Welche Quote strebt man denn an? Lastet da gerade bei solch einem Jubiläum ein hoher Druck auf einem?

Überhaupt nicht. Ich mache diese Sendung jetzt seit elf Jahren – wenn ich mir immer noch Quotengedanken machen würde, wo kämen wir denn da hin? Ich will einfach, dass unsere Sendungen Spaß machen – den Zuschauern und auch uns als Team. Wir müssen uns hinterher in die Augen sehen und sagen können, dass wir unser Bestes gegeben haben. Wenn es uns gelingt, dass die Zuschauer vor Ort das genauso empfinden, ist das Ziel erreicht, Quote hin oder her. Wer sich Sonntag um 11 Uhr entscheidet, den Fernseher einzuschalten und das ZDF zu gucken, vor dem ziehe ich meinen Hut und bedanke mich. Wenn dieser Zuschauer dann gute Laune hat und denkt, das haben die aber schön gemacht, dann ist das der größte Lohn. Und inzwischen haben ja alle Sender erkannt, dass der Sonntagvormittag ein toller Sendeplatz ist. Die Mitbewerber werden eher mehr als weniger. Insofern ist es entscheidend, dass man sein Bestes gibt.

 

 

Eine Fernsehshow, die nach einem Vierteljahrhundert weiterhin gute Quoten einfährt, ist selten. Wie erklären Sie sich den Erfolg des Fernsehgartens?

Einmal liegt es sicher an der Art der Sendung, die es so kein zweites Mal gibt. Wir haben keine klar definierte Bühne, auf der alle Künstler auftreten und von der aus moderiert wird. Stattdessen sind wir mittendrin und alle Zuschauer gehören mit zur Sendung und müssen damit rechnen, angesprochen zu werden und Teil der Show zu sein. Ich glaube, dass wir mit unserer Art, diese Sendung zu machen, vom Kind bis zu den Großeltern eine breite Masse ansprechen. Die Zuschauer merken, wie viel Herzblut wir in den Fernsehgarten hineinstecken und dass uns jeder einzelne Programmpunkt wichtig ist. Wir sind ein großes Team, in dem jeder immer sein bestes gibt – das klingt vielleicht wie eine Phrase, ist aber wirklich so. Nur deshalb kann der Fernsehgarten so erfolgreich sein. Als Ilona Christen 1986 hier auf dem Lerchenberg zum ersten Mal die Zuschauer begrüßte, war ich drei Wochen vor der Entbindung meines ersten Kindes.  Hätte mir jemand 1986 in Ost-Berlin zu DDR-Zeiten gesagt, dass ich nun das 25-jährige Jubiläum präsentiere, hätte ich geantwortet: Klar, und dann gewinne ich auch noch im Lotto!

Welche Moderation stellt für Sie die größere Herausforderung dar - der Fernsehgarten oder  „Einspruch - Die Show der Rechtsirrtümer“ bei RTL?

Das sind zwei ganz unterschiedliche Paar Schuhe. „Einspruch“ bei RTL fühlt sich so an, als ob man mit High-Heels auf eine Party geht und sich gleich hinsetzen kann. Aber der „Fernsehgarten“  ist aufgrund seiner Vielfalt eine größere Herausforderung. Ich fühle mich dort allerdings inzwischen so zu Hause als wäre das mein eigener Garten. Ich sage immer, ich habe den größten und tollsten Garten mit den meisten Besuchern auf meiner Gartenparty.

Frühstücksfernsehen bei Sat.1, diverse Shows beim ZDF, Rechtsirrtümer bei RTL – Sie haben schon einiges auf dem Moderatorenbuckel. Welche neuen Gewässer möchte Sie noch ergründen?

Ich war vor kurzem für das ZDF als Reporterin zur Königshochzeit in London und habe von dort berichtet. Das war schon ein kleines bisschen wie ein royaler Fernsehgarten in London. Solche Ausflüge schätze ich sehr. Ansonsten muss ich gerade nach den Ereignissen in 2008 sagen: Ich bin einfach nur dankbar dafür, dass das, was ich habe, mir so gut gefällt. So viele Leute gehen morgens lustlos zur Arbeit. Ich freue mich hingegen darauf und komme eher eine halbe Stunde früher als eine halbe Stunde zu spät.

Frau Kiewel, herzlichen Dank für das Gespräch