© ProSiebenSat.1
Marcus Hartmann über die Bedeutung von Daten

ProSiebenSat.1-Datenchef: "Netflix hat ein Problem"

 

Seit dem vergangenen Jahr soll Marcus Hartmann die Datenkompetenz bei ProSiebenSat.1 stärken - ohne Zweifel ein wichtiges Thema, auch hinsichtlich des Starts von Joyn. DWDL.de hat auf der ANGA COM kurz mit dem Chief Data Officer gesprochen.

von Alexander Krei , Köln
04.06.2019 - 16:34 Uhr

Was bedeuten Big Data und Künstliche Intelligenz für Fernseh- und Onlineangebote? Unter anderem dieser Frage ging die ANGA COM am ersten Tag im Rahmen ihres Kongressprogramms nach. Einer der Diskussionsteilnehmer war Marcus Hartmann, der seit dem vergangenen Jahr bei ProSiebenSat.1 als Chief Data Officer tätig ist und zuvor bei Bisnode arbeitete, einem der führenden europäischen Anbieter im Bereich Business Intelligence und Smart Data Analytics mit Hauptsitz in Stockholm.

In Unterföhring soll sich Hartmann um die Koordinierung von gruppenübergreifenden Datenprojekten kümmert - nicht zuletzt mit Blick auf das breitgefächerte E-Commerce-Geschäft von ProSiebenSat.1 mit Anbietern wie Verivox, Amorelie und Flaconi, aber auch auf den bevorstehenden Start des 7TV-Nachfolgers Joyn eine spannende Aufgabe. DWDL.de sprach am Rande der ANGA COM kurz mit Hartmann über die Bedeutung von Daten für einen Medienkonzern wie ProSiebenSat.1

Herr Hartmann, wie muss sich ein Fernsehunternehmen wie ProSiebenSat.1, dessen Wurzeln schon mehr als 30 Jahre zurückliegen, heutzutage verändern, um in einem immer stärker von Daten getriebenen Markt mithalten zu können?

Ein Unternehmen wie ProSiebenSat.1 muss heute deutlich kundenzentrierter sein als noch vor einigen Jahren. Dabei geht es nicht um anonymisierte Kundendaten, sondern darum, den Kunden wirklich zu kennen. Seit dem letzten Jahr arbeiten wir sehr intensiv daran, mit unseren Kunden in Kontakt zu treten. Außerdem müssen wir Digitalprodukte viel stärker datengetrieben ausspielen als das bisher der Fall war. Da werden wir sicher andere Ansätze benötigen als die etablierten wettbewerblichen Produkte. Ansonsten verfolgt man bloß eine Follower-Strategie. Daher müssen wir uns die Frage stellen, was das dahinterliegende innovative Neue ist und dann dort reingehen.

Dennoch startet Ihr Haus in wenigen Wochen den neuen Streamingdienst Joyn, der durchaus getrieben ist von dem, was Netflix in den vergangenen Jahren gemacht hat. Was lässt sich von Netflix lernen?

Netflix hat ein Problem, denn Netflix hat vertikale Datenpunkte. Eine solche Plattform wie wir sie jetzt mit Joyn machen, versetzt uns in die Lage, dass wir horizontal besser vernetzen können. Wenn mich heute jemand fragt, ob ich mit meiner Netflix-Recommendation zufrieden bin, dann sage ich ganz klar: Nein. Die ist nicht gut genug, die muss 2019 viel besser sein. Auf Joyn habe ich die künftig Möglichkeit, das Nutzerverhalten besser zu verstehen und den Nutzern bessere Empfehlungen auszusprechen.

Was ist wichtiger: Inhalte oder Daten? 

Ein Medienunternehmen lebt von Kreativität und wir können die Kreativen mit Daten unterstützen. Aber es sind immer die Inhalte, die am wichtigsten sind. Für die Zukunft gilt es, beides schlau zusammenzubringen. Wir bereiten derzeit viel vor. Im Jahr 2020 werden wir dahingehend sicherlich noch ein ganzes Stück weiter sein.

Herr Hartmann, vielen Dank für das Gespräch.

Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Ist Sesselsportler, von Bundesliga bis Darts-WM.

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