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Auftakt zum neuen DWDL.de-Austria-Update

Warum der ORF nicht die Hälfte seiner Zuschauer verloren hat

 

In Zukunft wird DWDL.de wöchentlich über die wichtigsten Ereignisse aus Österreich berichten. Zum Start erklären wir, wieso der ORF nicht, wie von der "Krone" behauptet, die Hälfte seiner Zuschauer verloren hat. Außerdem: Gute Quoten für Neustarts und ATV bestätigt den Termin für sein neues Box-Format.

von Timo Niemeier , Wien
08.01.2019 - 15:36 Uhr

Kronen Zeitung© Kronen Zeitung
Der ORF ist das mit Abstand größte Medienunternehmen in Österreich - und unter der schwarz-blauen Regierung ist das Unternehmen zuletzt verstärkt in die Schusslinie geraten. Trotz stetig sinkender Marktanteile ist der ORF die stärkste Sendergruppe und kommt auf einen Marktanteil in Höhe von 32,9 Prozent - hier liegt man auch deutlich vor ProSiebenSat.1Puls4, das dafür beim jungen Publikum den ORF überholt hat (Die Jahresmarktanteile 2018 finden Sie hier). Die "Kronen Zeitung", mit Abstand stärkste Zeitung in Österreich, behauptet nun allerdings in einem Artikel, der ORF habe in den vergangenen 20 Jahren "rund die Hälfte seiner Reichweite" verloren. Unter dem entsprechenden Beitrag auf krone.at finden sich bereits mehr als 750 User-Kommentare, die meisten davon negativ in Bezug auf den ORF. Nur: Die Behauptung der "Krone" ist falsch. Die Zeitung hat offensichtlich die Reichweiten mit Marktanteilen verwechselt. Tatsächlich lag der Marktanteil 1998 noch bei mehr als 60 Prozent. Das hat aber vor allem damit zu tun, dass der Markt danach auch für private Anbieter geöffnet wurde - das tat Österreich übrigens als eines der letzten Länder in Europa.

Von daher ist es kein Wunder, dass der ORF rund die Hälfte seines Marktanteils verloren hat. Das sind Entwicklungen, die alle Monopolisten durchmachen mussten - in Österreich ist das nur eben sehr spät passiert. Und mit seinen mehr als 30 Prozent erzielt der ORF noch immer Werte, von denen öffentlich-rechtliche Sender in anderen Ländern nur träumen können. Die Reichweite von ORF eins und ORF 2 hat in den letzten knapp 20 Jahren tatsächlich nur um rund elf Prozent abgenommen. Gleichzeitig ist der Gesamtmarkt gewachsen, das "echte" Minus ist also noch etwas höher - liegt aber keineswegs bei 50 Prozent. Hinzu kamen seither aber auch die neuen ORF III und ORF Sport+. Das alles erklärt krone.at nicht. Außerdem suggeriert die Zeitung, die ORF-Gebühren würden mit der Inflation steigen, was sie faktisch nicht tun - und schon gar nicht automatisch oder "Jahr für Jahr", wie von der Zeitung behauptet. krone.at-Chef Richard Schmitt wurde auf Twitter auf den Fehler aufmerksam gemacht, hat den Text aber nicht korrigiert. Auch sonst gibt sich die "Krone" viel Mühe, den ORF in dem Text schlecht dastehen zu lassen. So ist der Balken mit den Marktanteilen bereits bei 60 Prozent sehr klein - und wird nach und nach immer kleiner. In Österreich geht übrigens nicht die komplette GIS-Gebühr an den ORF. So erheben Bund und Länder diverse Abgaben auf die Gebühren, sodass der ORF nur rund 68 Prozent des Betrags erhält, der eingezogen wird. Zuletzt diskutierten Politiker, ob man die Gebühren senken könnte, ohne dem ORF viel Geld zu entziehen. Ein Ansatzpunkt wären diese Abgaben. Der ORF bezeichnet den krone.at-Bericht als "plumpen Versuch einer Kampagnisierung" und spricht von "unrichtigen Behauptungen und falsch interpretierten Daten" sowie "tendenziösen Schlussfolgerungen".

Blutwiesn© ATV
ATV hat verraten, wann das neue Format "Blutwiesn" starten wird. Die Sendung ist erstmals am 14. März zu sehen und läuft dann immer donnerstags ab 21:20 Uhr, drei Ausgaben sind geplant. Im Mittelpunkt der Show stehen zwei Menschen, die, aus welchem Grund auch immer, im Streit liegen. Diesen Streit sollen sie schließlich im Boxring lösen - inklusive Ringrichter. Vor dem Kampf wird ein notariell beglaubigter Vertrag aufgesetzt: Wer gewinnt, bekommt im Streitgrund Recht. Produziert wird das Format von Odeon Entertainment, die für ATV auch schon "Teenager werden Mütter" produzieren. Puls 4 hat wiederum einen Start-Termin für die Gründershow "2 Minuten 2 Millionen" in Aussicht gestellt, die neue Staffel geht am 5. Februar auf Sendung, die insgesamt 16 Ausgaben laufen immer dienstags ab 20:15 Uhr. Es wird damit die längste Staffel aller Zeiten, 2018 gab es zwölf Folgen. Damals sah es mit im Schnitt 12,4 Prozent Marktanteil bei den 12- bis 49-Jährigen richtig gut aus. Als neue Investoren sind Runtastic-Gründer Florian Gschwandtner und Nachhaltigkeitsexperte Martin Rohla mit dabei. Sie komplettieren die Investoren-Riege, bestehend aus Hans Peter Haselsteiner, Katharina Schneider und Leo Hillinger.

Heinz-Christian Strache© BMÖDS/Zinner
Vizekanzler und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache hat sich erneut über die Nachrichtensendung "ZiB 2" beschwert. So bezeichnet der Politiker einen Beitrag vor einem mit ihm gezeigten Interview als "Sauerei". Er habe keine Möglichkeit gehabt, dazu Stellung zu nehmen - ganz im Gegensatz zu anderen Parteichefs, denen der jeweilige Beitrag gezeigt worden sein soll. Vom ORF heißt es, Strache habe das Interview vorab aufzeichnen wollen, da sei der Beitrag noch nicht fertig gewesen. Der Vizekanzler beschwert sich außerdem über die Tatsache, dass das Interview mit ihm "wesentlich gekürzt" ausgestrahlt wurde. Das ist allerdings üblich bei aufgezeichneten Interviews, die Langfassung hat der ORF in seiner TVthek zum Abruf bereitgestellt.

Todesfälle© Photocase / claudiarndt
Der langjährige Chefredakteur der "Salzburger Nachrichten" ("SN"), Karl Heinz Ritschel, ist gestorben. Das hat die Zeitung selbst vermeldet. Er leitete zwischen 1965 und 1995 die Redaktion der Tageszeitung und wurde 88 Jahre alt. Bei der "SN" begann Ritschel zunächst als Leiter des Wirtschaftsressorts, ein Jahr danach wurde er schon Chef vom Dienst und Mitglied der Chefredaktion. 30 Jahre lang prägte er daraufhin als alleinverantwortlicher Chefredakteur die Zeitung. Er verantwortete unter anderem die Einführung der Österreich-Ausgabe und die Modernisierung des Verlags.  "Ich brauche mich für keinen Artikel, den ich geschrieben habe, zu schämen", sagte er einmal nach dem Eintritt in die Pension.

ORF TVthek© ORF
Der ORF hat ein Rekordjahr für die TVthek vermeldet. Mit 7,4 Millionen Visits pro Monat und fast 1,5 Millionen monatlichen Usern lief es für die Plattform so gut wie noch nie seit der Gründung im Jahr 2009. Besonders im Juni lief es prächtig - natürlich aufgrund der Fußball-WM. So sind alle Sendungen in den Top 10 der beliebtesten Livestreams mit WM-Spielen belegt. Bei den VoD-Sendungen führt eine Ausgabe der "Vorstadtweiber" das Feld mit einer Durchschnittsreichweite von mehr als 40.000 an. Oft genutzte Sendungen in der TVthek waren auch "Willkommen Österreich", Interviews mit Christian Kern und Wladimir Putin sowie "Liebesg’schichten und Heiratssachen".

Österreich in Zahlen

Walking on Sunshine© ORF/Hubert Mican
Der ORF kann sich über starke Quoten von zwei wichtigen Neustarts freuen. Die Serie "Walking on Sunshine" erreichte am Montag in ORF eins mit zwei Folgen 789.000 und 720.000 Zuschauer. Beim Gesamtpublikum waren damit ganz starke 23 und 22 Prozent Marktanteil drin, normalerweise kommt der Sender im Schnitt auf etwas mehr als zehn Prozent. Noch erfolgreicher war die Serie mit Robert Palfrader beim jungen Publikum: Bei den 12- bis 49-Jährigen kamen die beiden Episoden auf 28 und 27 Prozent. Und auch das neue Vorabend-Magazin "Studio 2" legte einen fantastischen Start hin: 549.000 Menschen sahen sich die erste Ausgabe in ORF 2 an, der Marktanteil lag ab 17:30 Uhr bei 33 Prozent. "Studio 2" ersetzt "Daheim in Österreich", das im vergangenen Jahr einige Prozentpunkte Marktanteil verloren hatte, aber noch immer stabil bei mehr als 20 Prozent Marktanteil, und damit über dem Senderschnitt, lag. Mit "Studio 2" will man die Reichweiten und Marktanteile nun wieder ausbauen.

ATV Logo© ATV
ATV hatte dagegen am Wochenende weniger Glück mit einem neuen Format. In "Einsatz live" begleitet der Sender Einsatzkräfte bei der Arbeit, zum Start kam die neue Reihe zur besten Sendezeit aber nur auf 80.000 Zuschauer, 37.000 davon waren zwischen 12 und 49 Jahren alt. Der Marktanteil in der Zielgruppe lag dann auch nur bei 3,3 Prozent. Zum Auftakt begleitete ATV die Polizei, künftig soll es auch um Feuerwehr oder Rettungsdienste gehen. Zusätzlich zu den Aufnahmen erklären Experten die Einsätze im Studio. Die Sendung sorgte bereits im vergangenen Jahr für Schlagzeilen, weil das Innenministerium damals eine Mail an die Polizeidienststellen verschickte und darin Tipps zum Umgang mit der Presse gab. So hieß es, die Infos an kritische Medien sollen beschränkt werden. ATV und die Sendung "Einsatz live" wurden in der Mail explizit als Positivbeispiel genannt. Es entstand der Eindruck, dass ATV hier die redaktionelle Unabhängigkeit aus der Hand gibt. So sprach der Sprecher des Innenministers in Hinblick auf die Sendung von einer "imagefördernde Öffentlichkeitsarbeit". Beim Sender betonte man daraufhin, die redaktionelle Unabhängigkeit liege selbstverständlich bei der Redaktion.

ORF© ORF
Wintersport-Übertragungen sind in Österreich besonders beliebt und holen oft sehr gute Reichweiten. Das Finale der Vierschanzentournee am vergangenen Sonntag stach da aber noch einmal heraus. Durchschnittlich 1,07 Millionen Menschen schalteten ein, das war die höchste Reichweite eines Skispringens im ORF seit 2015. Der Marktanteil beim Gesamtpublikum betrug 40 Prozent, bei den jungen Zuschauern waren es 36 Prozent. In der Spitze schalteten laut ORF 1,23 Millionen Menschen ein. Auch der Herren-Slalom in Zagreb war sehr gefragt. Den entscheidenden zweiten Lauf, und den Sieg von Marcel Hirscher, sahen etwas mehr als eine Million Menschen, der Marktanteil lag bei 52 Prozent.

Was noch zu sagen wäre…

"Ich sehe die Gefahr einer Kannibalisierung nicht."
ORF-2-Senderchef Alexander Hofer über "Studio 2" und die angekündigte Magazin-Schiene von ORF eins (Standard.at)

Über den Autor

Timo Niemeier schreibt mit kleiner Unterbrechung seit 2014 für DWDL.de, er lebt in Wien und ist damit der Alpen-Beauftragte. Mag seichte Unterhaltung ebenso wie anspruchsvolle High-End-Serien, kann sich aber auch in Geschäftsberichten verlieren.

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