Katja Wildermuth ist nicht dafür bekannt, ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Schon vor zwei Jahren mahnte sie öffentlich die Verfassungstreue der Bundesländer in Bezug auf den Rundfunkbeitrag an (DWDL.de berichtete). Eigentlich sprach die BR-Intendantin nur Selbstverständliches aus, doch einigen Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten gefiel das ganz und gar nicht. Ihre Aussagen von damals sind auch heute noch aktuell, wenn die Öffentlich-Rechtlichen noch immer auf eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Nicht-Erhöhung des Rundfunkbeitrags warten.

Diese klare Kante tut der ARD gut, wenn es darum geht, gerade auch vor der Politik selbstbewusst aufzutreten. Sie sorgt dafür, dass die ARD nicht als Verein von Leuten wahrgenommen wird, in dem sich alle wegducken, wenn es mal ernst wird, weil sie niemandem auf den Schlips treten wollen. Und auch in diesem Jahr ließ Katja Wildermuth klare Kante in Richtung Politik nicht vermissen, wenn auch bei einem ganz anderen Thema. 

"Ich wünsche mir, die Politik würde mit gleicher Leidenschaft und Handlungsbereitschaft auf Desinformation schauen, wie sie aktuell auf Drohnen schaut. Das ist für mich eine Frage der nationalen Sicherheit", erklärte die BR-Intendantin vor einigen Wochen im DWDL.de-Interview und wiederholte diese Forderung auch noch einmal auf den Münchner Medientagen. Mit diesem von ihr erzeugten Bild hat Wildermuth eine Debatte über die negativen Folgen von Künstlicher Intelligenz (KI) und daraus resultierender Desinformation angestoßen. Auch die Vorgehensweise von Google bei AI Overview ist der BR-Intendantin ein Dorn im Auge, wie sie mehrfach ausgeführt hat. 

Beim Bayerischen Rundfunk will man das Thema KI unter Wildermuth aber auch aktiv gestalten. Ein KI-Bot, den man zusammen mit Ippen zum Oktoberfest betrieben hatte, ist da nur ein kleines Beispiel. Inzwischen hat man viele Verlage, Unternehmen und Wissenschaftsorganisationen in dem KI-Netzwerk "AI for Media" versammelt, um dort unter anderem Einsatzgebiete von KI im Journalismus zu definieren. 

Auf Panels immer eine Bereicherung

Wenn Katja Wildermuth - egal zu welchen Themen - auf Panels sitzt, ist das meist eine Bereicherung und willkommene Abwechslung zu sonst oft ähnlich verlaufenden Debatten. Als der damalige Deutschlandchef von Amazon, Christoph Schneider, auf den Medientagen München erklärte, in den USA sei dem Konzern noch kein einziger Channel-Partner abgesprungen, wurde er von der BR-Intendantin daran erinnert, dass das womöglich mit der Marktmacht des Unternehmens zusammenhängen könnte. Und auch die aktuelle Phase von Jeder-kooperiert-mit-Jedem sieht Katja Wildermuth kritisch und fragt: Was bleibt am Ende übrig, wenn alle mit allen zusammenarbeiten? Eine Antwort darauf gibt es freilich noch nicht. 

Aber auch innerhalb des Bayerischen Rundfunks wirkt Katja Wildermuth - und angesichts strenger Sparvorhaben ist das naturgemäß auch immer von Kritik begleitet. Einem 70-Millionen-Euro-Sparpaket fielen zuletzt auch einige langjährige Marken zum Opfer und es ist zweifellos schade um jedes Format, das seine Fans hatte. Und doch ist es immer wieder der BR, der in ganz unterschiedlichen Genres mit programmlichen Highlights punkten kann. 

Viel Neues trotz eines großen Sparpakets

Ein Beispiel gefällig? Der BR stand als federführender Sender hinter dem Reality-Neustart "Werwölfe" und auch die sehr erfolgreiche Lebensretter-Doku "In höchster Not" stammte vom BR. Zusammen mit dem WDR stand der BR in diesem Jahr auch hinter der "Küblböck-Story", machte eine Reihe über Aufstieg und Fall von 1860 München und verantwortete zusammen mit dem NDR das Dokudrama "Nürnberg 45". Und auch im Fiktionalen erzählt man Geschichten aus Bayern heraus, egal ob bei "Dahoam is Dahoam" und dem "Tatort" oder bei aufwendigen Event-Serien wie "Oktoberfest 1905". 

Wenn der BR am Programm sparen muss, macht er einen ziemlich guten Job darin, die sichtbaren Auswirkungen möglichst klein zu halten. Man kann sich jedenfalls nicht darüber beschweren, dass der BR in diesem Jahr möglicherweise zu wenig gutes Programm geliefert hätte. 

Ein weiteres Großprojekt, das die BR-Intendantin noch vor ihrem Amtsantritt von ihrem Vorgänger geerbt hatte, kommt im nächsten Jahr wohl endlich zum Abschluss: Der Umzug nach Freimann. Nachdem der neue Standort immer mehr Redaktionen ein zu Hause bietet, folgt mit Bayern 1 im kommenden Jahr eine der letzten Einheiten. Die eigentliche Herkulesaufgabe beginnt für die BR-Führung erst dann, wenn es ernst wird rund um den Verkauf des mittlerweile unter Denkmalschutz stehenden Studiobaus am Funkhaus in der Nähe des Hauptbahnhofs. 

Und dann hat Katja Wildermuth in diesem Jahr durch eine große Krise navigiert, ohne dass das in der Öffentlichkeit groß aufgefallen wäre: Als Mitglied der ARD im Executive Board der EBU ist die BR-Intendantin sozusagen das Sprachrohr des Senderverbunds in diesem Gremium. Und als solche hat sie mit geschickter Diplomatie dafür gesorgt, dass Israel am kommenden Eurovision Song Contest in Wien antreten darf. In anderen Ländern ist das durchaus umstritten, was angekündigte Boykotts von Spanien und anderen zeigen.

Wildermuth bleibt BR-Intendantin

In Deutschland aber herrschte im Vorfeld der EBU-Entscheidung sowohl in der Politik als auch in der breiten Medienöffentlichkeit eine einhellige Meinung: Israel darf nicht ausgeschlossen werden. Dafür sorgte nun unter anderem Katja Wildermuth - und auch hier zeigte sie im Vorfeld klare Kante. "Wir werden uns selbstverständlich dafür einsetzen, dass der unabhängige öffentlich-rechtliche Sender KAN Teil des Wettbewerbs bleibt. Darum wird es Anfang Dezember auf der General Assembly der EBU gehen", sagte die BR-Intendantin im Oktober im DWDL.de-Interview. Wäre die Entscheidung anders ausgegangen, hätte das auch die ARD in ein Dilemma gestürzt. Dass es nicht so gekommen ist, rechnet man Wildermuth sowohl innerhalb der ARD, aber auch in Teilen der Politik hoch an. 

Auch wenn viele der genannten Beispiele aus der zweiten Jahreshälfte stammen, ist es keine Überraschung, dass der Rundfunkrat Katja Wildermuth schon zuvor für eine zweite Amtszeit bestätigt hat. Sie wird dem Sender auch in den kommenden Jahren ihren Stempel aufdrücken. Und es war schon fast untertrieben, was der Vorsitzende des Gremiums, Godehard Ruppert, nach der erfolgten Wahl gesagt hat: "Die bisherige Amtszeit war geprägt von nicht gerade einfachen Rahmenbedingungen." Die Zeiten waren und sind herausfordernd. Beim BR kann man sich aber glücklich schätzen, mit Katja Wildermuth eine Intendantin zu haben, die mit einem klaren Kompass durch diese Zeiten navigiert.