kabel-eins-Chef Marc Rasmus © ProSiebenSat.1
kabel-eins-Chef Marc Rasmus im Interview

"Es geht nicht nur darum, immer draufzuhauen"

von Alexander Krei
20.03.2017 - 08:00 Uhr

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Seit 25 Jahren ist kabel eins auf Sendung, seit einem Jahr unter der Leitung von Marc Rasmus. Im Gespräch mit DWDL.de spricht Rasmus über die Positionierung des Senders, seine Handschrift und dringend notwendige Veränderungen am Vorabend.

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Herr Rasmus, ich habe vorhin mal meine Mutter gefragt, was ihr zu kabel eins einfällt – da herrschte erst mal Stille und dann kam irgendwann noch Frank Rosin. Das beschreibt den Sender aktuell ganz gut, oder?

Schön, dass Ihre Mutter Frank Rosin genannt hat, er steht schließlich wie kein anderer für kabel eins. Denn Frank Rosin steht für Werte, für die auch kabel eins steht - Glaubwürdigkeit, Nahbarkeit und Bodenständigkeit. Davon abgesehen hören wir von Leuten, die wir nach kabel eins befragen, sehr oft, dass sie an "Die besten Filme aller Zeiten" denken. Eines unserer ältesten Labels, passt aber ebenfalls noch hervorragend. Aber zurück zu Gesichtern, es gibt ja auch neue: So haben wir in unseren drei Magazinen, "Abenteuer Leben täglich", "Abenteuer Leben am Sonntag" und "K1 Magazin", die Moderation komplett erneuert und eine neue Generation von sehr glaubwürdigen und bodenständigen Kollegen etabliert.

Wo steht kabel eins jetzt, 25 Jahre nach dem Sendestart und ein Jahr, nachdem Sie das Ruder übernommen haben?

kabel eins ist als Sender eine verlässliche Konstante und besitzt eine sehr hohe Bekanntheit, allein unser Logo hat ungestützt eine Bekanntheit von 95 Prozent. Das Thema Kult und alte Filme hat bei kabel eins immer eine Rolle gespielt und tut dies nach wie vor. Im Eigenproduktionsbereich sind wir seit dem letzten Jahr noch stärker fokussiert. Zum jetzigen Zeitpunkt setzten wir verstärkt auf Factual, auch, wenn wir mit Entertainment-Formaten wie beispielsweise mit dem "Quiz Taxi" oder "The Biggest Loser" schöne Erfolge hatten. Gerade jetzt, wo es so viele kleine Sender gibt, fokussieren wir uns im Eigenproduktions-Bereich auf unsere Kernstärke – und das ist eben das Glaubhafte, Authentische, Alltägliche. Wir machen keinen Fernseh-Quatsch – das hat vor kurzem ein Zuschauer über uns gesagt. Was wir machen, soll zwar unterhaltsam sein, aber eben auch Hand und Fuß haben, also aus dem echten Leben kommen. Darauf achten wir sehr stark.

Wo erkenne ich nach einem Jahr explizit Ihre Handschrift?

Die Vorläufe im Fernsehen sind lang, daher braucht es Zeit, bis sich Handschriften erkennen lassen. Allerdings haben wir schon im vorigen Jahr damit begonnen, die Marke neu auszurichten. Das klingt immer klischeehaft, aber mir war wichtig, dass alle, die bei und für kabel eins arbeiten, genau wissen, was der Sender will – und das geht eben am besten über ein klar definiertes Markenmodell.

Wie genau sieht dieses Modell aus?

Es gibt vier Begriffe, die für die Arbeit bei kabel eins in allen Belangen relevant sind: Nähe, Substanz, Klartext und Kante. Das mündet in einen Markenkern, der so einfach wie trivial ist: Profis am Werk. Und genau daran richten wir alles aus. Wir versprechen den Zuschauern daher, dass sie bei uns Menschen zu sehen bekommen, die hundertprozentig wissen, wovon sie sprechen, denen Sein viel wichtiger ist als Schein. Im nächsten Schritt fangen wir an, die Programme daran auszurichten. In den bestehenden Marken haben wir das schon schnell umgesetzt, wie man etwa bei "Rosins Restaurants" sieht oder auch bei Tamme Hanken sah, dessen plötzlicher Tod uns alle sehr traurig gemacht hat. Man erkennt das auch bei Peter Giesel, dessen Format "Achtung Abzocke" wir im vorigen Jahr in eine noch griffigere und alltagsnähere Position gebracht haben, was glücklicherweise mit Marktanteilen von bis zu acht Prozent in der Primetime belohnt wurde.

Im Februar lag kabel eins bei 4,8 Prozent – das ist vermutlich nicht das Quoten-Niveau, auf dem Sie Ihren Sender sehen. Welche Flughöhe soll der Sender mittelfristig erreichen?

Ich strebe mit kabel eins schon klar eine 5,X Prozent an. Im Januar waren wir etwas stärker als im vorigen Jahr, im Februar etwas schwächer. Aber wir sind auf einem guten Weg. Mit unserer neuen Access-Primetime, die wir in diesem Monat starten, werden wir auf Dauer sicher wieder in diesen Bereich vorstoßen.

"Jetzt ist die Zeit für frischen Wind."
Marc Rasmus über den neuen Vorabend bei kabel eins

Das Hauptaugenmerk liegt also zunächst auf dem Vorabend?

Auf jeden Fall. Die Access-Primetime ist eine extrem wichtige Zeitschiene, in der wir mit "Mein Lokal, Dein Lokal" und "Achtung Kontrolle" zuletzt auf zwei Formate setzten, die schon einige Jahre auf dem Buckel haben. Bei "Mein Lokal, Dein Lokal" stellen wir eine gewisse inhaltliche Müdigkeit fest, "Achtung Kontrolle" kann mit seinem Anspruch, echt und wahrhaftig zu sein, nach fast zehn Jahren in einem Markt mit vielen anderen Polizei-Formaten gerade nicht mehr so recht mithalten. Deswegen ist jetzt die Zeit für frischen Wind! Wir gehen einen sehr großen Schritt und bringen ab diesem Montag gleich zwei Formate an den Start. Das ist ein revolutionärer Schritt für uns, aber wir sind guten Mutes.

Worum geht es?

Um 18 Uhr haben wir ein schönes Format mit dem Titel "Schätze unterm Hammer – Ein Auktionator schlägt zu". Wir sind überzeugt, dass das Thema Trödel in Kombination mit Auktion ein sehr passendes für kabel eins ist. Neben dem stimmigen Format geht es uns hier aber in erster Linie um den Profi – wer erzählt uns diese Geschichte? Mit Johannes Wallow haben wir einen Vollblut-Auktionator aus Ostfriesland gefunden...

... da kommen offenbar einige Typen her.

Wir haben aber kein Casting-Büro in Ostfriesland. (lacht) Wallow ist seit Jahrzehnten Auktionator mit Herz und Seele. In Ostfriesland und im Norden ist er Kult und wird aus diesem Grund in ganz Deutschland zu Show-Auktionen geholt. Der weiß, was er tut, und ist noch dazu extrem unterhaltsam. Mit ihm stellen wir einen Profi in die Mitte eines Formats und laden die Zuschauer ein, das mitzubringen, was sie zu Hause haben. Bei einer Auktion schwingt freilich immer ein gewisses Risiko mit. Gleichzeitig besteht die Chance, durch die Emotionalisierung einen größeren Gewinn zu machen.

Sie haben in letzter Zeit offenbar häufig den ZDF-Nachmittag geschaut...

Natürlich schauen wir uns alles an, das ist ja auch Teil unseres Job, die TV-Landschaft zu gut zu kennen. Aber das war nicht unsere Inspiration für "Schätze unterm Hammer". Uns geht es um Auktionen – und diesen Aspekt gibt es im deutschen Fernsehen bislang nicht. Ich erinnere mich an ein Auktionshaus am Viktualienmarkt, bei dem Lautsprecher nach draußen vermittelten, was drinnen passierte. Als ich frisch in München war, wollte ich kurz mit meinen Eltern mal reinschauen - am Ende saßen wir drei Stunden drin, weil es so unglaublich spannend war. Unser Format setzt auf genau diese Kraft. Dass wir zuvor noch die Stufe einbauen, dass Händler einen Preis aufrufen können, ist letztlich der Natur des Verkaufsprozesses geschuldet, aber nicht irgendwelchen anderen Formaten.

Und danach kommt Peter Giesel zum Zug...

Wir haben uns sehr genau angeschaut, wie wir die Kraft von "Achtung Kontrolle" weitertreiben und modernisieren können. Es gibt derzeit in der Gesellschaft ein großes Bedürfnis über Sicherheitsthemen zu sprechen. Genau das wollen wir tun, aber ohne dabei Angst zu machen. Sondern zeigen, was Menschen tun können, um ihr Leben sicherer zu machen, aber auch, was bei uns in Deutschland täglich schon geleistet wird, damit es sicher ist. Es ist also eine Mischung aus Service-Magazin und Info. Gleichzeitig wollen wir Peter Giesel, den unsere Zuschauer bereits von "Achtung Abzocke" kennen, weiter als Sendergesicht aufbauen. Er besticht vor allem durch eine hohe Glaubwürdigkeit und seine unglaubliche Professionalität.

"Achtung Abzocke" wird also weitergehen?

Ja, wir setzen das Format fort, bauen es thematisch aber noch weiter aus. Wir nehmen auch weiterhin die Urlaubsreisen kritisch unter die Lupe, gehen aber noch einen Schritt weiter, indem Peter Giesel noch in diesem Jahr in Deutschland unterwegs sein wird, um sich dem deutschen Handwerk anzunehmen. Dabei wollen wir uns nicht nur auf die Abzocke konzentrieren, sondern auch zeigen, wo ehrlich gearbeitet wird. Es geht ja nicht nur darum, immer draufzuhauen.

Bei Frank Rosin haben Sie in letzter Zeit mit unterschiedlichen Formaten experimentiert - am Ende hieß die Sendung aber doch immer "Rosins Restaurants", auch wenn's in Wirklichkeit um Kantinen ging. Was steckt dahinter?

Damit wollen wir Klarheit schaffen. Frank Rosin an sich ist eine Marke, und wenn die Leute eine Sendung mit Frank Rosin schauen, dann ist es vielleicht egal, wie sie heißt - sie schauen "den Rosin". Egal, ob er in einem Restaurant, in einer Kantine oder im Ausland ist - am Ende ist alles seine Mission, die seine Handschrift trägt. Die Marke "Rosins Restaurants" funktioniert also als Plattform für alle Rettungsmissionen, die Frank Rosin anstrebt.

Ein bisschen mehr Abwechslung kann da nicht schaden, weil jede Folge ja doch nach ähnlichem Muster gestrickt ist...

Die Struktur ist zwar redundant, aber das ist sie bei vielen Erfolgsformaten. Wir werden auch weiterhin Testessen machen, wenn es Frank für richtig und nötig hält. Die Methodik, wie er sich den Problemen nähert – mit einem Testessen, einem Überraschungs-Moment oder einem Dreh mit versteckter Kamera – bleibt allein ihm überlassen. Damit bringen wir Abwechslung in das Format. Gleichzeitig arbeiten wir aber mit Hochdruck an einem ganz neuen Rosin-Format, das wir zum Ende des Jahres auf Sendung bringen wollen.

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