Gerade einmal eine Woche verging im September zwischen der Nachricht, dass Jan Böhmermann zum Jahresende mit dem "ZDF Magazin Royale" aufhören will, und der Ankündigung des Starts einer neuen Satireshow mit Florian Schroeder. Dass deren Titel "Journal Deluxe" sehr an den Namen der Böhmermann-Sendung erinnerte, ließ für manchen Beobachter in den sozialen Netzwerken nur einen Schluss zu: Das ZDF ersetzt den linken Böhmermann durch eine konservative Stimme, zumal Schroeder selbst nichts weniger ankündigte als "eine neue Satirefarbe, die es so bisher noch nicht gibt". Ergänzt um den Satz: "Eine, die liberaler ist, eine, die keine Scheuklappen aufsetzt, eine, die neue Stimmen zu Wort kommen lässt, und selbst eine neue Stimme ist".
In der offiziellen Ankündigung war dann auch noch die Rede davon, dass das "Journal Deluxe" etwa erklären soll, wie viele neue Wohnungen durch Enteignung entstehen und wohin die Grünen die Brandmauer hinstellen, "wenn der Handwerker erkennbarer AfD-Sympathisant ist". Dazu passt, dass die "Süddeutsche Zeitung" erfahren haben will, dass Julian Reichelt, einst "Bild"-Chefredakteur und inzwischen Chef des rechten Online-Portals "Nius", Gast der ersten Ausgabe werden sollte, dann aber doch wieder ausgeladen wurde. Anstelle von Reichelt war es nun "Welt"-Reporterin Dorothea Schupelius, die zusammen mit dem "SZ"-Journalisten Ronen Steinke an Schroeders Tisch Platz nahm, um einen thematisch wilden Ritt durch linken Mainstream, Meinungsfreiheit und der Durchsuchung der "Zeit"-Redaktion zu absolvieren.
Gleich zu Beginn aber beschäftigt sich Schroeder lieber erst einmal ausführlich damit, was andere über ihn und seine Sendung denken. Die Kritik und die Aufregung, die schon vor der ersten Ausgabe die Runde machten, werden abgearbeitet; und dass er dort wahlweise als Links- oder Rechtsextremist gelte, verbucht Schroeder augenscheinlich als größtes Kompliment. Die Fragen stellt und beantwortet Schroeder praktischerweise dann auch gleich selbst: "Werden Sie hier hören, was Sie denken sollen? Nein. Werden meine Gäste und ich immer das sagen, was Sie hören wollen? Nein", erklärt er sein Konzept. Man solle sich doch lieber mit Menschen umgeben, die anders denken, sonst sei man "geistig längst tot". "Und eines", kalauert Schroeder, "können wir uns hier im ZDF definitiv nicht leisten: Tote Zuschauer."
So bemüht wie der Einstieg fällt dann auch das anschließende Gespräch mit Florian Schroeders erstem Gast aus, der früheren Grünen-Chefin Ricarda Lang. Sie bekommt einige sorgsam vorbereitete Spitzen ab. Warum die Grünen nur dann erfolgreich seien, wenn sie sich "schwarz anmalen", fragt Schroeder mit Blick auf Langs Parteikollegen Cem Özdemir, und ob das eine Form des "politischen Blackfacings" sei. Lang lässt sich davon wenig beeindrucken, kontert und verteidigt routiniert und durchaus pointiert ihre Partei. Die eigentliche Pointe liefert ohnehin das Studiopublikum, dessen Reaktionen vermuten lassen, dass es eher auf Langs Seite steht als auf der des versucht provokanten Gastgebers. "Das Publikum wurde nicht gut gebrieft, dass es für eine Sendung sein soll, oder?", bemerkt Lang schließlich und Schroeder muss ihr etwas zerknirscht zustimmen: "Ich finde auch, das Publikum ist mir politisch zu einseitig."
Es ist ein kurioser, fast schon entlarvender Moment: Ausgerechnet der Moderator, der sich als Gegenstimme zu vermeintlich festgefahrenen Denkmustern inszeniert, beklagt die politische Einseitigkeit im eigenen Studio. Und um sicherzugehen, dass auch wirklich alle Seiten etwas abbekommen, witzelt er im weiteren Verlauf der Show noch über rechtsextreme Männer in Ostedeutschland. "Zurückgelassene ungebumste Typen" kämen auf dumme Gedanken, sagt er und schlussfolgert: "Wenn niemand mehr mit der AfD koaliert und niemand mehr mit ihren Jüngern kopuliert, dann sterben die Rechtsextremen irgendwann von ganz alleine aus."
Die neue Satirefarbe, die Florian Schroeder zuvor vollmundig angekündigt hat, ist das jedenfalls noch nicht. Vielmehr erweckt die erste Ausgabe des "Journal Deluxe" den Eindruck, sie halte sich für unangepasster als sie in Wirklichkeit ist.
"Journal Deluxe", ab sofort im ZDF-Streamingportal. Die lineare Ausstrahlung erfolgt am Freitag um 0:05 Uhr bei 3sat und am kommenden Dienstag um 0:45 Uhr im ZDF
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