Sollte es noch eines letzten Belegs bedurft haben, dass Sport1 in einer schweren Krise steckt, hat Vodafone diesen jüngst erbracht. Knapp eine Woche ist es her, dass der Telekommunikationsanbieter Fakten schuf und die Verbreitung des Spartensenders einstellte (DWDL.de berichtete). Zu den konkreten Gründen, die zu der – wie Vodafone es nannte – "Maßnahme" führten, äußerten sich beide Seiten nicht. Dass diese allerdings im Zusammenhang mit den schon seit einiger Zeit schwelenden finanziellen Problemen von Sport1 stehen, gilt in der Branche als offenes Geheimnis.  

Dabei hatte sich der Sender am vergangenen Freitag noch optimistisch gezeigt. Man arbeite "gemeinsam mit Vodafone intensiv an einer Lösung" und gehe davon aus, "dass Sport1 sehr bald über Vodafone wieder empfangbar sein wird". Doch die erhoffte Rückkehr lässt weiter auf sich warten. Auch sechs Tage später ist Sport1 über Vodafone nicht zu empfangen. Für den Sender ist das ein empfindlicher Rückschlag: Mit dem Wegfall der Verbreitung beim Telekommunikationsanbieter büßte Sport1 quasi über Nacht rund 40 Prozent seiner technischen Reichweite ein. Gerade mit Blick auf die Vermarktung gleicht der Schritt einem Super-GAU.

Auf DWDL.de-Nachfrage räumt eine Sport1-Unternehmenssprecherin nun "offene wirtschaftliche Fragen aus der Vergangenheit" ein. Diese seien inzwischen allerdings gelöst, heißt es aus Ismaning, wo man weiterhin auf eine Wiedereinspeisung hofft. "Wir arbeiten mit Hochdruck gemeinsam mit Vodafone an einer Lösung und sind zuversichtlich, dass Sport1 sehr bald über Vodafone wieder empfangbar sein wird", so die Sprecherin. Und weiter: "Für uns zählt, dass die betroffenen Haushalte Sport1 schnell wieder über Vodafone empfangen können."  

Auf die Auswirkungen auf die Vermarktung angesprochen, erklärte Sport1: "Unser Programm läuft und damit auch die Werbung vollständig und wie geplant weiter und ist frei empfangbar. Wir stehen in direktem Austausch mit unseren Werbekunden und Mediaagenturen, um Kontinuität sicherzustellen und mögliche Beeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten." Tatsächlich hat die deutlich eingeschränkte Empfangbarkeit bislang keine Auswirkungen auf das Programm. So wurde der für den Sender wichtige Fußball-Talk "Doppelpass" am vergangenen Sonntag ebenso ausgestrahlt wie der "Fantalk" rund um die Champions League am Mittwochabend. 

"SZ" berichtet über Entlassungen

Wie groß der Druck tatsächlich ist, zeigt sich dagegen an anderer Stelle. So berichtete die "Süddeutsche Zeitung" in dieser Woche, dass die Belegschaft über geplante Entlassungen informiert worden ist. Wie viele der gut 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betroffen sind, ist bislang nicht bekannt. Der Sender selbst hält sich diesbezüglich bedeckt. "Zu internen Personalthemen äußern wir uns nicht", sagte eine Unternehmenssprecherin zu DWDL.de. "Aber es ist klar: Sport1 befindet sich derzeit in einem Transformationsprozess, der die langfristige Wettbewerbsfähigkeit und die operative Leistungsfähigkeit des Unternehmens stärken soll."

Weiter erklärte die Sprecherin, dass der türkische Eigentümer Acunmedya und die Sport1-Geschäftsführung "gemeinsam an der strategischen Ausrichtung des Unternehmens" arbeiten und sich "der Bedeutung einer transparenten und verantwortungsvollen internen Kommunikation bewusst" seien. "Über relevante organisatorische Entwicklungen werden zuerst die Mitarbeitenden informiert."