Wolf-Christian Ulrich © Michael Gottschalk
Wolf-Christian Ulrich im Interview

"log in"-Moderator Ulrich: "Wollen nicht wie Jauch sein"

 

Fernsehen und Internet - geht das zusammen? In der ZDFinfo-Sendung "log in", die heute aus der Sommerpause zurückkehrt, versucht Moderator Wolf-Christian Ulrich genau diesen Spagat. Ein Gespräch über das Zusammentreffen zweier Medien...

von Alexander Krei
22.08.2012 - 01:15 Uhr

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Herr Ulrich, haben Sie eigentlich „Gottschalk Live“ gesehen?

Natürlich!

Ich frage deshalb, weil das ja auch ein Versuch war, das Internet in eine Live-Sendung zu integrieren. Was haben Sie dabei gedacht?

Ich habe dabei gar nicht so sehr über Internet und Fernsehen nachgedacht, sondern über Thomas Gottschalk.

Das Internet lässt sich also nicht so einfach ins Fernsehen transportieren?

Das ist ein großes Missverständnis. Das Internet ist vor allem Kommunikationsmedium: Nicht mehr, nicht weniger. Wir wollen politische Themen mit Menschen zwischen 20 und 39 bereden: also Leuten, die ein großes Interesse an politischen Themen haben, aber keinen Bock mehr auf die Politiker, die oft reichlich abgedroschen daherphrasieren. Und deshalb wollen wir bei „log in“ eine Form schaffen, die unserer Zielgruppe im Fernsehen und im Netz eine Diskussion über diese Themen möglich macht. Damit eben jede und jeder mitreden kann.

Was genau haben Sie seit dem Start von „log in“ gelernt?

Wir haben häufiger mal versucht, explizit Netzthemen aufzugreifen... aber erstaunlicherweise kommen die ganz klassischen, harten politischen Themen am besten an. Daraus haben wir unsere Schlüsse gezogen. Vor allem müssen wir endlich aufhören, über das Verhältnis von Internet und Fernsehen zu reden. Das Internet muss für uns ganz einfach ein ganz selbstverständliches Medium sein, mit dem wir mit unseren Zuschauern über die Themen reden.

Und das ZDF lässt sich ernsthaft darauf ein?

Klar. Und trotzdem ist das in so einem großen Haus eine schwierige Sache. Natürlich muss sich die Zusammenarbeit zwischen Onlinern und Fernseh-Leuten erst einspielen. Wir alle lernen noch dazu.

Ein neues Denken auf dem Lerchenberg?

Ja logisch. Wir sind ein großer, uralter Laden. Wir können einiges, aber wir müssen uns eben auch einiges aneignen. Der Anfang von log in war, dass da Fernsehmacher erstmal lernen mussten, mit Onlinern zu reden. Das klingt banal. Aber es war anfangs echt nicht leicht, die Bedürfnisse des jeweils anderen zu verstehen. Allein schon für die Struktur innerhalb dieses Hauses war das eine Herausforderung.

Welche Bedürfnisse haben Sie denn?

Wir vom Fernsehen wollten zunächst mal eine gute Fernsehshow machen. Und die Onliner wollten ein super Online-Angebot: eine Sendung, die im Netz perfekt funktioniert. Und dann muss man eben schauen, wie „log in“ als echt crossmediale Sendung in der Dramaturgie beider Medien auf möglichst natürliche Art und Weise funktioniert – und das alles allein im Dienst des Themas. Das hinzubekommen, beschäftigt uns immer noch am meisten.

Gibt es noch weitere Veränderungen, die Sie in den letzten eineinhalb Jahren festgestellt haben?

Ich ziehe mich anders an (lacht). Neulich hatten wir eine Redaktionssitzung und unser Chef sagte mit einigem Bedauern, wir hätten da letztens aber eine ziemlich normale Talkshow hingelegt. Er machte sich fast schon Sorgen, weil wir ja eigentlich etwas anders sein wollen. Ich sehe das eher positiv: All die Dinge, die wir heute so als selbstverständlich in unserer Sendung ansehen, waren anfangs gar nicht selbstverständlich. Denn im Vergleich etwa zu Frank Plasberg sind die Zuschauer bei uns wesentlich direkter Teil der Show. Und ich finde, sie werden bei uns auch wesentlich ernster genommen.

Mit der „Rundshow“ gab es kürzlich ein weiteres Format, das verstärkt auf das Netz setzte.

Die „Rundshow“ ist überall groß abgefeiert worden. Da habe ich in der „SZ“ gelesen, dass es die erste crossmediale Sendung im deutschen Fernsehen gewesen sei. Wir leisten das seit eineinhalb Jahren. Ich habe den Kollegen den Erfolg ehrlich gegönnt. Sowas ist ne Leistung. Und ich hab mich gefreut, dass der BR so ein Projekt überhaupt möglich macht.

Braucht man eigentlich eine Art Filter für die Kommentare?

Rein rechtlich müssen wir unsere Live-Kommentare filtern. Menschenverachtende Sachen haben in unserer Sendung nichts zu suchen.

Kommt das denn häufig vor?

Glücklicherweise nicht. Im Großen und Ganzen kommt alles auf den Sender, was bei uns reinläuft. Meist geschieht das in weniger als zwei Minuten, der Chat funktioniert ohnehin mehr oder weniger live. Wir machen eher die positive Erfahrung, dass die Zuschauermails im Vorfeld der Show die redaktionelle Arbeit super ergänzen. Wir lesen alle Kommentare. Am Ende bleiben vielleicht 10 übrig, die die meisten Argumente am stärksten auf den Punkt bringen. Dadurch strukturieren letztendlich die Zuschauer die Sendung.

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