David Ellison © Paramount
Offiziell gab sich Paramount-Boss David Ellison noch recht gelassen, nachdem bekannt wurde, dass die Gerichtsverhandlung in der Kartellklage der 12 US-Bundesstaaten gegen die Warner-Übernahme auf März 2027 datiert wurde. Man sei sicher, vor Gericht zu siegen. Das Problem: Auch ein solcher Sieg wäre für Paramount sehr teuer, fällt doch ab Oktober pro Tag eine Ticking Fee von 7 Millionen Dollar an, die an die Warner-Aktionäre zu zahlen wäre - ein Milliarden-Betrag bis zum Urteilsspruch. Von Gelassenheit ist daher längst keine Spur mehr, stattdessen wird mit harten Bandagen gekämpft. Gemunkelt wurde es schon länger, nun soll es die konkrete Drohung geben, dass Paramount Hollywood und damit Kalifornien verlassen wird, wenn es keine außergerichtliche Einigung bis zum 30. September gebe. Ab dem 1. Oktober werde man mit dem Prozess beginnen, innerhalb kürzester Zeit den Hauptsitz in einen anderen Staat zu verlegen - und über die nächsten Jahre dann auch ein Großteil der Studio-Aktivitäten. Ellison soll seinem Führungsteam gegenüber mitgeteilt haben, dass der Aufsichtsrat von Paramount bereits genehmigt haben. Damit würden Kalifornien nicht nur die Steuereinnahmen wegbrechen, auch Tausende Arbeitsplätze in Hollywood stehen auf dem Spiel. 

Rob Bonta © State of California DoJ
Der kalifornische Generalstaatsanwalt Rob Bonta bezeichnete es als "Versuch, den Staat zu erpressen, damit dieser einen rechtswidrigen Deal durchwinkt." Dies habe schon beim ersten Mal, kurz vor Klageeinreichung im Juli, nicht funktioniert und werde auch diesmal nicht klappen. Unterstützung erhielt Bonta von der Autorengewerkschaft WGA, die ebenfalls klagt: "Genau dieses Verhalten ist der Grund, warum die Fusion untersagt werden sollte", heißt es in einer Stellungnahme. Paramount unterstreiche damit, welche Gefahr von seiner "übermäßigen Macht" in der Branche ausgehe. Doch es ist bei Weitem nicht so, dass Paramount eine Gewerkschaftsfront gegen sich hätte: Die Regie-Gewerkschaft DGA und die IATSE, die über 170.000 Arbeiter aus allen möglichen Gewerken vertritt, drängten in einem gemeinsamen Newsletter auf eine schnelle Lösung in dem Rechtsstreit.

Zwar hätten Fusionen wie diese in der Vergangenheit den Beschäftigten kaum Vorteile gebracht, allerdings befürchte man durch die Verzögerung noch negativere Auswirkungen. Zudem müsse man sehen, ob es wirklich bessere Alternativszenarien gebe - zumal wenn es Möglichkeiten gebe, die wettbewerbsschädlichen Auswirkungen durch Auflagen und verbindliche Vereinbarungen abzumildern. Die Gewerkschaften fürchten durch die monatelange Hängepartie einen "irreparablen Schlag" gegen die ohnehin angeschlagene Branche. Die ebenfalls einflussreiche Gewerkschaft Teamsters wiederum schlug sich angesichts der Drohung, Kalifornien zu verlassen, auf die Seite der Paramount-Kritiker und forderte Ellison auf, die "Spielchen" zu unterlassen und sich für die eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einzusetzen, statt sie als Verhandlungsmasse zu sehen.

Paramount © Paramount
Auch wenn die Generalstaatsanwaltschaften bislang bei allen vorläufigen Gerichtsentscheidungen siegreich waren, wächst jedenfalls auch auf sie der Druck, allen voran auf Rob Bonta - zumal er bislang keine öffentliche Rückendeckung vom kalifornischen Gouverneur Gavin Newsom erhalten hat. Bonta zeigte sich dabei jüngst auf einer "Politico"-Konferenz noch einmal offen, die Klage gegen Auflagen fallen zu lassen. Es müsse sich aber um strukturelle Maßnahmen handeln, nicht um verhaltensbezogene Auflagen. David Ellisons Zusage, das fusionierte Unternehmen werde jährlich 30 Filme veröffentlichen, ist aus Bontas Sicht also schonmal kein gangbarer Weg, weil sich solche Zusagen später nicht durchsetzen ließen. Eine sturkturelle Maßnahme wäre, sich von Unternehmensteilen zu trennen.

Nicht helfen würde es laut Bonta, wenn Paramount CNN veräußern würde - die Klage sei nicht politisch motiviert und CNN tauche in der Klageschrift kaum oder gar nicht auf. Dass CNN unter die Führung der Trump-nahen Ellison-Familie geraten würde, wird von vielen Demokraten gleichwohl besonders kritisch gesehen - in diesem speziellen Verfahren spielt es aber keine Rolle. Paramounts Chef-Justiziar Makan Delrahim sagte unterdessen, alles sei auf dem Tisch wenn es um das Finden einer Lösung gehe. Den Vorwurf, es handle sich bei dem drohenden Verlassen von Kalifornien um versuchte Erpressung, wies er zurück. Man wolle Kalifornien nicht verlassen, aber es gebe auch einen Punkt, an dem man eine treuhänderische Pflicht gegenüber den eigenen Aktionären habe. Noch bleiben rund eineinhalb Monate Zeit - bis es womöglich für Paramount und Kalifornien gleichermaßen teuer werden könnte.

Weitere Meldungen

ESC 2027, Bulgarien © EBU
Beim Eurovision Song Contest werden im kommenden Jahr einige neue Regeln eingeführt, darunter die Anhebung des Mindestalters der Teilnehmerinnen und Teilnehmer von 16 auf 18 Jahre und die Festlegung, dass die Lead-Stimme die Hauptmelodie live singen muss. Spannend ist aber auch eine andere Festlegung: Eigentlich ist es bekanntlich so, dass das Siegerland automatisch die Gastgeber-Nation des Folgejahres wird. Künftig soll ein Land aber als Gastgeber ausgeschlossen werden, wenn es sich in einem bewaffneten Konflikt befindet oder die geopolitische Lage die Sicherheit in der Region beeinträchtigt. Vor diesem Problem stand der ESC schon nach dem Sieg der Ukraine nach dem Überfall Russlands auf das Land. Hier trat die Ukraine frewillig zurück und überließ die Austragung Großbritannien. Diesmal dürfte die Festlegung nicht zuletzt mit Blick auf Israel getroffen worden sein: Im vergangenen Jahr belegte das Land Platz 2, es ist aber am Iran-Krieg beteiligt, greift Ziele im Libanon an und auch mit der Hamas im Gaza-Streifen befindet man sich weiterhin im bewaffneten Konflikt.

Streamingdienste © DWDL
Es gab noch Zeiten, da wollte die Mehrheit der großen Streamer von Werbefinanzierung nichts wissen. In diesem Jahr nun werden Ampere Analysis zufolge in den USA erstmals mehr als die Hälfte der gesamten Einnahmen im SVoD-Bereich aus Tarifen mit Werbung kommen - insgesamt rund 45 Milliarden Dollar. Hierbei werden die Abo- und Werbeeinnahmen zusammengezählt, rein auf Werbung entfallen demnach 18 Milliarden Dollar und davon wiederum der weitaus größte Teil auf Amazon, das anders als alle Konkurrenten seine gesamten Kundenbasis standardmäßig mit Werbung beglückt, sofern sie nicht eine Zusatzoption buchen. Dazu passt auch, dass in den USA im Rahmen der Upfronts 5,3 Prozent weniger Werbe-Zusagen fürs lineare Broadcast-Fernsehen in der kommenden Saison gemacht wurden, fürs lineare Kabel-TV sogar 7,7 Prozent. Dafür zogen die Commitments fürs Streaming um satte 30 Prozent auf 17,2 Milliarden Dollar an. (Broadcast: 8,6 Milliarden, Kabel: 8,0 Milliarden). Rechnet man alles zusammen, bleibt für den Gesamt-Markt ein Plus von 9,1 Prozent. Netflix allein berichtet davon, dass man sein Ziel erreicht hat, in den Upfronts die Zusagen für Werbebuchungen annähernd zu verdoppeln.

Serien-Update

Apple TV © Apple
Fast zehn Jahre Arbeit stecken bei Alfonso Cuarón (“Disclaimer”) im Vorhaben, auf Basis des Buchs “Last Days” von Adam Nevill, einen Mix aus Horror und Thriller für die kleine Bühne zu erzählen. Nun hat Apple TV grünes Licht gegeben und die Serie “Ascension” mit, nicht mehr wie ursprünglich geplant, Casey Affleck, sondern Caitríona Balfe (“Outlander”) geordert, womit die Hauptrolle auch zugleich das Geschlecht wechselt. Der eigentlich auf Film spezialisierte und für zahlreiche Oscars nominierte Cuarón möchte die Geschichte über die frisch geschiedene Dokumentarfilmerin Rose (Balfe) erzählen, die Dingen und Menschen Job bedingt sehr nahe kommt. Bei einem Projekt über die mysteriöse Sekte des 20. Jahrhunderts “Church Ascension” findet die sich selbst fremd gewordene Rose überraschend Halt in den Lehren der Verbindung. Wäre da nicht eine Entdeckung, die sie in Richtung Finsternis treibt. 

Cobie Smulders © IMAGO / Image Press Agency
Dass Spinoffs aus der Mode kommen, ist so unwahrscheinlich wie eine nochmalige Sonnenfinsternis bis Jahresende. Nun soll auch die Netflix-Marke “The Lincoln Laywer” einen Ableger bekommen, bei dem dann die aus “How I Met Your Mother” bekannte Cobie Smulders (spielte Robin Scherbatsky) ins Zentrum gesetzt wird. Laut “Deadline Hollywood” wird ihre Rolle als Halbschwester von Mickey Haller, Artemisia “Emi” Finch, dadurch weiter ausgebaut. Da sie erst in Staffel 4 eingeführt wurde, gibt es also noch viel Erzählstoff in einer separaten Serie für Macher David E. Kelley und das Produzententeam um Ted Humphrey, Dailyn Rodriguez und Matthew Lieberman, die die Netflix-Serie über A+E Studios realisieren würden. Und weil die Mutterserie mit der fünften Staffel im nächsten Jahr an ihr Ende gelangt, könnte mit dem geplanten Ableger eine Lücke geschlossen werden - bestellt wurde zumindest schon mal ganz schnell ein Drehbuch. 

Netflix © Netflix
Ein weiteres Kapitel der “Monster”-Anthologie von Ryan Murphy und Ian Brennan steht in den Startlöchern und Netflix gab nun immer mehr Details bekannt und hat zudem einen Trailer spendiert. Nachdem zuerst die Verbrechen von Jeffrey Dahmer ausgeführt wurden, folgten die Menéndez-Brüder Lyle und Erik, sowie Ed Gein im letzten Jahr in einer dritten Staffel. Klar war bereits, dass sich die vierte Staffel um eine Mörderin drehen würde, nämlich Lizzie Borden. Dieser wurde Ende des 19. Jahrhunderts vorgeworfen, ihren Vater Andrew und ihre Stiefmutter Abby mit einer Axt getötet zu haben. In “Monster: The Lizzie Borden Story” schwingt Ella Beatty (“Feud: Capote vs. The Swans”), jüngste Tochter von Warren Beatty und Annette Bening, das Hackebeil. Los geht es mit der vierten Staffel am 17. September.  

Serien-Ticker +++ Jason Sudeikis gab nicht nur bei der Halbzeitshow der diesjährigen WM seinen Ted Lasso, sondern ist bei Apple TV nach dreijähriger Pause wieder mit seiner Rolle in der Fußballcomedy durchgestartet: laut Apple TV handelt es sich im Startfenster 4. und 5. August mit insgesamt 296,6 Millionen Streaming-Minuten um die meist gesehene Premiere in der Geschichte des Streamingdienstes +++ Für MGM Television machen die Produktionsfirmen von Vater und Tochter Stallone gemeinsame Sache. Callisto Media (Sophia Stallone) und Balboa Productions (Sylvester Stallone) wollen eine Serie zu den Bestsellern “Bourbon & Lies” von Victoria Wilder erzählen +++ Bei zwei Projekten gibt es erst einmal rotes Licht: das Polizeidrama “American Blue” bei HBO Max und “Power Rangers” bei Disney+ erhalten eine Absage.