Wilsberg © ZDF/Bernd Spauke
DWDL.de-Interview mit Leonard Lansink und Martin R. Neumann

"Wilsberg"-Star Leonard Lansink: "Ich hasse Serien"

 

Mit "Tod im Supermarkt" feiern Hauptdarsteller Leonard Lansink und ZDF-Redakteur Martin R. Neumann heute Abend die 50. Folge ihrer Krimireihe "Wilsberg". Wie es mit dem Antihelden aus der Provinz weitergeht und was sie davon halten, Lead-in für Pastewka zu sein...

von Torsten Zarges
02.01.2016 - 08:09 Uhr

Herr Lansink, Sie haben mal gesagt, dass Sie 50 "Wilsberg"-Folgen schaffen wollen. Ist nun also bald Schluss oder peilen Sie ab sofort die 100er Marke an?

Leonard Lansink: 100 wäre vielleicht etwas vermessen, aber 75 sollten wir hinkriegen.

Martin R. Neumann: Sehe ich genauso.

Womit erklären Sie sich die Langlebigkeit dieses Formats?

Lansink: Wir sind im Laufe der Jahre zu einer Familie zusammengewachsen, und diese Konstellation ist sehr belastbar. Man kann damit fast jede Geschichte der Welt erzählen, zur Not auch "Faust" oder "Hamlet".



Heißt das, dass innerhalb des Formats "Wilsberg" heute mehr möglich ist als beim Start vor 20 Jahren?

Lansink: Am Anfang waren wir – dem Alter entsprechend – die jungen Wilden. Da haben wir alles ausprobiert, was man sich so unter einem Privatdetektiv vorstellt – mit Revolver in der Kaffeedose und Zigarillo im Mundwinkel. Inzwischen sind wir ein bisschen ruhiger und gesetzter geworden, aber dafür sind die Geschichten krimihafter und haben einen stärkeren Plot.

Neumann: Vor 20 Jahren waren im ZDF-Krimi vorwiegend Frauen angesagt – von "Bella Block" bis "Rosa Roth". Als gebürtiger Westfale bin ich von Natur aus renitent und mache meist das Gegenteil von dem, was man erwartet. Also habe ich damals die Romanfigur Wilsberg aus den Münster-Krimis von Jürgen Kehrer vorgeschlagen. Ein männlicher Privatdetektiv – dazu noch ein leicht schusseliger – war einfach ein schöner Gegenpol zu all den starken Kommissarinnen. Diese Renitenz haben wir uns bis heute bewahrt und entwickeln das Format immer weiter.

"Wilsberg" war gleich in doppelter Hinsicht Trendsetter – als einer der ersten Regionalkrimis und als Krimi mit starkem komödiantischem Anteil. Heute hat fast jede Region Deutschlands ihren eigenen TV-Krimi, und eine Invasion der Schmunzelkrimis gab es auch. Haben ARD und ZDF es da nicht etwas übertrieben?

Neumann: Bis zu einem gewissen Grad finde ich es verständlich, dass man erfolgreiche Muster so lange bedient, wie es eben geht. Nur muss man dabei immer aufpassen, wann es Zeit für einen neuen Trend ist. Mittlerweile sind beide Aspekte, die Sie genannt haben, kein Trend mehr, sondern ausgetretene Pfade. Bei "Wilsberg" wollen wir unsere Mischung in den nächsten Jahren immer noch weiter perfektionieren, vor allem das Aberwitzige und die Spannung noch stärker aufeinander prallen lassen. Was wir nicht wollen, ist, das Kriminelle so vorabendmäßig wegzulächeln.

Wie stellen Sie diesen Qualitätsanspruch und auch die spezielle "Wilsberg"-Tonalität bei ständig wechselnden Autoren und Regisseuren sicher?

Neumann: Das passiert in der großartigen Teamarbeit zwischen Warner Bros. als Produktionsfirma, uns als Redaktion und den jeweiligen Kreativen. Jeder Autor hat seine Stärken und Besonderheiten. Der eine schreibt etwas witziger, der andere etwas spannungsgeladener. Manchmal muss man dann eben zusätzliche Facetten herauskitzeln. Vom ZDF bekommen wir da weitgehende Freiheiten.

Lansink: Die wissen, was sie an uns haben. Wir haben ja immerhin ZDFneo mit angeschoben. Mit unseren Vorab-Premieren hatte ZDFneo seine ersten messbaren Quoten. (lacht)

Um noch einen weiteren Trend zu nennen: Für den internationalen Serienhype der letzten Jahre hatten Antihelden von Walter White bis Don Draper einen enormen Stellenwert. War Wilsberg so etwas wie ein früher deutscher Antiheld?

Neumann: Unbedingt – auch wenn wir nie so weit gegangen sind, Wilsberg Drogen anbauen zu lassen. Die Frage, wie wir ihn so richtig schön in die Grütze reiten können, steht für uns stets im Zentrum der kreativen Überlegungen. (lacht)

Lansink: Die Empathie mit einem gebrochenen Helden ist einfach viel größer. Mit einem James Bond oder Batman muss ich als Zuschauer nicht wirklich mitleiden.

Fühlt man sich denn ungerecht behandelt, wenn der Hype um moderne, horizontal erzählte Serien die Wertschätzung für eine etablierte Reihe von 90-Minütern manchmal etwas überstrahlt?

Neumann: Ich spüre kein Wertschätzungsdefizit. Natürlich müssen die Sender Platz schaffen für neue, innovative Erzählformen. Das ist aber von der Programmierung her keine leichte Aufgabe. Mit unserer "Wilsberg"-Jubiläumsfolge dürfen wir ja die Pace machen für "Morgen hör ich auf", die neue fünfteilige Krimiserie mit Bastian Pastewka, deren erste Folge direkt im Anschluss läuft. Das ist eine große Ehre.

"Eine gute Geschichte lässt sich
in 90 Minuten erzählen"

Leonard Lansink
 

Lansink: Falls die Programmverantwortlichen meine Meinung interessiert, würde ich immer sagen: Eine gute Geschichte lässt sich in 90 Minuten erzählen. Diese schöne Erzählkunst sollten wir uns nicht madig machen lassen. Ich hasse Serien und Mehrteiler. Ich hasse es, wenn mich jemand verpflichten will, jeden Mittwochabend einzuschalten – oder noch schlimmer: Mittwoch, Donnerstag, Freitag am Stück. Viele der gehypten US-Serien haben im Gegensatz zu uns ein ziemlich überschaubares Nischenpublikum, was nur dadurch funktioniert, dass sie weltweit verkauft werden und so ihre Nischen addieren können. Ohne angeben zu wollen: Das ist es mir schon lieber, mit "Wilsberg" viermal im Jahr sechs bis sieben Millionen Zuschauer auf einen Schlag zu erreichen – und dabei noch zweistellige Marktanteile bei den Jungen.

Herr Lansink, Herr Neumann, herzlichen Dank für das Gespräch.

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