Alexander Elbertzhagen © Kick Media
DWDL.de-Interview mit Alexander Elbertzhagen

"Früher ging es um Angriff, heute um Verteidigung"

 

Ein Gespräch über den Zustand der Fernsehbranche, das Künstlermanagement und den Journalismus: Alexander Elbertzhagen, Kölner Management-Mogul und Vorstand der Kick Media AG, spricht mit DWDL.de über dies - und eigene Fehler.

von Thomas Lückerath
15.08.2016 - 12:03 Uhr

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Herr Elbertzhagen, vor einigen Wochen ist Miriam Pielhau verstorben. Sie war bei ihnen unter Vertrag. Auch in solchen Fällen ist ein Management gefragt. Wie oft mussten Sie diesen Teil des Jobs schon übernehmen?

Zum Glück ganz selten. Es sind natürlich schon viele Wegbegleiter verstorben im Laufe der Zeit. Zum Beispiel die erste Musikband war Bernd Wippich, damals der Sänger von Randy Pie, die ich gemanagt habe. Und in diesem Jahr haben wir auch schon von Erika Berger Abschied nehmen müssen. Wir machen das dann aber stets im Sinne der Verstorbenen und Angehörigen.

Manchmal geht es bei PR darum laut zu sein. In solchen Fällen ist Taktgefühl wichtiger.

Und das Taktgefühl war im Fall von Miriam Pielhau auf beiden Seiten intakt. Dann kann man das auch so hinkriegen, dass das alles sehr ansprechend und ruhig über die Bühne gehen kann. Hier hat die Presse mitgespielt, aber das klappt nicht immer.

Ist die Zusammenarbeit zwischen PR und Presse besser oder schlechter geworden und was heißt für Sie eigentlich besser?

Um mal von den Todesfällen Abstand zu nehmen: Sie werden Informationen nie ganz verschließen können. Das ist heute noch unmöglicher als früher. In der größten Krise hilft es also nie zu mauern. Das ist unprofessionell. Ich habe immer daran geglaubt, dass es wirksamer ist auf einen Partner zu zugehen und offen zu sein. Wenn man sich abstimmt, wird das auch in 95 Prozent der Fälle eingehalten.

Wenn man Pressemitteilungen verschickt und die von Medien 1:1 übernommen werden - freut man sich dann über den eigenen Erfolg oder sorgt man sich um den Journalismus?

(überlegt) Das ist dann schon schwierig. Eine Qualitätszeitung, die Pressemitteilungen eins zu eins übernehmen, wäre grausam. Eine Pressemitteilung sollte eigentlich nur unterstützen. In der Regel sollte der Redakteur anrufen und sagen, dass es interessant scheint und fragen, ob es noch etwas Neues dazu gibt. Es ist nicht unser Ziel, dass die im Wortlaut abgedruckt werden. Gute PR bedeutet Austausch. eMails rausschicken kann im Prinzip auch meine Großmutter. Wenn es das allein wäre, wäre unser Beruf sehr traurig. Das trifft dann meinen Berufsethos. Man merkt schon, wo die richtigen Profis sind.

PR und Journalismus - nicht immer geht das zusammen. Welche Eigenschaft von Journalisten bringt Sie zur Weißglut?

Ich halte die Bedeutung von Journalismus hoch, Stichwort Pressefreiheit. Wie wichtig die für eine Demokratie ist, erleben wir gerade am Negativ-Beispiel Türkei. Was ich gar nicht mag? Unvorbereitete Journalisten. Wenn jemand anruft und will zum Beispiel ein Interview mit „Michaela Hunzinger“. Dann weiß man: Darauf braucht man gar nicht einzugehen. Das tut mir leid, auch wenn das ein Junior-Praktikant ist. Man darf schon erwarten, dass sich jemand vorbereitet. Recherche bedeutet nicht googeln und Wikipedia ausdrucken. Dann haben Journalisten ihren Job verfehlt, weil sie dafür nicht gebraucht werden.

Welche Eigenart tut der PR nicht gut? Ihre Zukunft kann Journalisten auch zur Weißglut bringen.

Wir machen ja zum einen Künstler-Management und zum anderen PR. Wenn wir über PR sprechen, dann sage ich: Es nützt überhaupt nichts, einem Journalisten zu sagen, dass er etwas doch bringen muss. Was für unseren Künstler oder unsere Künstlerin ganz wichtig ist, muss von anderen Seite aus betrachtet aber nicht genauso wichtig sein. Man sollte mit Verständnis seines Gegenübers arbeiten. Und unsere Kunden bzw. Künstler müssen lernen, dass PR sich manchmal der Nachrichtenlage fügen muss. An außerordentlichen Nachrichten-Tagen mag man zwar lange eine Kommunikation geplant haben, aber bevor man untergeht, sollte man verschieben. Ich bin aber immer noch erstaunt wie oft ohne diese Rücksicht agiert wird.

Sie betonten so ausdrücklich, dass bei Ihnen Künstler-Management und PR getrennt sind. Aber in den meisten Fällen fällt das doch zusammen.

In meinem Verständnis hat PR nichts mit Künstlermanagement zu tun. Die Kolleginnen und Kollegen, die bei Position Public Relations arbeiten, haben nichts mit dem Management von Pool Position zu tun. Ein Management berät den Künstler während der Vertragslaufzeit und muss das Beste für den Künstler rausholen. Ein guter Manager sagt häufiger auch mal Nein, wo die PR für eine Schlagzeile Ja sagen würde. Das ist manchmal schwer, aber wichtig. Management ist eine grundsätzliche Verantwortung, PR eine temporäre Aufgabe. Bei einer neuen Sendung, einem neuen Buch oder einer neuen CD - da macht man dann PR. Aber das ist zweierlei Handwerk.

Sagt sich das einfach, wenn man sich über all die Jahre so ein großes Imperium aufgebaut hat?

Wir arbeiten so weil wir es für richtig halten. Wir haben einmal jeden Morgen um viertel nach neun ein Meeting, in dem sich die Geschäftsführungen und Abteilungsleiter treffen und die Lage besprechen - inklusive dem Blick auf die Quoten. Dabei vermeiden wir möglichst auch zu sagen, dass wir in der Randgruppe der 47-jährigen Cabrio-Fahrer gewonnen haben. Das bringt ja nichts, dieser Zielgruppen-Quatsch.

Aber die Fernsehreichweite ist für Sie nach wie vor eine entscheidende Größe?

Nichts schlägt das Fernsehen. Dieses Gerede ist Unsinn. Die Reichweiten sind Tag für Tag enorm. Bei großen Fußball-Wettbewerben wie der EM oder WM oder bei den Olympischen Spielen finden auch die jungen Zuschauer den Einschaltknopf und das in Massen. Es liegt nicht am Medium sondern an den Inhalten. Aber was oft unterschätzt wird ist der Hörfunk. Ein akustisches Medium ist sehr gut für viele Sachen und wichtig für die PR. Außerdem hören wir morgens alle Radio auf dem Weg zur Arbeit oder auf der Rückfahrt. Oder sogar tagsüber bei der Arbeit. Bei Print muss man unterscheiden, ob man eine spitze Zielgruppe erreichen will oder möglichst viele. „Das große Backen“ hat in der Männerzeitschrift nicht unbedingt was zu suchen. Da ist die Frauenzeitschrift das klassischere Umfeld.

Immer mehr Prominente sind selbst über Social Media mit der Öffentlichkeit in Kontakt. Macht das der PR das Leben schwer?

Wenn man jemanden managt, dann muss es eine partnerschaftliche Zusammenarbeit sein. Also spricht man auch miteinander, was über die Social Media-Kanäle gehen kann und was besser nicht. Es gibt ab und an Meinungsverschiedenheiten oder überspitzte Formulierungen. Das gehört dazu, denn sonst hätten die Medien ja nichts mehr zu schreiben (lacht). Wenn Jan Böhmermann, Niels Ruf oder früher auch Oliver Pocher twittern ist das schon meist gute Unterhaltung. Manchmal wäre man besser beraten, wenn man sich vorab nochmals berät. Aber das denke ich mir bei Politikern häufiger als bei unseren Partnern.

Aber will sich die Generation YouTube managen lassen? Liegt der Reiz und Erfolg dieser Künstler nicht gerade darin, es im Alleingang zu schaffen?

Also der Hype um YouTube geht ja gerade wieder ein wenig runter. Da war mal mehr Fantasie drin. Eigentlich schade. Aber um die Frage zu beantworten: YouTuber wollen sich ihrer meist jungen Zielgruppe gegenüber so präsentieren wie sie es möchten. Da brauchen sie Freiheit. Aber sobald mit dem Erfolg das Interesse der Werbewirtschaft kommt, brauchen sie Unterstützung in vertraglichen Dingen. Unsere Aufgabe wird nicht so schnell überflüssig. Verträge wird es immer geben.

Ist es fair zu sagen, dass Ihnen Ihr Job besonders viel Spaß macht, wenn es eine Krise zu meistern gilt?

Das macht dann richtig Spaß, das stimmt. Von einer Krise spreche ich dann, wenn es um rechtliche Probleme oder Ähnliches geht. Wenn eine Zeitung oder Zeitschrift strafrechtliche Behauptungen aufstellt, die weg müssen, dann ist das Krisen-PR-Management auch Spaß für mich. Denn dann muss man zeigen, was man kann.

Bringt die Zeit da Gelassenheit?

Da wird man mit der Zeit etwas gelassener. Wenn mich Künstler anrufen und ganz aufgeregt sind, weil irgendwo irgendwas steht, was sie so nie gesagt hätten. Oder Redaktionen rufen an und sagen, sie hätten einen Künstler im Echtpelz gesehen und einen Shitstorm gebe es auch schon. Oder DWDL schreibt über eine katastrophale Quote. Ich bin da heute nicht mehr so schnell in Panik aber man läuft in solchen Situationen immer noch zur Höchstform auf.

Ich kann mir kaum vorstellen, dass eine katastrophale Quote noch nervös machen kann.

Mich nicht. Sie sollen bei DWDL ruhig die Quote so einordnen wie sie es für richtig halten. Aber sie glauben gar nicht wie nervös bei den Protagonisten, Sendern und Produktionsfirmen ihr Urteil abgewartet wird. Und wie oft habe ich schon erlebt, dass bei einer guten Quote das Format  der Star und bei einer schlechten Quote plötzlich der Moderator oder die Moderatorin in den Fokus kommt. Da muss man dann agieren. Bei wichtigen Quoten sollte man also früh genug aufstehen. Ich persönlich telefoniere dann am liebsten mit den Künstlern, die wissen wollen was sie von den Zahlen zu halten haben. Einige wollen aber auch Whatsapp.

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