der Produktionsallianz, warnt und sagt: "Es stehen Existenzen auf dem Spiel." Filmproduktionen seien langfristig auf ein bestimmtes Zeitfenster geplant und könnten sich nicht einfach verschieben lassen. "Schauspielende, Regisseurinnen und Regisseure, die Auslastung der Studios - ganze Firmen und letztlich der Filmstandort Deutschland hängen davon ab, dass es verlässliche Rahmenbedingungen am Filmstandort Deutschland gibt. Verlässlichkeit und Planbarkeit sind die wichtigste Währung der deutschen Filmwirtschaft. Die Politik bewirkt jedoch gerade das Gegenteil: Sie sendet fatale Signale ins In- und Ausland. Das kommt Deutschland teuer zu stehen. Jetzt muss die Politik klare Prioritäten setzen - die Forderungen der Branche liegen auf dem Tisch."

"Katastrophale Verschlechterung der Marktbedingungen"

Martin Heisler, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Filmakademie, sagt, es würde die deutsche Filmwirtschaft hart treffen, dass die Fördertöpfe von DFFF und GMPF bald ausgeschöpft seien. "Die Hoffnung, dass aus dem zarten Aufschwung endlich ein verstetigtes Wachstum werden könnte, wird damit direkt wieder infrage gestellt." Heisler kritisiert außerdem, dass die Mittel vor allem an große Serienprojekte gehen. "Es geht um die Vielfalt unseres kulturellen und filmischen Schaffens – und damit auch um die Existenz zahlreicher Kinoproduktionsfirmen im Land", sagt er und fordert Wolfram Weimer sehr direkt zum Handeln auf. 

Christoph Friedel, Mitglied des Vorstands von PROG Producers of Germany, spricht von einer "katastrophalen Verschlechterung der Marktbedingungen für deutsche Produzierende, die vermeidbar gewesen wäre, wenn die klaren Forderungen aus der Branche beim BKM Gehör gefunden hätten". Anstatt nachhaltige Firmen- und Beschäftigungsstrukturen sowie die europäische Zusammenarbeit zu stärken, würden einzelne US-amerikanische Prestige-Projekte "massiv mit deutschen Steuermitteln alimentiert", so Friedel. "Eine langfristige Perspektive für den Filmstandort Deutschland muss 2026 anders aussehen."