Heute wird der Deutsche Entertainment Award bereits zum 5. Mal verliehen. Sie sind angetreten, um dem Entertainment mehr Sichtbarkeit zu geben. Hat das geklappt?

Rolf Hellgardt: Ich bin total stolz auf den Weg, den wir in den ersten fünf Jahren gegangen sind. Es war anfangs ein Get Together, dem wir den Namen Deutscher Entertainment Award gegeben haben. Das war im ersten Jahr vielleicht etwas mehr Behauptung als Realität. Und heute? Da sind wir mit meinem produzentischen Blick neben dem Deutschen Fernsehpreis, dem Grimme-Preis und dem Blauen Panther die wichtigste Auszeichnung für unsere Gattung. Das ist ein großer Erfolg für uns als Entertainment, wo wir uns oft schwerer getan haben als der Journalismus oder die Fiction, sich zu feiern, wenn es etwas zu feiern gibt. Da war die Lobby-Arbeit anderer Genres sichtbarer. Und dass wir das verbunden haben mit einem gezielten Networking für die Jüngeren in der Branche, die den DEA auch vor Ort zu einer wertvollen, kreativen Plattform gemacht haben, ist ein Traum, der wahr geworden ist.

Und das ist gezielt forciert beim DEA, was vielleicht nicht alle wissen…

Bob Heinemann: Ich kann das ganz persönlich beantworten: Ich habe dank des DEA sehr viele Leute in diese Branche kennengelernt. Ich bin jung und hatte das Privileg früh auf solche Veranstaltungen gehen zu können, aber es gab nicht viele und oft stand man dann als Nachwuchs mit der Cola in der Ecke und warst froh wenn du zwei gute Gespräche am Abend geführt hast. Beim DEA ist das völlig anders. Hier fällt das Kennenlernen und Vernetzen viel leichter, gerade im Entertainment wo es keine andere Veranstaltung mit dieser Dichte an Kreativen gibt.

Rolf Hellgardt: Neben den wichtigen Sponsoren finanziert sich der DEA zum Großteil durch die engagierte Beteiligung von Produzentinnen und Produzenten der Sektion Unterhaltung. Teil der Pakete, mit denen sich die Firmen am DEA beteiligen können, sind Ticketkontingente, von denen immer mindestens zwei an junge Talente aus den Häusern gehen. So gewährleisten wir, dass es mehr als ein Klassentreffen derer wird, die sich schon seit 20 Jahren kennen.

Das spiegelt sich dann auch in der Jury-Besetzung?

Rolf Hellgardt: In der Jury des DEA haben wir natürlich Köpfe wie Ute Biernat, Axel Kühn oder mich, die für Kontinuität und Stabilität sorgen, aber wir haben unseren Mitgliedern auch gesagt: Schickt uns neue, junge Stimmen, also Volontär*innen oder Jungredakteur*innen, denen ihr in so einem Gremium eine Stimme geben wollt. Das gibt es so sonst nirgendwo. Die Blickwinkel, die man dadurch bekommt, sind auch mal anders, vielleicht frischer als unsere, die wir so arriviert auf die Leistungen schauen. Das macht die Arbeit in dem Gremium so spannend. 

Wie zufrieden waren Sie in diesem Jahr mit den Einreichungen?

Rolf Hellgardt: Wir waren wieder auf einem ganz gut hohen Niveau, sowohl in Anzahl wie auch Qualität. Und durch die neue Kategorie der Best ShortForm kam ohnehin noch einmal mehr dazu. Aber es kann immer noch mehr und besser werden. Da haben einige, glaube ich, ihre Chance noch nicht so richtig auf dem Zettel Wichtig war für uns natürlich auch die Beteiligung der Film- und Medienstiftung NRW, die im vergangenen Jahr erstmals dabei war. Man sieht ja auch durch das neue Förderprogramm für Entertainment, wie sich Walid Nakschbandi für unser Thema einsetzt. Entertainment bekommt eine neue Sichtbarkeit, auch in der Medienpolitik. Wir freuen uns sehr, dass Minister Nathanael Liminski dabei ist. Ein gutes Zeichen fürs deutsche Entertainment, für den Preis und Unterhaltung in NRW. Da sind wir sehr dankbar.

Deutscher Entertainment Award © DEA

Im vergangenen Jahr war erstmals die Film- und Medienstiftung mit ihrem Sonderpreis dabei, diesmal ist die Kategorie Best Shortform neu. Was war die Motivation?

Bob Heinemann: Uns geht es um die Vernetzung der Community, auch und gerade zwischen denen, die an etablierten Formaten und an neuen Formen arbeiten. Das war ein Gedanke: Wie kriegen wir das, was im Entertainment passiert, besser abgebildet. Denn bei den Sichtungen gab es mehrstündige Shows, dann kurze YouTube-Formate. Und das nebeneinander zu legen und miteinander zu vergleichen, wurde immer schwieriger. Und weil Produzent*innen vielleicht dazu neigen, dann immer eher die komplexere Produktion zu würdigen, wollen wir diese neue Gattung von Formaten, die oft auch ohne klassische Senderbeteiligung entstehen, einbeziehen. 

Rolf Hellgardt: Wir erleben gerade auch eine neue Rollenfindung. Also was ist eigentlich die Aufgabe von Produzenten? Was ist die Aufgabe von Creatorn? Sind das manchmal nur Hosts, sind das Mitproduzenten? Was spielen Sender dann eigentlich noch für eine Rolle, wenn es auch noch Plattformen wie YouTube gibt, die wiederum aber nichts finanzieren. Wir erleben gerade wie alte Rollenbilder und Mechanismen wie die Auftragsproduktion durch neue Formen herausgefordert werden. Eine spannende Aufgabe, weil es auch nicht von heut auf morgen ein radikaler Wechsel ist. Aber wir müssen das neue Denken, die neuen Generation und ihre Themen und Sprache mit an den Tisch holen, nicht nur beim DEA. 

Bob Heinemann: Zudem erweitern wir den DEA um eine weitere Veranstaltung. Den DEA Connect, einer neuen Plattform am Nachmittag zum Austausch über jeweils ein Thema das Jahres. Zum Start schauen wir auf die neue Kategorie und den Trend zu ShortForm, mit allen Nominierten im Gespräch auf der Bühne. Da bringen wir auch verschiedene Generationen zusammen. Mit DEA Connect wollen wir ein Forum für Entertainment-Themen etablieren. 

Wer entscheidet über den DEA? Um das mal klarzustellen …

Rolf Hellgardt: In den Kategorien Best Adaption, Best Development und Short Form sichtet das Gremium des DEA die Gesamtheit der Einreichungen auf Regelkonformität und Qualität. Daraus wird dann eine Shortlist erstellt, über die alle Produzent*innen der Sektion Unterhaltung der Produktionsallianz abstimmen. Bei Best Talent stimmt trifft das Gremium die Entscheidung über die Preisträger*innen.

Wie muss man sich das Verfahren bei Best Talent vorstellen? Eine schwierige Kategorie sicherlich? 

Rolf Hellgardt: Wir kriegen eine Videovorstellung, eine Begründung von einer Produzent*in, wir haben den Lebenslauf und wir haben unter Umständen natürlich eh schon einen Blick auf die Projekte, an denen sie arbeiten. Aber die wollen wir ja nicht bewerten, sondern die invididuelle Leistung. Das ist ein Förderansatz, um junge Menschen und ihren Beitrag sichtbar zu machen.

Deutscher Entertainment Award © DEA

Sie haben auch das große Ganze im Blick: Wie geht es denn der non-fiktionalen Unterhaltung 2026?

Rolf Hellgardt: Ich würde ungern grundsätzlich in den Krisenmodus einstimmen, ehrlich gesagt. Ja, wir stehen vor großen Herausforderungen. Aber es gelingt, wie die diesjährigen Nominierungen ja zeigen, doch immer wieder ein Ausrufezeichen zu setzen. Was abgewählt ist, ist der Durchschnitt. Das reicht nicht mehr, um wahrgenommen zu werden. Wodurch erreichen wir eine Sichtbarkeit? Durch Exzellenz. Und das ist dann entweder ein Talent oder ein Thema oder ein Format, wobei letztere es gerade auch nicht einfach haben.

Bob Heinemann: Jetzt muss man aber sagen: Hier reden zwei Produzenten, die persönlich eigentlich nicht klagen können. Und vielleicht ist das jetzt auch ein bisschen Wunschdenken, aber ich würde mich freuen, wenn wir als Branche in dieser Situation auch einen neuen Zusammenhalt entwickeln und uns über Erfolge der Kolleg*innen gemeinsam freuen. Jeder Erfolg, egal aus welchem Hause, stärkt die Branche.

Zum Abschluss noch medienpolitisch gefragt: Haben Sie Hoffnung, dass auch die non-fiktionale Unterhaltung von der Flut profitieren wird, die durch die Investitionsverpflichtung jetzt alle Boote heben soll?

Rolf Hellgardt: Also zunächst mal: Wir sehen Entwicklungen in die richtige Richtung, wie etwa bei der Film- und Medienstiftung NRW. Da wurden Türen aufgemacht. Und dass die Medienpolitik uns Aufmerksamkeit schenkt, ist ebenso ein ermutigendes Signal. Vielleicht dringt irgendwann durch, dass wir schneller, kleiner, günstiger, näher an gewissen Themen dran sein können, als die Fiktion und dass dies auch als Qualität gewertschätzt wird. Zum Thema Investitionsverpflichtung: Da ist es natürlich bitter, dass das Thema Rechte hinten runtergefallen ist. Ich verstehe alle Positionen, die es in der Branche gibt. Aber die Produzent*innen wird man am Ende nur stärken können, wenn die Rechte bei ihnen liegen - gerade im Formatgeschäft.

Bob Heinemann: Wir erleben außerdem eine Eventisierung in der Unterhaltung, was zusätzliche Herausforderung ist. Weil sonst ja erst ab der vierten oder fünften Staffel nennenswert Geld verdient wurde, aber das passiert ja immer weniger. Die wenigsten neuen Ideen kommen heute auf eine lange Laufzeit, so dass man darüber noch was rausholen könnte. Und von irgendwas muss man ja eine Firma aufbauen können.

Rolf Hellgardt: Es gibt zwar immer wieder mal Entwicklungsverträge oder Sonder-Budgets, aber ehrlich, die sind marginal und am Ende kriegen wir als Produzent*innen immer Sendungsbudgets und da muss die Entwicklung auch immer schon komplett mit einkalkuliert sein. Das ist die Realität, mit der wir wohl auch weiterhin erstmal arbeiten. Eine Herausforderung, aber am Donnerstagabend wird jetzt erstmal gefeiert, was trotz der Umstände an hervorragendem Entertainment entstanden ist.

Herr Hellgardt, Herr Heinemann, herzlichen Dank für das Gespräch