© Silviu Guiman
Wie die Sky-Show "Masterchef" grün werden soll

Grünes Produzieren: Wenn nur das Fliegen nicht wäre

 

Bei der Produktion der neuen "Masterchef"-Staffel hat Sky besonderen Wert auf Nachhaltigkeit gelegt - und die Verantwortlichen hinter der Kamera vor einige Herausforderungen gestellt. Herausgekommen ist die erste "Green Production" von Endemol Shine.

von Alexander Krei
19.10.2018 - 12:06 Uhr

Wie kann das Fernsehen grüner werden? Seit einiger Zeit schon suchen Fernsehsender nach Antworten auf diese Frage. In den seltestens Fällen wird bei Produktionen von Shows und Serien jedoch bis ins kleinste Detail auf Nachhaltigkeit geachtet. Dabei wäre ein anderes Verhalten durchaus angebracht, immerhin rechnen Experten damit, dass im Jahr 2050 in unseren Ozeanen mehr Plastikteile als Fische schwimmen werden, sollten wir unser Konsumverhalten nicht verändern. Auch hinsichtlich dessen hat Sky im vergangenen Jahr angekündigt, von Materialverbrauch bis Produktdesign alles auf den Prüfstand stellen zu wollen.

Der Pay-TV-Sender war es auch, der auf Endemol Shine Germany zugekommen ist, um die Kochshow "Masterchef" als sogenannte Green Production zu etablieren. Das stellte die Produktionsfirma jedoch zunächst vor einige Herausforderungen, schließlich galt es, alle Abläufe auf den Prüfstand zu stellen. "Das ist zum Teil richtig aufwändig, weil man Prozesse ändern muss, manchmal aber auch ganz einfach", sagt Fabian Tobias, der bei der Produktionsfirma als Director Show & Factual fungiert und in den vergangenen Wochen und Monaten viel über das grüne Produzieren lernte.

Fabian Tobias© Eyecatchme
Einfach sei beispielsweise die Anschaffung einer Anlage gewesen, die verwertbaren Restmüll kompostiert. "Das war ein echter Aha-Moment", erinnert sich Tobias (Foto). Von selbst ging die Umstellung auf eine grüne Produktion aber freilich nicht. Geholfen hat ein sogenannter "Green Berater", den Sky der Mannschaft zur Seite gestellt hat. Dieser habe sich jedes Gewerk angeschaut und auf eine grüne Produktionsweise umgestellt. Das machte sich etwa bei den Plastikflaschen am Set bemerkbar: Mehr als 12.000 solcher Flaschen hatte man noch im Vorjahr verwendet, diesmal nicht eine einzige. Verteilte Trinkflaschen und ein relativ simples Gallonensystem, das Leitungswasser nutzte, brachten eine CO2-Einsparung von 1,4 Tonnen mit sich, rechnet Fabian Tobias vor.

Und eine kleine Anzahl an Bio-Plastikbechern habe man in der Kompostiermaschine zu 100 Prozent verwerten können. Alleine dadurch gelang es, unterm Strich 320 Kilogramm Plastik einzusparen – "und da ist die Dekoration noch gar nicht dabei", sagt Fabian Tobias und zieht eine weitere Statistik aus dem nach der Produktion eigens erstellten Report hervor. So habe man auch den Dekorationsbau verändert und auf eine Konstruktion gesetzt, die auf Holz verzichtet. Bei der simulierten Backstein-Wand, die sonst auf Plastik gewesen wäre, setzte die Produktionsfirma auf einen bedruckten Prospekt. Alles in allem vermied die Green Production dadurch 3,7 Tonnen Plastik und sparte über 20 Tonnen CO2 ein.

Weniger Flüge, weniger Mülleimer

Ein großes Problem brachte allerdings die Logistik mit sich. "Wenn man viel fliegt, dann sind die Einsparungen sofort wieder weg", räumt Tobias auf Nachfrage ein. Aus diesem Grund wurde auch hier ein Veränderungsprozess in Gang gesetzt. "Wir haben die Logistik der Produktion so aufgestellt, dass wir eine deutliche Einsparung bei Flügen erreichen konnten." Das Ergebnis: Die Zahl der Flüge konnte im Vergleich zur Vorjahres-Staffel von 104 auf 38 reduziert werden. Daneben kamen sogenannte CNG-Fahrzeuge zum Einsatz – auch, weil es noch nicht viele Verleiher von Elektro-Fahrzeugen gibt. Zusammengerechnet habe man die CO2-Bilanz im Bereich Transport und Reise aber immerhin um 35 Prozent senken können.

Simone Lenzen© Eyecatchme
Einmal vom Ehrgeiz gepackt, hat Endemol Shine Germany in den vergangenen Monaten aber auch im eigenen Haus vieles auf den Prüfstand gestellt, um mehr für die Umwelt zu tun. Wer den Standort der Produktionsfirma im Kölner Stadtteil Ossendorf besucht, wird in den Büros der Mitarbeiter keine Mülleimer finden. Aus gutem Grund: Wer Müll verursacht, muss ihn nun in die Küche bringen. "Natürlich haben am Anfang einige die Mülleimer vermisst, aber die Tatsache, dass wir dadurch 12.000 Plastiktüten einsparen, ist für alle eine große Motivation, das gesamte Green-Projekt zu unterstützen", erläutert Simone Lenzen (Foto) im Gespräch mit DWDL.de.

Lenzen ist Kommunikations-Chefin bei Endemol Shine Germany und hält bei dem Nachhaltigkeits-Projekt die Zügel in der Hand. Regelmäßig informiert sie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, wie im Kleinen etwas für die Umwelt getan werden kann. Seit einiger Zeit schon sind Plastikflaschen aus den Büros verschwunden und wer drucken will, soll dies auf recyceltem Papier tun. Demnächst sollen Drucker mit Öko-Zertifizierung angeschafft und Ökostrom bezogen werden. Mit dem bisher Erreichten ist Lenzen zufrieden. "Das sind kleine Schritte, aber wir schärfen damit das Bewusstsein", sagt sie. Dass die Umsetzung nicht immer einfach ist, wird beim Besuch in Ossendorf aber auch deutlich - etwa, wenn zur Vorbereitung des Gesprächs dann doch ein paar Seiten mehr ausgedruckt werden als unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten nötig wäre.

Doch Simone Lenzen macht deutlich, dass es ihr auch darum geht, in der Branche einen Dialog anzustoßen. Der Austausch ist ihr wichtig, weil sie hofft, dass man gemeinsam mehr erreichen kann. Fabian Tobias will das Thema indes nun auch bei anderen Fernsehsendern ins Gedächtnis rufen. "Unser Anspruch ist es, den Sendern bei bestehenden oder neuen Formaten das Angebot zu machen, auf eine Green Production umzustellen." Aktuell arbeitet die Endemol Shine an einem Handbuch, um die bei "Masterchef" gesammelten Erfahrungen zu bündeln. Das will man bis zum Ende des Jahres abschließen und schließlich dazu nutzen, um den Sendern ab 2019 konkrete Vorschläge zu unterbreiten. "In Zukunft haben also unsere kreativen Mitarbeiter eine Format-Idee, die wir den Sendern beim Pitch neben der klassischen Produktion auch als grüne Alternative anbieten." Herausreden kann sich dann eigentlich niemand mehr.

Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Sport mag er am liebsten, wenn er in der Glotze läuft.

Teilen

Kommentarbereich anzeigen

Im Programm ist Umweltschutz als Thema längst angekommen, aber wie ernst nehmen die Akteure, egal ob großer Medienkonzern oder kleine Fernsehschmiede, das Thema im eigenen Haus? Wie implementiert man Umweltbewusstsein in Unternehmen, wie fördert und fordert man im Alltag die Umsetzung theoretischer Absichten?

Einen Monat lang geht DWDL.de der Frage nach, wie grün die deutsche Fernsehbranche wirklich ist. Ihr Unternehmen engagiert sich auch? Melden Sie sich gerne unter greenscreen@dwdl.de

Geldscheine © Chobe / photocase.com
DWDL.de-Umwelt-Schwerpunkt

"Das Budget für Umweltschutz wird nicht aufgemacht"

Immer mehr TV-Sender schmücken sich mit Umweltschutz-Aktionen, doch wie ernst ist das Bestreben wirklich? Viele Produzenten haben den Eindruck, dass für grünes Produzieren kein Geld vorhanden ist. Die Sender erwidern, es müsse gar nicht teurer sein. » Mehr zum Thema
Bavaria-Gelände © Bavaria Film
DWDL.de-Umwelt-Schwerpunkt

Grünes Produzieren - in der Großstadt und im Grünen

Wer im Grünen drehen will, kann dies auf dem Bavaria-Gelände tun - aber auch den Studios hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren vermehrt einen grünen Anstrich verpasst. Bei der UFA in Berlin kommt gar ein "Green Team" zum Einsatz. » Mehr zum Thema
Grüner Drehpass © FFHSH
Workshops, Geld, Grüner Drehpass

Filmförderungen: Gemeinsam an vorderster Grün-Front

Die Filmförderungsanstalten haben sich das Thema Nachhaltigkeit auf die Fahnen geschrieben und wollen entsprechende Projekte fördern - 2017 war dabei ein Wendepunkt. Der Grüne Drehpass soll derweil um eine CO2-Berechnung erweitert werden. » Mehr zum Thema
Der mit dem Wald spricht © SWR
Autor Peter Wohlleben über seine SWR-Sendung

"Im Wald sind die Promis ganz normale Besucher"

Peter Wohlleben ist Förster und Bestseller-Autor und präsentiert im SWR nun seine erste TV-Sendung, in der er sich mit Promis in den Wald begibt. Im Interview spricht er über die Idee dahinter, Vorurteile gegenüber den Promis und die Berichterstattung der Medien, wenn es um Wald und Natur geht. » Mehr zum Thema
Masterchef-Produktion © Silviu Guiman
Wie die Sky-Show "Masterchef" grün werden soll

Grünes Produzieren: Wenn nur das Fliegen nicht wäre

Bei der Produktion der neuen "Masterchef"-Staffel hat Sky besonderen Wert auf Nachhaltigkeit gelegt - und die Verantwortlichen hinter der Kamera vor einige Herausforderungen gestellt. Herausgekommen ist die erste "Green Production" von Endemol Shine. » Mehr zum Thema
Jola Rent © Jola Rent
Geschäftsführer von Jola-Rent im Interview

Grüner Drehpass? "Das ist zum Teil auch ein Hype"

Joachim Langen ist Geschäftsführer von Jola-Rent, der externe Dienstleister vermietet Geräte für TV-Produktionen. Im Interview erklärt er, weshalb er dem "Grünen Drehpass" skeptisch gegenübersteht und wieso das "grüne Drehen" in seiner täglichen Arbeit noch kein echtes Thema ist. » Mehr zum Thema
Kamera in der Natur © Flickr/Olli Henze
Sender und Dienstleister in der Pflicht

"Grünes Produzieren bietet auch Einsparungsmöglichkeiten"

Die Branche tut in Sachen Nachhaltigkeit einiges, könnte aber noch viel mehr machen. Zwei Experten erklären, wieso "grünes Produzieren" nicht immer zwangsläufig mit höheren Kosten verbunden sein muss und wo die Herausforderungen liegen. » Mehr zum Thema
Fernseher © paulniestroj / photocase.com
Umweltschutz bei den Öffentlich-Rechtlichen

Und wie ist Ihr CO2-Fußabdruck bei TV-Produktionen?

Der SWR hat mit der baden-württembergischen Medien- und Filmgesellschaft einen CO2-Rechner für TV-Produktionen entwickelt. Doch trotz aller Bemühungen ist der Weg hin zu einem grünen Standard noch weit. Das gilt auch für das ZDF. » Mehr zum Thema
Volker Angres © ZDF/Rico Rossival
DWDL.de-Umwelt-Schwerpunkt

Umwelt im TV: Kann das Fernsehen die Welt verbessern?

Die Zahl der TV-Formate, die sich ausschließlich mit Umweltthemen befassen, ist überschaubar und Volker Angres, Leiter der ZDF-Umweltredaktion kämpft um jeden Zuschauer. Doch können Sendungen wie "planet e." wirklich etwas bewirken? » Mehr zum Thema
Imker-Aktion bei RTL II © RTL II
Start des DWDL.de-Umwelt-Schwerpunkts

Bienen, Wasserkraft und LED: Wie grün sind die Privatsender?

In den kommenden Wochen befasst sich DWDL.de im neuen "Green Screen"-Special mit der Frage, welchen Stellenwert der Umweltschutz für die Fernsehbranche hat. Zum Auftakt geht es um das Engagement der großen Privatsender. » Mehr zum Thema