Mit Blick auf die politische Lage in Deutschland und der Welt sind es derzeit keine unbeschwerten Zeiten - etwas, das sich aus Sicht von Stephan Lamby, der in diesem Jahr den Vorsitz der Jury des Deutschen Fernsehpreises als Nachfolger von Wolf Bauer übernommen hat, auch im Programm der Sender und Streamer niederschlägt. "Das aktuelle Fernsehen hat die großen gesellschaftlichen Themen unserer Zeit im Blick. Man merkt, dass die Spannungen im Land zunehmen und dass die Sender die veränderte Grundstimmung abbilden."
Lamby weiter: "Der Blick auf die Programme des Jahrgangs 2025/26 macht deutlich, dass wir als Gesellschaft gerade in eine andere Phase eintreten. Viele Produktionen beschäftigen sich mit Meinungsfreiheit und Toleranz, mit sozialen Medien, mit Rechtsextremismus, Terrorismus und Kriegen. Es geht um Trump und Putin, aber auch um die kleinen Auseinandersetzungen vor der eigenen Haustür. Die konfliktreichen Themen finden in fast allen Genres statt."
Das Ranking der Sender und Plattformen
Besonders gut bedient wurde diese aktuelle Stimmung aus Sicht der Jury von den Öffentlich-Rechtlichen. Nachdem die ARD im vergangenen Jahr erstmals seit längerem wieder knapp die meisten Nominierungen auf sich vereinen konnte, baute sie diesen Vorsprung in diesem Jahr sogar noch aus. Nimmt man Werk- und Personenkategorien zusammen, dann gehen insgesamt 32 Nennungen aufs Konto der ARD, das ZDF folgt schon mit deutlichem Abstand und insgesamt 23 Nominierungen dahinter. Unter den Privaten liegt RTL Deutschland mit 15 Nominierungen vor ProSiebenSat.1, das es auf insgesamt elf bringt.
Unter den internationalen Streamern war es vor allem Netflix, das punkten konnte und insgesamt sieben Nominierungen auf sich vereinen konnte. Produktionen für Prime Video finden sich zwei Mal auf den Nominierten-Listen, Disney+ und HBO Max jeweils einmal. Aufs Konto von Warner Bros. Discovery geht aber auch eine Nominierung für Eurosport. Springers Nachrichtensender Welt ist ebenfalls einmal mit dabei. Die meistnominierten Produktionen kommen dabei wie üblich aus der Fiktion, weil dort auch die meisten Gewerke ausgezeichnet werden. Jeweils vier Mal sind "Chabos", "Hundertdreizehn" und "Die Nichte des Polizisten" im Rennen.
Viel Investition in der Fiction, viel Innovation in der Information
Stephan Lamby konstatiert: "In der Fiktion fielen uns vor allem Produktionen auf, in die viel investiert wurde – nicht nur Budget, sondern auch Leidenschaft, Liebe zum Handwerk und zur Teamarbeit. Da ist auf sehr hohem Niveau und teilweise auch sehr mutig produziert worden. Das gilt mit Blick auf die darstellerischen Leistungen, aber auch für die Bücher, für Regie, Kameraarbeit und Montage. Vor allem die inhaltliche Durchdringung mancher Stoffe und die Bereitschaft, Geschichten tief auszuloten, hat uns beeindruckt."
In die Kritik seines Vorgängers aus dem Vorjahr, dass die Unterhaltung sich in einer Art "Wartehaltung" mit zu wenig Innovationen befinde, stimmt Lamby diesmal nicht ein. Sein Fazit zur Unterhaltung: "In schweren Zeiten dem Publikum etwas Leichtes zu bieten, gehört ebenfalls zu den Qualitäten des Fernsehens. Doch auch hier stellen sich einige Formate gesellschaftlich relevanten Themen. Mitunter erfahren die Zuschauerinnen und Zuschauer auch in einer Show Wichtiges über politische Krisen, deren Hintergründe und Bedeutung. Beeindruckend war zudem die Vielschichtigkeit in diesem Bereich. Das reicht von Musik und Comedy, bis hin zu langlaufenden Shows und deren ständiger Weiterentwicklung."
Spannende Innovationen sieht Lamby aber eher in der Information: "Themen, die es noch vor wenigen Jahren nicht ins Fernsehen geschafft hätten, werden nun in großer Ausführlichkeit als Doku-Serie behandelt. Auch Erzählformen werden weiterentwickelt. Hier war für die Jury die Qual der Wahl am größten. Ich werte das als Ausdruck einer neuen Entwicklungsphase der Doku-Branche, auch als Ausdruck des wachsenden Zuschauerinteresses an journalistischen Formaten. Und: Die Bedeutung von Sport hat in diesem Fernsehjahr enorm zugenommen." Letzteres schlägt sich dann auch in gleich fünf Sport-Nominierungen nieder.
Verliehen wird der Deutsche Fernsehpreis wieder an zwei Abenden: Am 8. September findet die "Nacht der Kreativen" in der Flora in Köln statt, an dem Abend werden die einzelnen Gewerke geehrt. Moderiert wird sie von Jan Köppen. Am 9. September folgt dann die TV-Gala, die diesmal bei RTL mit leichtem Zeitversatz ab 20:15 Uhr übertragen wird. Barbara Schöneberger führt wie fast immer durch den Abend, dafür gibt's mit dem Confex-Center Köln eine neue Location.
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