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Austria-Update vom 7. Juli

ServusTV und ORF teilen sich Formel 1, Corona-Förderung

 

Anders als in Deutschland geht die Formel 1 in Österreich nicht komplett ins Pay-TV, dafür teilen sich ORF und ServusTV ab 2021 die Rechte. Außerdem: Neues ORF-Gesetz wohl noch in diesem Jahr, die Corona-Förderung ist vergeben und die neue "Liebesg’schichten"-Staffel ist stark gestartet.

von Timo Niemeier
07.07.2020 - 11:34 Uhr

Formel 1Die Formel 1 wird ab 2021, anders als in Deutschland, im österreichischen Free-TV zu sehen bleiben. Dennoch kommt es zu Veränderungen: Was zuletzt schon der "Standard" berichtete, ist inzwischen bestätigt. ORF und ServusTV teilen sich die Rechte künftig zur Hälfte, die Vereinbarung gilt bis 2023. Wer welches Rennen zeigt, wird vor Saisonstart entschieden. Einzige Ausnahme ist der Österreich-Grand-Prix, den beide Sender übertragen. Rechtehalter ist übrigens ServusTV, der ORF erwirbt die Sublizenz. Weiterhin zu sehen gibt’s alle Rennen bei Sky - in Deutschland ja bekanntlich exklusiv.  

Ferdinand WegscheiderAnders als in Deutschland bleibt die Formel 1 damit im Free-TV. Der ORF verliert aber die Hälfte der Rennen. Für ServusTV ist es das nächste große Sportrecht, nachdem man sich zuletzt schon Spiele der Champions- und Europa League gesichert hat. ServusTV-Chef Ferdinand Wegscheider (Foto links) sagt: "Die neue Vereinbarung mit der Formel 1 erfüllt uns mit Stolz und wir werden alles daran setzen parallel zur MotoGP eine weitere Erfolgsgeschichte in der österreichischen Motorsportberichterstattung zu schreiben. Mit der Formel 1, der MotoGP und der Superbike WM gibt es ab 2021 das beste Live-Motorsportprogramm bei ServusTV." Die Kooperation mit dem ORF bezeichnet Wegscheider als "wirtschaftlich sinnvoll". ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz ergänzt: "Es sind wirtschaftlich herausfordernde Zeiten auch für den ORF und mit dem Erwerb der Live-Rechte an der aktuellen Bundesliga-Saison und an der UEFA-Europa League konnte der ORF zuletzt für den Sport und die Sportfans gleichermaßen wichtige Free-TV-Rechte sichern. Der ORF hat, etwa bei Fußballrechten, bereits in der Vergangenheit mit heimischen Privatsendern kooperiert. Die nun vorliegende Vereinbarung mit geteilten Übertragungsrechten ist zwar ein Novum, aber diese Kooperation garantiert, dass auch die Formel 1 in den kommenden Jahren ein integraler Bestandteil des ORF-Programmangebots bleibt  - bei gleichzeitiger Einhaltung der ökonomischen Vorgaben. Und das ist eine gute Nachricht für alle Motorsportfans in Österreich."

Österreichische Fußball BundesligaEher nicht weiter geht’s mit der Bundesliga im ORF. Nach dem Corona-Lockdown hatte der Sender hier ja Sublizenzen für 15 Spiele von Sky erworben. Angesichts eines Sparpakets in Höhe von 75 Millionen Euro gibt es hier aber wohl keinen Spielraum für weitere Investitionen, das ließ ORF-Chef Alexander Wrabetz letzte Woche in einem Hintergrundgespräch mit Journalisten laut "Standard" durchblicken. Auch das für den Herbst geplante Infomagazin steht demnach auf der Kippe. "Ich weiß nicht, ob wir es uns leisten können", sagte Wrabetz laut der Tageszeitung. Er vermisse "überzeugende Konzepte". Fix entschieden ist nun jedenfalls, dass die "ZiB 1" um 19:30 Uhr künftig sowohl auf ORF 2 als auch auf ORF 1 laufen soll - das war erst im Zuge der Coronakrise eingeführt worden und wird nun zur Dauerlösung. 


ORFDie lang erwartete Überarbeitung des ORF-Gesetzes nimmt konkrete Formen an. Wie der Kanzlerbeauftragte für Medienthemen, Gerald Fleischmann, nun angekündigt hat, soll das Thema im zweiten Halbjahr angegangen werden. Durch die Überarbeitung soll auch der ORF-Player möglich werden, an dem das Unternehmen nun schon seit einiger Zeit arbeitet. Hier will man Angebote wie die TVthek, die Radiothek aber auch das Streaming-Portal Flimmit vereinen. Auch die Sieben-Tage-Regel soll durch die Novellierung fallen und der ORF darf künftig auch Inhalte für Online produzieren. Durch die Änderungen am ORF-Gesetz soll der Sender "von einigen Fesseln und Einschränkungen befreit" werden, so Fleischmann. Streit gibt es unter anderem noch darüber, inwieweit der ORF sein Archiv für private Anbieter künftig öffnen muss. 

Simone StriblDer ORF hat weitere Details zu seinen "Sommergesprächen" bekanntgegeben, in denen Simone Stribl bekanntlich ab dem 3. August die Parteichefs in der Primetime interviewt (DWDL.de berichtete). Wie gehabt blickt Politik-Experte Peter Filzmaier im Anschluss in der "ZiB 2" mit einem Print-Journalisten auf das Gespräch zurück. Ab 22:30 Uhr moderiert Ingrid Thurnher in ORF III zudem die "Sommer(nach)gespräche", auch darin wird es um die Aussagen der Politiker gehen. Erstmals werden die "Sommergespräche" zudem als Podcast abrufbar sein. 

GeldscheineIm Zuge der Coronakrise hat die Bundesregierung angekündigt, kommerzielle Privatsender mit 15 Millionen Euro mehr zu fördern. Dieses Geld ist nun vergeben worden. Die höchste Summe für einen einzelnen TV-Sender ging an oe24.TV, das 1,74 Millionen Euro erhielt. Die ProSiebenSat.1Puls4-Gruppe inklusive ATV hat 3,75 Millionen erhalten. ServusTV kann sich über 1,37 Millionen Euro zusätzlich freuen. Und auch vergleichsweise kleine Player haben viel Geld bekommen: Krone.TV wurde mit 1,2 Millionen bedacht, das noch nicht einmal richtig gestartete Standard TV mit 635.000. Bei den Radiosendern erhielt die Mediengruppe Österreich in Summe rund 670.000 Euro, an Kronehit gingen 365.000 Euro. 

Angelika NiedetzkySeit Anfang des Monats zeigt der ORF eine neue Staffel seines "Sommerkabaretts". Daran hatte es zuletzt Kritik gegeben, weil nur männliche Kabarettisten angekündigt wurden - übrigens nicht zum ersten Mal. Der ORF hat inzwischen reagiert und zwei zusätzliche Kabarett-Termine angekündigt, bei dem Frauen zu sehen sein sollen. Auch bei der Konkurrenz ist man auf das Thema aufmerksam geworden und so hat Puls 24 nun "Ladies First - Das Sommerkabarett" angekündigt. Ab dem 16. Juli wird man drei Ausgaben zur besten Sendezeit ins Programm nehmen und Kabarettistinnen darin eine Bühne geben, mit dabei sind unter anderem Dolores Schmidinger, Nadja Maleh, Lydia Prenner-Kasper, Aida Loos, Angelika Niedetzky (Foto links), Caroline Athanasiadis.

Österreich in Zahlen 

Liebesgschichten und Heiratssachen"Liebesg’schichten und Heiratssachen" hat am Montag eine erfolgreiche Rückkehr bei ORF 2 gefeiert. Durch den Tod von Elizabeth T. Spira wird die Kuppelsendung inzwischen von Nina Horowitz präsentiert. Zumindest zum Start lief es prächtig: 1,02 Millionen Menschen schalteten ein und sorgten so für starke 33 Prozent Marktanteil. ORF 1 kam zur gleichen Zeit mit dem Film "Book Club - Das beste kommt noch" auf 351.000 Zuschauer und 11 Prozent. Gut lief es auch für Puls 4, das am Montag mit der Wiederholung der ersten (und einzigen) "Ninja Warrior Austria"-Staffel begonnen hat. 125.000 Zuschauer waren mit dabei - für eine Wiederholung ist das kein schlechter Wert. 

Formel 1Sehr gute Quoten waren für ORF 1 am Sonntag mit der Formel 1 drin. 609.000 Menschen sahen sich das Rennen aus Spielberg ein, damit wurden 46 Prozent Marktanteil gemessen, auch bei den 12- bis 49-Jährigen waren es 46 Prozent. Vor- und Nachberichte holten mehr als 30 Prozent beim Gesamtpublikum. Das Bundesliga-Match zwischen Rapid Wien und Wolfsberg unterhielt danach noch 216.000 (Halbzeit eins) bzw. 244.000 Zuschauer (Halbzeit zwei), auch damit waren für ORF 1 weit überdurchschnittliche 17 bzw. 18 Prozent Marktanteil drin. Auch das F1-Qualifying sowie die Bundesliga-Spiele am Samstag holten für ORF 1 sehr gute Quoten. 

ORF 2ORF 2 bewegt sich nach dem Corona-Hoch weiter in Richtung Normalniveau und kam im Juni auf einen Monatsmarktanteil in Höhe von 21,1 Prozent. Das ist der niedrigste Wert seit März, damit liegt man aber immer noch komfortabel über dem Schnitt aus 2019. Weiterhin ziemlich schlecht sieht es für ORF 1 aus, das im Juni nur 6,6 Prozent erreichte. Im Vergleich zum Vorjahresmonat ist das ein Verlust von mehr als zwei Prozentpunkten. Sehr zufrieden sein kann man dagegen bei ORF III sein, der Sender knackte im Juni erstmals die Marke von 3 Prozent Marktanteil - 3,0 Prozent wurden gemessen. 

ATV / Servus TV / Puls 4Weiterhin sehr zufrieden sein kann man bei ServusTV, das auf 3,3 Prozent Monatsmarktanteil beim Gesamtpublikum kam und damit vor ATV und Puls 4 landete, die jeweils 3,2 Prozent holten. Anders sah es bei den 12- bis 49-Jährigen aus, wo ATV und Puls 4 mit je 4,4 Prozent zwar einen eher schwächeren Monat erwischten, aber auch damit vor ServusTV (2,3 Prozent) lagen. Bei den Nachrichtensendern lag oe24.TV mit 0,9 Prozent Marktanteil in der Zielgruppe deutlich vor Puls 24, das es auf 0,4 Prozent brachte. Beim Gesamtpublikum war die Lücke mit 0,7 zu 0,5 Prozent etwas kleiner. 

Was noch zu sagen wäre…

"Es sind wirtschaftlich herausfordernde Zeiten auch für den ORF."
ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz

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