Austria-Update vom 21. Oktober
Alle Stellen neu ausgeschrieben: P7S1P4 stellt Info-Bereich neu auf
© DWDL.de
ProSiebenSat.1Puls4 baut seinen Info-Bereich um und sucht dafür nun auch externe Bewerber. Außerdem: Die Regierung bringt ein Medienpaket zustande und die Anwältin der Frau, die Roland Weißmann sexuelle Belästigung vorwirft, kritisiert eine "Täter-Opfer-Umkehr".
© Bernhard Eder
Corinna Milborn
ProSiebenSat.1Puls4 hat eine Neuaufstellung der eigenen Info-Redaktion angekündigt - und die hat es durchaus in sich. Im Kern geht es darum, dass die Neuaufstellung auch einige personelle Veränderungen mit sich bringen wird. Während Infochefin Corinna Milborn auch weiterhin für die Blattlinie und inhaltliche Haltung verantwortlich zeichnen wird, werden die sämtlichen anderen Führungspositionen neu ausgeschrieben. Gleichzeitig erhalten die redaktionellen Führungsrollen neue Profile. Beim Unternehmen betont man ausdrücklich, dass das Vorgehen keine Bewertung der bisherigen Leistungen der Journalistinnen und Journalisten, die aktuell Führungsverantwortung haben, sei. Vielmehr sei die Neuausschreibung der Stellen eine "organisatorische Konsequenz einer neuen Multiplattform-Strategie und der damit verbundenen veränderten Anforderungen an Führung".
© ProSiebenSat.1Puls4/ATV
Die österreichische ProSiebenSat.1-Tochter wirbt auch ganz offensiv um externe Bewerberinnen und Bewerber. Beim Verfahren sollen unterdessen alle die gleichen Chancen erhalten. So gibt es eine anonyme Erstauswertung der Bewerbungen. Ausgeschrieben sind aktuell neun Führungsjobs im journalistischen Bereich - darunter auch der des Chefredakteurs. Generell sollen die Inhalte der Sendergruppe künftig stärker als bislang von Beginn an plattformübergreifend für unterschiedliche Anwendungen entwickelt werden. Das Unternehmen bezeichnet die Veränderungen als "Audience-First-Strategie".
© Moni Fellner
Thomas Gruber
"Journalismus findet heute nicht mehr auf einer einzigen Plattform statt. Unser Publikum informiert sich vorwiegend linear, aber eben auch on demand, digital über Streaming und Social Media. Deshalb entwickeln wir unsere Redaktionen konsequent weiter und schaffen die Voraussetzungen für echten Multiplattform-Journalismus aus einer Hand", sagt Thomas Gruber, Co-CEO von ProSiebenSat.1Puls4. "Unsere ‚Audience-First‘- Strategie ist ein in Österreich entwickeltes Zukunftsprogramm mit klarem journalistischem Qualitätsanspruch. Wir investieren in unsere Mitarbeiter:innen, in neue Kompetenzen und moderne Strukturen, damit wir auch in den kommenden Jahren die stärkste private journalistische Kraft des Landes bleiben." Birgit Moser-Kadlac, HR-Chefin des Unternehmens sagt, dass der Medienwandel nicht nur das Geschäft verändere, sondern auch die Anforderungen an Führung. "Und genau deshalb wollen wir Führung neu denken. Wir schreiben die Führungspositionen im Redaktionsbereich bewusst intern und extern aus."
© Chobe / photocase.com
Nachdem die Verhandlungen der Regierung über ein sogenanntes Medienpaket zuletzt noch ergebnislos verliefen, gibt es nun doch noch eine Einigung. Im Kern wird eine neue Zustellförderung für gedruckte Medien eingeführt, darüber hinaus kommt die Verlängerung und Erhöhung der Digitaltransformationsförderung. Das gesamte Paket umfasst demnach 50 Millionen Euro pro Jahr: 2027 und 2028 werden jeweils 26,5 Millionen Euro Förderung für die Zustellung für Drucktitel vergeben, die Digitaltransformationsförderung wird für den gleichen Zeitraum auf jeweils 24 Millionen Euro erhöht. Dazu kommt die Förderung einer Kontaktstelle zum Schutz vor Journalistinnen und Journalisten und es wird die EU-Richtlinie gegen Slapp-Klagen umgesetzt. Der zuletzt wichtigste Streitpunkt innerhalb der Koalition war die Frage, ob die Zustellförderung auch für Gratisblätter gelten soll. Hier haben sich SPÖ und Neos nun gegen die ÖVP durchgesetzt, die Förderung gibt es nur für Zeitungen, die auch tatsächlich zugestellt werden, nicht also gratis aufliegende Titel. Dafür können Gratismedien künftig auch Digitaltransformationsförderung beantragen.
© Presserat
Im Frühjahr erlitt er Volksmusiker Toni Maier in der ORF-Liveshow "Mei liabste Weis" einen Herzinfarkt, während er mitten in seinem Auftritt war (DWDL.de berichtete). Daraufhin aktivierte sich der Defibrillator des 77-Jährigen, der den Auftritt abbrechen musste, um sich behandeln zu lassen. Nun hat der Fall Konsequenzen - für oe24.at. Der Österreichische Presserat hat das Medium wegen eines Verstoßes gegen den Ehrenkodex der Presse gerügt. Hintergrund ist die Tatsache, dass oe24.at zwei Fotos des Vorfalls veröffentlichte. Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes hätte das Medium nach Auffassung des Presserats auf die Veröffentlichung der "heiklen Bilder" verzichten sollen. Es spiele dabei auch keine Rolle, dass der Vorfall zuvor live im Fernsehen zu sehen gewesen sei. Der Presserat hat oe24 nun dazu aufgefordert, die Entscheidung freiwillig zu veröffentlichen oder bekanntzugeben - das Medium hat jedoch nicht am Verfahren teilgenommen.
© ORF/Thomas Ramstorfer
Dass sich der ehemalige ORF-Chef Roland Weißmann durch einen Zwischenbericht der Staatsanwaltschaft, der auch mehr als 3.000 Chat-Nachrichten zwischen ihm und der Frau, die ihm sexuelle Belästigung vorwirft, entlastet sieht, hatten wir schon hier berichtet. Die betroffene Frau, eine inzwischen freigestellte Mitarbeiterin des ORF, sieht das naturgemäß anders. Über ihre Anwältin teilte die Frau nun gegenüber mehreren Medien mit, keine strafbaren Handlungen begangen zu haben. Von einer Wende in dem Fall könne keine Rede sein. Die Ermittlungen würden die Frau sogar entlasten, "zumal sie neuerlich und noch ausführlicher belegen, dass der Anzeiger unsere Mandantin sexuell bedrängte". Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Mitarbeiterin und ihren damaligen Anwalt wegen des Verdachts der Erpressung und des Missbrauchs von Tonaufnahmegeräten. Die Anwältin der Frau wirft Weißmann und seinem Team eine "Täter-Opfer-Umkehr" vor.
© ORF
Die ORF-Enterprise hat ein positives Fazit der diesjährigen MIPCOM gezogen. Neben dem Verkauf von Krimis und "Universum"-Dokus an Partner in unterschiedlichen Ländern hat man nun erstmals auch Disney und Canal+ als Kunden gewinnen können. Für den portugiesischen Markt hat Disney nun von der ORF-Tochter zehn "Tatort"-Ausgaben lizenziert. Canal+ hat für Österreich ein Fiction-Paket gekauft, darin enthalten sind Klassiker wie "Kottan ermittelt" und "Kaisermühlen Blues". Ergänzt wird das Paket um Titel wie "Kafka", "Weber & Breitfuß" sowie neun Staffeln von "Vier Frauen und ein Todesfall". Samsung TV Plus wird zudem in Deutschland, Österreich und der Schweiz unter anderem "Die Detektive", "Altes Geld", "Kebab mit Alles" oder "Polt" ins Angebot aufnehmen.
Alle Stellen neu ausgeschrieben: P7S1P4 stellt Info-Bereich neu auf
URL zu diesem Artikel: https://www.dwdl.de/austriaupdate/108284/alle_stellen_neu_ausgeschrieben_p7s1p4_stellt_infobereich_neu_auf/
© DWDL.de GmbH, 2001-2026