Thilo Proff © Sport1
DWDL.de-Interview

Thilo Proff: "Natürlich schaue ich neidisch in die USA"

 

Seit einem halben Jahr ist Ex-ProSieben-Chef Thilo Proff als Vorstand Sport bei Constantin Medien an Bord. Im DWDL.de-Interview spricht der Fan von US-Sport über die Ausrichtung von Sport1, Wettbewerb in der Nische und neue Geschäftsfelder.

von Thomas Lückerath
04.09.2012 - 10:15 Uhr

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Herr Proff, ein halbes Jahr sind Sie jetzt wieder zurück im Mediengeschäft bei Constantin Medien. Wieviel von dem einen Jahr Auszeit nach dem Abschied von ProSiebenSat.1 ist noch übrig?

Die körperliche Erholung ist schon weitgehend dahin. Aber die Erinnerungen an meine Weltreise, die ich in dem Jahr unternommen habe, sind nicht nur noch da, sondern immer noch sehr präsent. Im Nachhinein habe ich gemerkt wie wertvoll und wichtig diese Auszeit war.

Aber dann hat es Sie doch wieder im Finger gejuckt. Im Sportfernsehen gibt es die Öffentlich-Rechtlichen auf der einen und Sky auf der anderen Seite. Sie haben sich da einen Job in einer schwierigen Nische ausgesucht...

Es ist in jedem Fall eine sehr spannende Nische, weil sich im Sport und dessen Darstellung in diversen Formen der Berichterstattung viel bewegt. Wir sind mit Sport1 da umfassend aufgestellt: Im FreeTV, im PayTV, online und mobil. Ich habe jetzt nach den ersten Monaten festgestellt, dass die Herausforderung allein bei Sport1 wesentlich komplexer ist als sie es bei einem Sender wie ProSieben war. Weil die Verbreitungsformen komplexer sind, weil wir mehr Eigenproduktionen haben. Mein Vorgänger hat aber ein hervorragendes Team aufgestellt, das sehr motiviert und inhaltlich mit Leidenschaft an die Sache geht und dabei auch gut improvisieren kann. Das braucht man bei einem Sportsender wie Sport1.

Es war also auch für Sie eine deutliche Umstellung?

Wenn man von einem Sender wie ProSieben bzw. einer Sendergruppe wie der ProSiebenSat.1 Media AG kommt, ist man finanziell andere Möglichkeiten gewohnt. Das war für mich am Anfang schon eine Umstellung, aber da haben mir die Kollegen gut geholfen. Man muss nicht immer im 40-Tonner-Ü-Wagen mit Klimaanlage berichten. Da reicht manchmal auch ein umgebauter Transporter. Sport1 ist mehr Handwerk. Das muss man beherrschen, weil wir schneller und näher dran sein müssen am Produkt als es große Vollprogramme sind.

Schauen Sie eigentlich manchmal neidisch auf das Sportfernsehen in den USA?

Natürlich schaue ich neidisch in die USA, aber in erster Linie, weil ich persönlich großer Fan von US-Sport bin (lacht). Natürlich muss man sagen, dass in den USA selbst eine Sportart in der Nische noch eine ausreichend große Zielgruppe erreicht, um ein vernünftiges Geschäftsmodell zu entwickeln. Das macht es den Sportsendern bei der Vielfalt der Sportarten in den USA einfacher mehr oder weniger rund um die Uhr auf Sport zu setzen. Da ist die Interessenlage der Sportfans in Deutschland schon eher einseitig auf den Fußball konzentriert. Das ist kein Angriff auf Fans von vielen tollen Sportarten bei uns, aber das Masseninteresse konzentriert sich - man könnte sagen leider - im Wesentlichen auf Fußball. Da ist das Interesse in den USA facettenreicher – alleine schon durch Football, Baseball, Basketball und Eishockey.

Aber ist es dann nicht die Chance oder sogar Pflicht - im eigenen Interesse - weitere Sportarten zu unterstützen, um sich selbst eine breitere Basis fürs Programm zu schaffen?

In vielen Fällen sind die Verbände natürlich hin- und hergerissen. Da winken bei Verträgen, die sie mit anderen Sendern, allen voran den Öffentlich-Rechtlichen, abschließen können, im Vergleich zu Sport1 vielleicht höhere Lizenzeinnahmen. Aber sie nehmen in Kauf, dafür eventuell nur ein paar Minuten im Programm aufzutauchen. Bei Sport1 könnten Sie weit mehr Sendezeit bekommen, was für die Sponsoren der Vereine natürlich attraktiv ist, weil sie eine Darstellungsfläche erhalten. Da müssen die Sportverbände wissen, ob ihnen zwei Minuten Berichterstattung bei ARD, ZDF oder einem Dritten auf der einen oder ein Live-Spiel die Woche bei Sport1 auf der anderen Seite lieber ist.

Alles eine Frage des Geldes...

Das ist eine Frage, die die Verbände für sich entscheiden müssen. Wir sind für Gespräche offen und können Sendefläche bieten. Nicht nur im FreeTV, auch im PayTV. Da wiederum öffnet sich inzwischen etwas. Da haben wir bei Sport1+ zum Beispiel inzwischen auch einige exklusive Rechte, wie zum Beispiel Tennis mit der ATP Tour. Oder wir bieten exklusive Zusatzangebote: So läuft ein Drittel unserer Handball-Spiele live und exklusiv nur auf Sport1+. Beim Basketball sind es auch noch 20 Prozent mehr Live-Sport in Ergänzung zu dem, was wir im FreeTV bei Sport1 zeigen. Bei MotoGP-Wochenenden sind wir auf Sport1+ komplett live dabei, Rennen und Highlights zeigen wir auf Sport1. Im Bereich PayTV tut sich was, weil da viele Verbände bislang noch gar präsent waren. Und immer dabei das deutsche Sport-Portal Nr.1, noch vor dem Kicker: Sport1.de mit im Juli aktuell knapp 250 Mio. PIs.

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