Bild: n-tv © n-tv
DWDL.de-Interview

n-tv-Chef Demmel: Das Internet ist unser Zukunftsmarkt

 

Auch wenn das Fernsehen seiner Meinung nach noch lange Leitmedium bleibe, will n-tv-Geschäftsführer Hans Demmel im Internet gut gerüstet sein. Wie er es mit dem Web2.0 hält, was man aus dem Obama-Wahlkampf des letzten Jahres lernen kann und wieso sich der n-tv-Umzug nach Köln-Deutz weiter verzögert...

von Thomas Lückerath
25.05.2009 - 09:13 Uhr

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n-tv neues LogoDas Jubiläum 10 Jahre n-tv.de steht an und Sie haben der Website einen Relaunch verpasst. Wird alles anders?

Nein, eine Website zu überarbeiten ist immer ein bisschen so wie eine Hotelrenovierung. Sie möchten zwar immer State-of-the-Art sein, aber eigentlich soll es die Kundschaft gar nicht merken. Und wir haben ja eine sehr erfolgreiche Website. Das belegen eindrucksvoll die bis zu 21,2 Millionen Visits, 154 Millionen PIs und 1,2 Millionen Unique User im Monat. Nein, wissen Sie, wir nutzen ja unsere eigene Website auch selbst, macht ja längst nicht jeder, und dabei ist bei uns selbst und dann auch durch die Marktforschung gestützt, der Wunsch hervorgekommen, das Webangebot zu vereinfachen.

Sie wollen mit dem Relaunch also bisherige Fehler ausbügeln?

Wir haben bei der langfristigen Beobachtung unserer Seite festgestellt, dass der User eine Form von Orientierung will. Es gibt immer diese scheinbar allgemein gültige Meinung, dass sich der User im Internet alles selber zusammen sucht. Aber nein, das stimmt nicht so ganz. Sicher: Ich kann für spezielle Themen auch spezielle Websites ansurfen. Aber innerhalb eines Webangebots wird eine klare Orientierung gewünscht. Bügeln wir damit Fehler der Vergangenheit aus? Nein, aber es gibt im Nachrichtengeschäft auch sicher niemanden, der in den vergangenen zehn Jahren alles nur richtig gemacht hat. Sollten auf dem Weg zu unserem aktuellen Erfolg Fehler gemacht worden sein, dann haben wir daraus gelernt.
 
 
 
 

Bislang wurde die Website extern produziert. Bleibt das auch künftig so?

Das bleibt so. Warum sollten wir das auch ändern?

Es gibt ja momentan den Trend, alle Redaktionen eines Hauses enger zu verknüpfen. Da wäre es ja nicht unwahrscheinlich gewesen, dass auch n-tv die Produktion der Website wieder selbst übernimmt...

Die Zusammenarbeit zwischen den Redaktionen ist keine gesellschaftsrechtliche Frage. Das ist eine Frage der Workflows, die bei uns exzellent funktionieren, weil es eben über die Köpfe geht. Und da hilft es natürlich, dass die beiden Kollegen, die die Nachrichtenmanufaktur führen, Ex-n-tv-Mitarbeiter sind.

Gerade jetzt wo die Verknüpfung von Text und Video im Web immer elementarer wird, hätte es ja vielleicht Sinn gemacht...

Nein, gerade umgekehrt. Der Trend zum Video im Web beschert uns einen enormen Vorteil. Wir müssen nicht mehr lernen, wie man kurze Beiträge gut produziert. So arrogant bin ich mal - es wäre aber auch schlimm, wenn wir das nach über 16 Jahren Nachrichtenfernsehen nicht könnten. Wir müssen schreibenden Redakteuren – gar nicht böse gemeint – nicht erst beibringen, wie eine Videokamera funktioniert. Ab und zu muss ich schon schmunzeln, wenn mal wieder ein Verlag ankündigt, dass man jetzt Video für sich entdeckt hat. Wir müssen das nicht erst lernen, wir machen das seit Jahren. Und das geht auch mit einer extern produzierten Website.

Ist denn das Internet nicht überhaupt die einzige Wachstumschance für Sie? Im TV-Markt wachsen die Marktanteile der Newssender nicht mehr, da streiten Sie sich mit Ihrem Hauptkonkurrenten N24 immer um die gleiche Zuschauermenge...

Ja, natürlich ist der Markt für ein hochqualitatives Programm mit einer sehr spitzen Zielgruppe begrenzt. Irgendwann sind alle Sättigungsgrade erreicht. Wobei die Marktgröße per se für uns immer nur ein Teilfaktor des Erfolges ist. Für uns ist letztlich der Status der „most admired news company“ wichtiger. Wir wollen das wichtigere, das relevantere Nachrichtenhaus sein. Das Wachstum für Nachrichten im TV wird bei uns, wie auch im Rest der Welt, sicher nicht weiter durch die Decke gehen. Die 1 vor dem Komma bei dem Marktanteil 14-49 werden wir halten und noch etwas drauflegen, aber wir kommen dann bald an den natürlichen Sättigungsgrad. Je nach Nachrichtenlage lässt dieser sich dann allenfalls temporär nochmal steigern. Also von Obama über die Bundestagswahl bis zum Flugzeugabsturz. Im Internet sehen wir eine Wachstumschance für die Marke n-tv. Das Internet ist unser Zukunftsmarkt, auch wenn uns das Fernsehen noch eine lange Zeit als Leitmedium erhalten bleiben wird. Denn trotz Web 2.0, Facebook, Twitter und Co.: Stellen Sie sich eine Welt ohne Fernsehen vor. Alle Ingenieure dieser Welt würden an seiner Erfindung arbeiten. Es ist das Gemeinschaftsmedium und wird es noch lange Zeit bleiben. Dort sind wir bestens aufgestellt, jetzt wollen wir im Web unsere Kompetenz ausbauen. n-tv ist ein Nachrichtenhaus für alle denkbaren elektronischen Medien.

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