Eckart von Hirschhausen © WDR/Melanie Grande
Eckart von Hirschhausen im Gespräch

"Ich bin froh, dass ich eine Art Spätberufener bin"

 

Die TV-Bühne betrat Eckart von Hirschhausen recht spät, dafür aber umso erfolgreicher. Jetzt macht er mit dem "Check-up" im Ersten seine bislang persönlichste Sendung. Mit DWDL.de sprach der Moderator und Mediziner über das Format, seinen Werdegang und Quoten-Druck.

von Alexander Krei
12.06.2017 - 08:00 Uhr

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Herr von Hirschhausen, in Ihrer neuen ARD-Sendung befassen Sie sich mit dem Beginn, der Mitte und dem Ende des Lebens. Was ist das Neue an "Hirschhausens Check-up"?

Diese Reportagen sind das persönlichste, was ich bislang im Fernsehen gezeigt habe. Für mich war es selbst ein großes Experiment, weil ich ohne Drehbuch an die Orte gegangen bin – nicht als Moderator, Komiker oder Wissender, sondern als Fragender, privat und leise. Ich freue mich, dass wir das jetzt auf einem derart prominenten Sendeplatz am Montag um 20.15 Uhr zeigen können. Ich wollte dokumentieren, wie Leben gelingen kann unter schwierigen Bedingungen, was es für großartige Menschen im Gesundheitswesen gibt, was Patienten konkret erleben in Grenzsituationen. Ungeschminkt,  mitfühlend und auf Augenhöhe. Auf diese Weise sind jetzt drei Filme entstanden: im Altenheim, auf einer psychiatrischen Station und einer Intensivstation für Frühgeborene.

Welcher Moment bei den Dreharbeiten bleibt Ihnen in besonderer Erinnerung?

Sehr viele! Es war unglaublich dicht, viel mehr als in die 45 Minuten passen. In einer meiner Lieblingsszenen geben wir mit dem Projekt "Music and Memory" dementiell Erkrankten die Musik ihrer Jugend mit Kopfhörern auf die Ohren. Was dabei passiert, möchte ich noch nicht verraten. Das Schönste: Schon vor der Ausstrahlung hat unser Format etwas bewegen können. In der Diakonie in Düsseldorf kam das Musik-Projekt so gut an, dass sie nun das erste Altenheim in ganz Deutschland sind, die ihre Patienten zertifiziert weiter nach dieser Methode behandeln. Und es gibt die erste wissenschaftliche Studie darüber, an der ich beteiligt bin. Ein schönes Beispiel dafür, das Fernsehen relevant sein kann, Ideen in beide Richtungen Früchte tragen. Die politischen Fragen, wie wir gesellschaftlich dafür sorgen müssen, Pflegekräfte pfleglicher zu behandeln, darf ich dann im Anschluss bei "Hart aber fair" vertiefen.

Hirschhausens Check-up
© WDR/Bilderfest

Die engste Verbindung hatten Sie aber vermutlich auf der Kinderstation, da Sie dort ja selbst vor vielen Jahren eigene Erfahrungen gesammelt haben, oder?

Das war tatsächlich wie ein Zeitsprung. Die heutige Stationsleiterin kannte mich noch als Jungspund und der Chef war damals mein Oberarzt. Für mich war es schön zu sehen, wie viel menschlicher die Medizin dort seither geworden ist. Man kann sich das kaum vorstellen, aber es nicht noch nicht so lange her, da gab es strenge Besuchszeiten für die Eltern. Oder sie durften gar nicht auf Station zu ihren Kindern. Da greift man sich heute an den Kopf. Wir zeigen, wie die Eltern eingebunden werden ins Team, ihre winzigen Kinder berühren und beruhigen lernen, denn dann haben sie die besten Chancen. Und ich treffe ehemalige frühgeborene Zwillinge. Sie sind heute zu fitten vierjährigen Mädchen herangewachsen, was zeigt, welche "Wunder" da jeden Tag hinter verschlossenen Türen passieren.

Sie selbst setzen in vielen Ihrer Sendungen auf Humor. Wann vergeht Ihnen das Lachen?

Wenn ich erlebe, wie ein ganzer stolzer Berufsstand wie die Pflege, kaputtgemacht und ausgepresst wird, weil sich da am einfachsten Geld sparen lässt. Meine Filme sind voller Wertschätzung für alle nicht-ärztliche Kunst. Viele Berufsgruppen tragen zur Heilung bei, an Leib und Seele. Ich erinnere mich an das Gespräch mit einer Hebamme, die mir erzählte, dass es früher normal war, Kinder, die nicht überleben konnten, einfach zu entsorgen. Aus den Augen, aus dem Sinn. Heute wird in der Charité Pionierarbeit geleistet, wenn es darum geht, Eltern zu begleiten, deren Kind nicht lebensfähig ist. Denn nur wenn man eine Bindung aufgebaut hat, kann Trauer auch durchlebt und verarbeitet werden. Wir zeigen das nicht im Bild, erwähnen aber, dass nicht immer alles gut gehen kann und es Teil des Lebens ist, sich damit auseinanderzusetzen. Wir verstecken auch nicht, dass es Situationen und Gespräche gibt, die mir sehr nahegehen. Damit "Hirschhausens Check-up" nicht zu ernst wird, gibt es Außenreporter, Experimente und Wissensinseln.

Ist Ihnen während des Drehs eigentlich der Gedanke gekommen, noch einmal in Ihren ursprünglichen Beruf zurückzukehren?

Es hat mich schon gekitzelt und ich habe mit Freude festgestellt, dass mir viele Dinge immer noch vertraut und nahe sind. Sowohl bei den Kindern als auch bei den psychisch Kranken und Alten. Ich glaube, man merkt, dass ich nicht wie ein rasender Reporter da reinplatze, sondern versuche, Teil des Ganzen zu werden. Im Grunde meines Herzens bin ich immer Arzt geblieben, habe aber erkannt, dass ich mehr ausrichte, wenn ich als Wissenschaftsjournalist und Kabarettist gesundes Wissen verbreite, weil wir in Deutschland ein riesiges Problem mit Gesundheitskompetenz haben.

Was meinen Sie damit?

Es fehlt vielen Menschen Grundwissen darüber, wie ihr Körper funktioniert, wie sie ticken und was man tun kann, um nicht auszuticken. Wer kennt denn den Unterschied zwischen einem Psychiater, Psychotherapeuten oder Psychologen? Wer weiß, wie ein Beipackzettel zu verstehen ist oder und wie man im Internet recherchiert, ob eine Behandlung notwendig ist oder nicht? Daran möchte ich etwas ändern, denn selbst einfache aber wichtige Dinge, die man medial vermitteln kann, haben einen großen Hebel für die Gesundheit von vielen und retten Leben!

Zum Beispiel?

Wir haben bei "Hirschhausens Quiz des Menschen" erklärt, dass sich die Regeln zur Wiederbelebung sehr vereinfacht haben: auf das Pusten verzichten und einfach 100 Mal pro Minute auf den Brustkorb drücken. Das kann jeder. Ab der siebten Klasse sollte das in jeder Schule einmal im Jahr unterrichtet werden, dann wüsste es auch bald jeder. Fünf Zuschauer haben mir geschrieben, dass sie sich durch meine Sendung  getraut haben, jemanden zu reanimieren – erfolgreich! Mehrere Menschen in Deutschland verdanken unserer "Unterhaltungssendung" also ihr Leben. Da frage ich mich, wieso wir so unendlich viele Krimis senden, in denen gezeigt wird, wie Menschen umgebracht werden, anstatt ab und an auch den Zuschauern zu zeigen, wie man das Gegenteil praktiziert. Dafür sind Rundfunkbeiträge da, dafür gibt es werbefreies Fernsehen. Das ist der Auftrag, dem ich mich verpflichtet fühle.

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