Partnerland Türkei: Medienghetto oder Integration?

Foto: medienforum.nrwIn der Diskussion um türkische Fernsehprogramme in deutsche Kabelnetzen wird immer wieder angeführt, dass türkisch-sprachige, sowie auch bilinguale Fernsehprogramme zu sogenannten Medienghettos führen würden. Als "nicht haltbar" weist Publizistik- und Medienwissenschaftler Prof. Dr. Hans-Jürgen Weiß diesen Vorwurf zurück: In Deutschland lebende Türken würden ihr TV Verhalten nicht ändern und auch in Deutschland zwischen den verschiedenen TV-Programmen hin und her schalten. Insofern isoliere ein türkisches TV-Programm die Zielgruppe keinesfalls.

Dr. Gualtiero Zambonini (WDR) konnte diese These nur unterstützen: Durch eine WDR-Studie sei eindeutig festgestellt worden, dass türkische Familien deutsche TV-Programme ebenso intensiv nutzen würden, wie türkische.

Ohnehin war der Grundtenor der Paneldiskussion eher der, dass es sich die türkischen Medien nahezu auf die Fahnen geschrieben zu haben scheinen, die Integration von Türken in Deutschland voranzutreiben. Mit bilingualen Angeboten versucht der Sender TGRT EU beispielsweise die Integration und insbesondere das Erlernen der deutschen Sprache für Türken zu erleichtern. Deutsche Untertitel in türkischen Serien sind nur ein Beispiel. Es ist geplant in Zukunft auch die Nachrichten des Senders auf Deutsch zu senden.

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Auch thematisch würden in Deutschland erhaltbare, türkische Medien versuchen die Integration zu fördern: Durch spezielle Berichterstattung zu aktuellen Themen aus Deutschland, wie beispielsweise Arbeitsmarktpolitik oder Rentenreformen versuche man den in Deutschland lebenden Türken Hilfe bei der Integration zu leisten.

Allerdings seien diese Bemühungen keinesfalls einseitig, wie Dr. Gualtiero Zambonini (WDR) betonte: Gerade der WDR lege großen Wert auf sein multikulturelles Programm "Cosmo TV". Ebenfalls erklärte Zambonini, dass es dem WDR äußerst wichtig sei auch in Zukunft verstärkt Mitarbeiter mit "multikulturellem Hintergrund" einzustellen. Ziel dessen sei es, die türkischen Mitbürger in den Medien präsenter zu machen und sie generell als Mitglied der Gesellschaft wahrzunehmen.

Beide Seiten - deutsche, wie türkische Medien -  mussten eingestehen, dass sie möglicherweise über die Jahre ein kritikwürdiges Bild von Deutschland, bzw. von Türken gezeichnet hätten, welches es gelte zu korrigieren.

Interessant sei laut Zambonini die Entwicklung der eigenen Auffassung der Aufgabenbereiche zu betrachten: War es vor einigen Jahren noch so, dass die deutschen Medien sich als Korrektiv für den türkischen TV Markt sahen, sähen sich heute die türkischen Medien als Korrektiv für das Bild, dass die deutschen Medien von Türken geschaffen hätten.