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DWDL.de-Interview mit Netflix-Programmchef Ted Sarandos

"Verzögerung zwischen USA und Deutschland minimieren"

 

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Wie sieht es eigentlich mit Live-Rechten aus, beispielsweise Sport? Ist das für Netflix von Interesse oder bleibt es bei on demand-Content?

Ich glaube nicht. Netflix ist beinahe ein Synonym geworden für On Demand-Nutzung. Es steht für den Mehrwert alles gucken zu können, wann immer man will. Das gilt aber nicht für wichtige Sportereignisse. Das will man in dem Moment sehen, wo es passiert. Man will live dabei sein. Das ist aber nicht unser Geschäft. Wir wollen nicht zu einer bestimmten Zeit ein möglichst großes Publikum dazu bringen, das Gleiche zu gucken. Wir sagen: Guck doch was Du willst, wann Du willst.



Welche Rolle spielen deutsche Produktionen im Netflix-Programmmix?

Jetzt zum Launch haben wir ein repräsentatives Angebot dessen, was das deutsche Fernsehen bietet. Filme, Serien, Kinderprogramme. Also von Til Schweiger-Filmen über tolle Serien wie  „Weissensee“ und „Stromberg“ bis zu Kinderprogrammen wie der „Sendung mit der Maus“. Das ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Angebot an unsere deutschen Kunden. Sie werden uns durch ihre Nutzung wissen lassen, wovon sie mehr möchten. Oh und wir haben diese tolle Serie über diesen schrulligen Typ aus Hamburg…

„Tatortreiniger“?

Genau, „Tatortreiniger“.

Eine der wenigen guten deutschen Serien. Die hohen Erwartungen an Netflix speisen sich sicher auch daraus, dass wir nicht viele gute eigenproduzierte Serien haben und auch aus den USA nicht jede gute Serie ihren Weg nach Deutschland findet…

Um ehrlich zu sein, waren wir bei der Vorbereitung unseres Launches in Deutschland auch überrascht, bei wie vielen Serien die Rechte für Deutschland noch gar nicht vergeben waren. Warum hat sich hier niemand „Fargo“ geschnappt? Eine fantastische Serie, jetzt bei uns. Und wir haben noch viel mehr. Warten Sie es ab.

Sie sprechen ein spannendes Thema an. Das Start-Angebot wird in diesen Tagen vielleicht viel zu wichtig genommen. Entscheidend ist ja, was Netflix in den kommenden Monaten nachlegen können wird. Abonnenten wollen ja schließlich bei Laune gehalten werden…

Machen Sie sich keine Sorgen. Lassen Sie es mich so ausdrücken: Der Umfang des Programmangebots von Netflix in Deutschland wird sich in den nächsten zwölf Monaten verdoppeln. Zum Launch haben wir jetzt bereits ein sehr breites Angebot verfügbar, das demonstriert in welcher Breite Netflix Content anbietet. Dieses jetzt etablierte Spektrum werden wir kontinuierlich mit weiteren Inhalten füllen. Egal ob Serien aus den USA, Serien aus Europa oder aus Deutschland. Egal ob Filme, Dokumentationen oder Kinder-Programme. Ein wesentliches Element für den Ausbau unseres Angebots ist die Nutzung. Wir werden analysieren, was die Deutschen interessiert, was sie gucken. Und dann dementsprechend das Angebot erweitern. Wir würfeln ja nicht einfach und sagen dann: Hoffentlich gefällt es Euch. Und weil wir erst Erfahrungen mit den Interessen unserer deutschen Kunden machen müssen, wird Netflix in Zukunft eben noch besser. Jeden Tag wissen wir mehr über das, was unsere Kunden interessiert als noch am Vortag.

Gibt es einen festen Turnus in dem neue Inhalte bereitgestellt werden?

Nein, das kann jeden Tag passieren.

Viele deutsche Produzenten würden sich gerne in Gesprächen mit Ihnen sehen. Oder behaupten sogar, schon in Gesprächen mit Ihnen zu sein…

Dann wird nach unserer Launch-Party ganz Deutschland „in Gesprächen“ mit uns sein. (lacht)

Wir würden uns freuen auch in Deutschland so ein passendes Projekt zu finden, aber es gibt aktuell noch keine Pläne

Ted Sarandos über deutsche Eigenproduktionen

Davon ist auszugehen. Aber wie konkret steht eine deutsche Netflix-Produktion auf dem Plan? In Frankreich, wo Netflix am Montag gestartet ist, haben Sie ja im Vorfeld schon eine lokale Produktion angekündigt.

Da bot sich zur richtigen Zeit die richtige Gelegenheit. Da kam eine tolle Idee und ein großartiges Team von Kreativen zusammen. Das passte einfach und wird, da bin ich mir sicher, nicht nur in Frankreich ein großer Erfolg sondern auch Netflix-Kunden in Deutschland und anderen Märkten begeistern. Wir würden uns freuen auch in Deutschland so ein passendes Projekt zu finden, aber es gibt aktuell noch keine Pläne. Im nächsten Jahr wird es aber eine Netflix-Serie mit deutscher Beteiligung geben: Bei der SciFi-Serie „Sense 8“ der Wachowski-Geschwister ist Tom Tykwer als Regisseur an Bord. Sie kennen sich durch den gemeinsam umgesetzten Film „Cloud Atlas“. Beim Cast ist Max Riemelt dabei und eine der acht Städte in denen die Serie spielt, ist Berlin. Es ist ein erster Schritt.

Aber dann doch noch ein langer Weg zur Eigenproduktion in Deutschland.

Wissen Sie, wir sind gerade mitten in der ambitioniertesten Expansion von Netflix. Binnen einer Woche starten wir in mehreren europäischen Ländern. Das ist jetzt erstmal unsere Priorität. Ich persönlich würde mich sehr auf deutsche Produktionen freuen. „Goodbye Lenin“ oder „Das Leben der Anderen“ waren zwei herausragende deutsche Spielfilme, deren Beschäftigung mit der eigenen Geschichte auf faszinierende Weise einmal heiter, einmal sehr ernst umgesetzt war. Aber ich habe gelernt, dass mein privater Geschmack allein kein Kriterium ist.

Zum Ende muss ich noch eins fragen: Wird die 3. Staffel von „House of Cards“ die letzte sein?

(schmunzelt) Stay tuned!

Herr Sarandos, herzlichen Dank für das Gespräch.

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