Schulz in the Box © ProSieben
DWDL.de-Interview mit Olli Schulz

Olli Schulz: "Ich bin da irgendwie nur reingerutscht"

 

Vor gut einem Monat kündigte Olli Schulz einen Rückzug aus dem Fernsehen an. Im DWDL.de-Interview spricht er erstmals ausführlich über das Ende von "Schulz in the box", was ihm die TV-Jobs bedeuten und seine Leidenschaft, Geschichten zu erzählen.

von Christian Vooren
05.12.2014 - 09:16 Uhr

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Herr Schulz, Sie haben kürzlich bei Facebook angekündigt, dass Sie sich fürs Erste aus dem TV-Geschäft zurückziehen wollen. Wieso kommt die Entscheidung gerade jetzt?

Ich hatte einfach keine Lust mehr, dass sich alles nur noch um mich dreht. Und das ist beim Fernsehen so. Man fängt an, seine Außenwirkung zu reflektieren, und irgendwann denkt man: Ey, du bist auch nur ein ganz normaler Typ, der sich seit Jahren durchgeboxt hat mit seiner Musik und seinem Kram, und du willst nicht auf einmal im Dauer-Mittelpunkt stehen - das befremdet mich ein bisschen.

Deswegen bin ich in den Grunewald gezogen. Ich habe zehn Jahre in Kreuzberg gewohnt, habe Kinder, und wollte einfach nicht mehr, dass ich auf die Straße gehe und die Kinder und ich sofort erkannt und hemmungslos vollgequatscht werden. Und das passiert mir im Grunewald nicht so häufig, da hat man ein bisschen seine Ruhe, die Leute sind gesund distanzierter. Ein Grund war, dass es richtig unangenehm wurde, wenn ich zum Beispiel mit meiner Tochter auf dem Tempelhofer Feld war, wir einen Drachen steigen lassen haben, und auf einmal Leute mit einer Handykamera kommen und uns aus allernächster Nähe abfilmen. Da kriege ich echt paranoide Zustände, das tut mir nicht gut, da kam ich mir manchmal vor wie ein Tier im Zoo. Ich möchte irgendwo sein, wo ich nicht dauernd darauf angesprochen werde, ob ich der Typ aus dem Fernsehen bin.

Auf dem Bildschirm wird man Sie nun erst einmal nicht mehr sehen, dafür gehen Sie ausgiebig auf Tour.

Man muss aber klar sagen: Ich mache immer noch Talk-Sendungen als Gast, trete auch immer nochmal in Sendungen auf, bei Jan Böhmermann und bei anderen Freunden. Es geht einfach nur darum, dass ich gerade keinen geregelten Job im Fernsehen haben will, das wurde zuletzt etwas zu viel. Ich will jetzt auf Tournee gehen, meine Musik machen, meinem Publikum die neue Platte vorspielen und Spaß haben. Dafür brauche ich nun ein bisschen mehr Zeit, das muss ja auch geprobt und vorbereitet werden. So ein Album und eine Tour werden mit Interviews vorbereitet, Foto- und Videoshootings, Coverartwork, was da im Hintergrund abläuft, bedeutet schon einigen Zeitaufwand. Und wenn ich mich dann noch darum kümmern müsste, "Schulz in the Box" oder so zu drehen, das wäre mir gerade zu viel. Ich habe die letzten zwei Jahre extrem viel gemacht. Nun will ich im nächsten Jahr mehr für meine Familie und Musik da sein, ich verschwinde ja nicht gänzlich von der Bildfläche.

Was macht Sie nervöser? Ein Millionen-Publikum vor dem Bildschirm oder 500 Leute vor Ihrer Bühne?

Also, ganz offen gesagt bin ich bei beidem mittlerweile nicht mehr so nervös. Ich weiß inzwischen wie das Spiel funktioniert. Das klingt jetzt doof, aber ist wirklich so, ich bin ja lange genug dabei. Wenn montags meine Sendung lief ("Schulz in the Box"), gab es dienstags entweder einen Anruf vom Programmchef, dann war es gut. Oder es meldet sich gar keiner, dann war die Quote schlecht. So ist das beim Fernsehen, so funktioniert es. Und Irgendwann durchschaust du das ganze System. Ich liebe es einfach, vor Menschen in einem Club aufzutreten. Vor Leuten zu stehen, meine Lieder zu singen, das Publikum zum Lachen zu bringen oder zu berühren, das ist das schönste und direkteste Erlebnis für einen Musiker und Entertainer auf der Bühne. Vor dem Fernsehschirm hat man ja ein anonyme Masse Publikum, man sieht die Zuschauer nicht, und Feedback kommt nur zeitversetzt in Form von Quote oder guten und schlechten Kritiken. Und als Künstler kommt meine Gabe von den Bühnenkonzerten, daher kommen meine Sprüche und Ideen, die ich dann auch im Fernsehen mache. Das habe ich mir alles auf der Bühne angeeignet. Das ist das, was ich nicht vernachlässigen darf und auch weiterentwickeln möchte. Ich will jetzt einfach mal ein Jahr lang neue Ideen sammeln. Wer weiß, wenn in ein, zwei Jahren jemand sagt: Wir haben eine sehr gute Idee für eine Show oder Serie, und ich habe gerade Zeit, dann würde ich das auch wieder machen.

Es mag Viele geben, die Sie erst übers Fernsehen kennengelernt haben und Ihre Musik gar nicht kennen. Die werden den „lustigen Olli“ jetzt vielleicht vermissen. Andererseits: Einige Ihrer frühen Fans nehmen Ihnen die Blödeleien krumm. Wie gehen Sie mit solcher Kritik um?

Geblödelt habe ich schon immer auf der Bühne, und infantiler Humor war schon immer Teil von dem, was ich gemacht habe. Aber man kann ja auch nur das machen, was man gerne macht. Es gab Phasen, in denen mich die Kritik mehr berührt hat als jetzt, wenn ich ganz ehrlich bin. Ich kann nur versuchen, weiter gute Sachen abzuliefern - und das im Humor- und Entertainmentbereich genauso wie in der Musik. Ich glaube, kritische Stimmen verstummen ganz schnell, wenn man einfach wieder etwas Gutes macht.

Ich hab ja eine Facebook-Seite, die ich selber betreue. Da sehe ich dann, was geschrieben wird und merke, dass ich da nicht mehr so empfindlich bin. Das war vor fünf oder sechs Jahren noch ganz anders. Da dachte ich noch: Oh Gott, die Fans laufen davon.

Es wirkt so, als seien Sie mit dem Fernsehen nie so richtig warm geworden, immer ein Stück weit ein Fremdkörper geblieben. War das für Sie ein Abenteuer, oder war das auch ein bisschen Pragmatismus, ein Weg zu finanzieller Unabhängigkeit und ein bisschen auch PR für Ihre Musik?

Ein bisschen, klar. Aber bei "Neo Paradise" und bei "Circus Halligalli" die verschiedenen Rollen zu spielen, den Erotik-Experten oder Schulzkowski, das hat mir wahnsinnigen Spaß gemacht. Und es fällt mir relativ leicht. Als Kind war es immer mein Traum, zum Fernsehen zu gehen, eine eigene Sendung zu haben. Ich bin aufgewachsen mit Fernsehen in den 80ern. Die Großen von damals finde ich heute immer noch toll – Hape Kerkeling und Harald Schmidt. Das war die Zeit, als Fernsehen noch richtig groß war. Und dann bekam ich irgendwann eine Talksendung im NDR, die aber mal so richtig gescheitert ist.

"Ich war mir gar nicht mehr sicher, ob ich bei 'Circus Halligalli'  überhaupt mitmachen wollte."

Es gab nur eine Folge, Bela B.  war Ihr Gast.

Es gibt zwei Folgen, aber eine wurde aber nie ausgestrahlt. Da habe ich gemerkt, dass Fernsehen ganz schön anstrengend ist, das war ernüchternd. Mit Anfang 20 denkt man vielleicht noch: Yeah, geil, meine eigene Fernsehsendung. Aber wenn du mit 35 so eine Sendung bekommst, dann fängst du an, das anders zu reflektieren. Ich war mir gar nicht mehr sicher, ob ich bei "Circus Halligalli"  überhaupt mitmachen wollte. Eigentlich hatte ich schon nach den anderthalb Jahren bei "Neo Paradise" gedacht, das war’s für mich. Aber da gab es nicht so viel Geld. (lacht) Und dann hat ProSieben mir eine gute Möglichkeit geboten. Ich dachte mir, nun habe ich bei "Neo Paradise" so eine gute Aufbauarbeit geleistet, da mach ich noch mindestens eine Runde mit und warte mal ab wie das weiter läuft. Also habe ich die erste Staffel mitgemacht und noch ein paar Ideen für die Sendungen angeliefert. Ich bin mit den Leuten ja auch immer noch gut befreundet. Aber es war irgendwann klar: Das sind die Fernsehleute, und ich bin da irgendwie nur reingerutscht. Und dann bekam ich auch noch meine eigene Fernsehsendung, konnte um die Welt fliegen und dafür Geld bekommen. Wer sagt da schon Nein?

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