Emily, Du bist auf Social Media für deine authentische Art beliebt. Das heißt, du zeigst Blickwinkel, die andere eher vertuschen. Wie fühlt sich das für dich an?
Frau Gretel: Dieser Perfektionismus war in der anfänglichen Zeit von Videoplattformen groß, vor allem auf YouTube. Da ist wirklich alles glatt gebügelt worden. Ich habe mich immer gefragt: “Scheiße, ich bin ja gar nicht so?" Aus diesem Antrieb habe ich zum Spaß angefangen, Videos hochzuladen und schnell bemerkt, dass das Anklang findet – und, dass die Leute eigentlich alle so sind. Ich habe jene Dinge gezeigt, die man so ein bisschen heimlich macht oder eher versteckt.
Apropos Transparenz: Gibt es etwas, das du heute nicht mehr in der Art teilen würdest?
Frau Gretel: Ich habe nie versucht, mein Privates zu verstecken, sondern habe es einfach nicht so ins Spotlight gerückt. Ich glaube, die Leute, die denken immer, dass sie mich privat extrem gut kennen, weil ich so viel von mir preisgebe. Aber das ist ein Trugschluss. Es gibt noch immer einige Sachen, die ich lieber für mich behalten möchte.
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Macht Authentizität die Contentproduktion einfacher oder schwieriger?
Frau Gretel: Wenn man einen konkreten Fahrplan hat, kann das helfen. Besteht der Content bloß daraus, sich zu schminken und Outfits zu zeigen, dann kann man auch mal auf den Knopf drücken und funktionieren. Ich möchte das damit gar nicht schlechtreden, aber gespielte Aufnahmen sind schon einfacher. Erst nutzt du Foundation, dann Concealer und zum Schluss Puder. Ich muss mir dagegen immer wieder etwas Neues überlegen und dann sagen: "Vamos, das ziehen wir jetzt durch!"
Ist dein Social-Media-Erfolg damit auch stark von deinem Leben abhängig oder machst du dir Druck, dass das nächste große Ding kommen muss?
Frau Gretel: Nee, denn es passieren ja automatisch die ganze Zeit Sachen. Das war bei mir schon immer der Fall - und das ist auch gut so. Ich bin viel unterwegs, ich reise viel, ich habe viele Jobs, lerne viele Leute kennen. Da ist immer was los.
Hast du das Gefühl, dass uns digitale Sphären verleiten, anderen Menschen etwas vorzuspielen?
Frau Gretel: Ich glaube, es gibt keinen Ausspielkanal, auf dem man so gut eine heile Welt vorspielen kann, wie auf Social Media. Da kann man ja direkt bei unserem Interview anfangen. Im Vorfeld hast du mich gefragt, ob ich mich extra für die Videoaufnahme geschminkt habe. In Wirklichkeit habe ich mich zwar eine halbe Stunde für die Kamera fertig gemacht, aber sitze hier halt trotzdem in einer Jogginghose. Man sieht es nur nicht. Genauso ist es online. Du kannst einfach zeigen, was du willst.
Was wäre dein Tipp an alle Medienschaffenden oder Creator, die Probleme haben, sich natürlich darzustellen?
Frau Gretel: They all wanna know the secret behind me, you know! Ich glaube, man kann nur in Sachen authentisch sein, die einem liegen. Würde ich jetzt so tun, als könnte ich krank turnen, aber in Wirklichkeit kann ich mich kaum bewegen, dann kann ich es noch so sehr versuchen, aber es bleibt immer unauthentisch. Das bist du oder das bist du nicht. Aber auf eine Art und Weise schafft das jeder, man muss nur sein Themenfeld finden. Leider suchen sich Leute oft den Content, den es bereits gibt und versuchen, ihn zu reproduzieren, anstatt ihr eigenes Ding zu machen, was viel schwieriger ist – und auch einfach Mut erfordert. Es gibt nämlich oft diesen "Cringe-Mountain", über den viele am Anfang erstmal drüber müssen. Ich hatte den glücklicherweise irgendwie nicht. Wahrscheinlich, weil ich nie wirklich gezweifelt, sondern einfach weitergemacht habe.
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Vor allem Publisher verhalten sich online arg standardisiert. Sollten Medien unterhaltsamer berichten oder sich generell weniger seriös verhalten?
Frau Gretel: Sowohl als auch. Ich erinnere mich daran, dass mal jemand ein Video über mich veröffentlicht und gesagt hat: "Sie nimmt den ausgebildeten Journalisten die Jobs weg!" Würde ich jetzt die harten, politischen Fragen stellen, die Deutschland bewegen, könnte ich diese Kritik sogar verstehen. Dann würde man aber sehr schnell merken, dass die Alte keine Ahnung hat! Deswegen braucht es Medien, die sehr seriös und unabhängig berichten. Aber genauso braucht es Platz für Unterhaltung, Entertainment oder Comedy. Die Wahrheit ist: Wir nehmen uns nicht gegenseitig die Jobs weg, es kommt auf die Ausrichtung an. Aber weil TikToks und Reels auch unterhaltsam sein sollen, nähern sich Medien hier ein Stück weit an.
Ist das etwas, das sich Publisher von Influencern abgeschaut haben?
Frau Gretel: Ja - und ist es ist doch toll, wenn man voneinander lernt! So langsam wird man in der Creator-Welt von den klassischen Medien endlich ernst genommen. Und das Witzige ist ja: So sehr sie es vielleicht auch hassen, sie müssen uns irgendwie auch ein bisschen ernst nehmen, weil wir da sind und die Leute auf uns anspringen. Aber ich kann auch trotzdem die Kritik daran verstehen, vor allem wenn es um Falschinformationen geht.
Zum Abschluss spielen wir "wünsch dir was": Wie sollten Inhalte auf sozialen Netzwerken in der Zukunft aussehen?
Nicht so viel KI! Ich gebe zu: Wenn ein Hund plötzlich singt, ist mir vielleicht auch schon mal ein Lächeln über die Lippen gerutscht. Aber wenn es um Werbung gut, sieht das erstmal alles kacke aus. Das ist wirklich nicht gut. Und ich werde ja auch oft gefragt, ob ich Angst davor habe, dass KI uns ersetzten wird. Aber in meinen Augen ist die Sorge unbegründet. Ich bin davon überzeugt, dass Menschen immer das Menschliche brauchen.
Vielen Dank für das Gespräch.
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