Florian Fritsche © Amazon
Florian Fritsche über die Bundesliga bei Amazon

"Das ist nicht Fernsehen für Arme, sondern Radio für Tolle"

 

Mit der Bundesliga hat Amazon weltweit erstmals in Live-Streaming und Live-Sport investiert. Verantwortet wird das neue Angebot von Florian Fritsche, der einst schon das Fußball-Radio 90elf aus der Taufe hob. Mit DWDL.de sprach er über die Pläne.

von Alexander Krei
27.07.2017 - 08:09 Uhr

Herr Fritsche, vor einem Jahr wollten Sie ursprünglich zurück zu Regiocast, doch dann rief Amazon. Was gab den Ausschlag für Ihre Entscheidung?

Mein Herz, denn das ist rund! Die Entscheidung fiel mir nicht ganz leicht, doch mit meiner Vorgeschichte bei 90elf ist das hier ein Traumjob. Als wir damals begonnen haben, war die Sache ja längst nicht so eindeutig wie heute. Wir sind zur DFL gelaufen und haben um das Übertragungsrecht gekämpft. Dem Geschäftsführer Christian Seifert habe ich zu dieser Zeit erklärt, dass es neben "alles Sehen" auch "alles Hören" geben muss. Nachdem 90elf später die Rechte verloren hat, die es ohne uns gar nicht gegeben hätte, habe ich den Gedanken aufgegeben, mich noch einmal mit dem Thema beschäftigen zu können. Es jetzt doch wieder anzupacken, ist ein für mich wunderbarer Zufall und eine Herausforderung zugleich. Eine bessere Motivation kann ich mir kaum vorstellen.

Wie hat sich der Markt seit dem Ende von 90elf entwickelt?

Die Audio-Rechte wechselten von einem regionalen Radiounternehmen zu einem nationalen Sport/TV-Anbieter. Die Kollegen haben das sicher gut gemacht, aber eine wirkliche Weiterentwicklung fand in meinen Augen nicht statt. Gleichzeitig hat sich jedoch der Markt verändert: Es sind immer mehr Angebote rund um die Bundesliga entstanden, was es den Fans nicht unbedingt leichter macht. Bei Amazon wollen wir das Audio-Angebot daher nun so einfach und natürlich wie nur möglich gestalten. Es gilt, das perfekte Nutzungserlebnis für Live-Fußball zum Hören zu erzeugen.

Dennoch fragt sich so mancher, was Amazon überhaupt mit Live-Sport will.

Diese Frage beantwortet Amazon seit Jahren immer wieder mit neuen Produkten und Services. Es ist tatsächlich das erste Mal, dass Amazon in Live-Streaming und in Live-Sport investiert. Weltweit. Das sauber hinzubekommen und zu etablieren, ist sicher eine große Herausforderung. Dass die Audio-Rechte jetzt bei einem internationalen Technologie-getriebenen Unternehmen liegen, macht für mich persönlich allerdings den Reiz aus. Wir haben eben nicht nur Nutzer sowie Inhalte und die nötige Technik, sondern auch Geräte und Features wie beispielsweise die Sprachsteuerung Alexa als Teil des Echo-Erlebnisses. Genau das gilt es jetzt alles miteinander zu verbinden. Und wenn man davon überzeugt ist, dass Audio als Nutzungsform eine Zukunft hat - und angesichts starker Zuwachsraten im Streaming-Bereich ist das ja ohne Zweifel so -, dann ist Live-Sport der nächste logische Schritt.

Das heißt, ich muss mit Alexa sprechen, wenn ich die Bundesliga hören will?

Natürlich können sie die Spiele über unsere Amazon Music-App - also über Smartphones, Tablets, FireTV oder den Desktop - abrufen, aber die Sprachsteuerung ist die innovativste und natürlichste Form, ein Spiel zu starten. Sie fragen, wie es steht, oder sagen, welches Spiel Sie hören wollen, und schon geht es los. All das ist getrieben von der Frage, wie sich Audionutzung vereinfachen und verbessern lässt. Hier haben wir im Bereich Musik schon viele Erfahrungen sammeln können, die uns jetzt beim Live-Sport helfen.

Sie hatten ein Jahr Zeit zur Entwicklung des Angebots. Worauf legen Sie künftig wert?

Wir haben versucht, unsere redaktionellen Erfahrungen und Leidenschaft für das beste Spiel der Welt mit dem zu verbinden, was Amazon am besten kann: zuerst an den Kunden denken. Die Frage war, wie ein modernes Sport-Streamingangebot eigentlich aussehen soll, das explizit keine Kopie von 90elf und Sport1.fm ist. Da ging es dann beispielsweise um Werbefreiheit und Auffindbarkeit - es wird daher keine zusätzliche App geben, sondern wir integrieren diesen Service in die Amazon Music-App, welche millionenfach im deutschen Markt verfügbar ist. Gleichzeitig möchten wir individuell auf die einzelnen Vereine der Fans eingehen. Letztlich interessiert mich als Fan doch vor allem das Spiel meiner Mannschaft. Daher bieten wir Einzelspiele und deren Konferenz fortan parallel mit zwei separaten Kommentatoren an. So gelingt uns für beide Angebotsformen der ideale Fokus. Zudem erhält jedes Spiel einen 15-minütigen Vor- und Nachbericht. Schließlich achten wir sehr auf die technische Stabilität und bieten letztlich den Fans eine digitale Dauerkarte. Alle Spiele in voller Länge an nur einem Ort.

Klingt so, als können Sie bei Amazon aus den Vollen schöpfen.

Alles, was wir tun, ist von dem Gedanken getrieben, wie wir das Nutzungserlebnis verbessern können. Ich habe 90elf damals mit einer sehr jungen Mannschaft gemacht. Vieles von dem, was wir erreicht haben, basierte auf Trial and Error. Getrieben von der Überzeugung und dem Thema Fußball selbst. Ganz sicher ein guter Weg, der heute noch durch die absolute Kundenfixierung und die Innovationskraft von Amazon ergänzt wird. In Sachen Anspruch und Qualität schöpfen wir dabei in der Tat aus den Vollen.

Dennoch setzen Sie auf alte Bekannte.

Es geht mir nicht darum, meine Bekannten bei Amazon unterzubringen. Vielmehr wollen wir einfach die besten Leute am Mikrofon haben. Das gelingt uns mit unseren Moderatoren Konni Winkler und Oliver Faßnacht, aber auch mit unserem Chef-Kommentator Marco Röhling und Experten wie Knut Kircher, Timo Hildebrand, Robin Dutt und vielen mehr. Hier werden wir immer mal wieder die Aufstellung ändern. Hinzu kommen zwei Live-Shows, die nach der Ausstrahlung zu Podcasts werden: Einerseits die Bundesliga-Zusammenfassungen in der "Zweierkette" mit Alex Schlüter und Benny Zander, andererseits mit der "Bolzplatz"-Show, die an Champions-League-Spieltagen immer dienstags gesendet wird. Darin wird über Fußball in all seinen Facetten gesprochen. Das kann gerne auch mal etwas bunter und breiter sein. Moderiert wird die Show von Alexander Fabian, unserem Chefredakteur, und Markus Herwig. Das ist ein klein wenig wie früher bei 90elf, aber auch die Jungs werden sich nicht kopieren, sondern weiterentwickeln.

"Die ARD-Radiokonferenz ist echtes Kulturgut in Deutschland, vor dem wir großen Respekt haben."
Florian Fritsche

Worin besteht die Faszination, Fußball zu hören?

Audio ist ein unglaublich flexibles Medium. Er begleitet Sie durch den Tag und sogar durch die ganze Welt. Hinzu kommt der inhaltliche Aspekt: Viele Menschen haben die Sorge, diese Faszination mit Bildern im Kopf zu beschreiben. Ich habe damit überhaupt keine Probleme, weil das nicht Fernsehen für Arme ist, sondern Radio für Tolle. Wir erzeugen Emotionen durch eine ganz andere Art und Weise. Wesentlich direkter und unmittelbarer. Unsere Kommentatoren müssen fortlaufend reden, damit die Hörer zu möglichst jedem Zeitpunkt eine Orientierung haben. Die Abfolgen zwischen Spannung und Entspannung sind viel intensiver erlebbar. Wenn Sie mal eine Bundesliga-Konferenz erlebt haben, in der sich die Kommentatoren gegenseitig überbieten, dann geht davon für jeden eine große Faszination aus.

Aber ist es nicht trotzdem toller, die Spiele auch sehen zu können?

Mir ist selbstverständlich bewusst, dass alle Fans, die ins Stadion gehen können oder aber ein Sky-Abo haben, nicht zwangsläufig von uns erreicht werden - aber das sind gar nicht so viele. Allen anderen wollen wir eine wunderbare Möglichkeit bieten, ihrer Mannschaft mit voller emotionaler Wucht zu folgen. Und eben absolut verlässlich – bei uns gibt’s alle relevanten Spiele der Saison.

Kommt Ihnen die klassische ARD-Radiokonferenz in die Quere? Die kann ich schließlich auch streamen.

Überhaupt nicht. Ich bin ja selbst mit der Konferenz groß geworden. Das ist echtes Kulturgut in Deutschland, vor dem wir großen Respekt haben. Unser Anspruch war es allerdings schon zu Zeiten von 90elf, diese Tradition weiterzuentwickeln. Damals haben wir das Format vom ARD-Staub befreit – das hat der ARD übrigens sehr gut getan. Nun wollen wir den nächsten Schritt gehen, beispielsweise durch eine fast neunstündige Live-Strecke am Samstag, die weit über das hinausgeht, was die Kollegen machen. Und wir haben da noch unsere Spielmacherin – Alexa.

Und vermutlich denken Sie auch daran, wie sich das Amazon-Angebot so schmackhaft gestalten lässt, damit die Kunden dort noch mehr Geld ausgeben.

Wir reichern Prime durch die Übertragung aller 617 Bundesliga-Spiele an und machen das Angebot dadurch noch ein Stück wertvoller.

Sind Sie bereits an weiteren Live-Rechten interessiert?

Mein Ziel ist vorerst der nächste Freitag - der Start der neuen Saison. In den folgenden 4 Wochen passiert mit 2. Bundesliga, Supercup, DFB-Pokal und Bundesliga dann mehr als genug. In dieser Zeit denken wir vor allem daran, ein gelungenes Angebot auf die Beine zu stellen, das unsere Hörer technisch und inhaltlich zufriedenstellt. Aber natürlich ist das erst der Anfang. Es ist lediglich Tag 1 und wir haben das Ziel, uns in den nächsten Monaten und Jahren weiter zu verbessern.

Herr Fritsche, vielen Dank für das Gespräch.

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