Bavaria Entertainment © Bavaria / Tilman Schenk
DWDL.de-Interview mit dem Bavaria Entertainment-Trio

"ARD/ZDF unterhaltsamer, die Privaten relevanter machen"

 

Was hat das neue Führungstrio der Bavaria Entertainment nach der Übernahme von wellenreiter.tv vor? Im DWDL.de-Interview geht es um einen Umzug, den Wettbewerb mit angelsächsichen Produktionsriesen, die hohe Personal-Fluktuation in der Branche und den Markenkern der Firma.

von Thomas Lückerath
30.08.2017 - 14:00 Uhr

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Herr Fuchs, offiziell sprechen Sie von einem Zusammenschluss. Nur um das nochmal zu klären: Bavaria Entertainment übernimmt wellenreiter.tv vollständig?

Oliver Fuchs: Ja, aber es ist ein Zusammenschluss auf Augenhöhe. Diese Botschaft ist mir auch gegenüber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von wellenreiter.tv sehr wichtig. Es verändert sich nichts grundlegend. Wir stärken uns gegenseitig.

Herr Merten, Herr Nasini, nach mehr als 20 Jahren in der Selbstständigkeit, jetzt der Verkauf. Warum jetzt?

Alessandro Nasini: Glücklicherweise mussten wir nicht aus der Not heraus in Verhandlungen treten, um unser Unternehmen zu sanieren. Das war eine selbstbestimmte Entscheidung, in die mehrere Aspekte reinspielten. Es gibt zum Beispiel eine persönliche und eine unternehmerische Entscheidung. Persönlich geht es darum, mit wem man sich eine zukünftige Zusammenarbeit vorstellen könnte. Wer in der Branche teilt unsere Lust darauf, Fernsehen zu machen? Wer will Impulse setzen und neue Formate ausprobieren?



Und unternehmerisch?

Alessandro Nasini: Nun, der deutsche Produktionsmarkt wird zunehmend geprägt von großen angelsächischen Medienkonzernen. So schön es als kleines Schnellboot auf dem Wasser auch war, sind immer mehr Tanker um uns herum unterwegs. Auf Dauer hätten wir da im großen Showgeschäft Schwierigkeiten bekommen. Als wir begonnen haben, große Primetime-Shows zu produzieren, mussten wir schon feststellen: Das kann ein Schnellboot alleine nicht leisten. Einen starken Partner zu haben, bei dem man andocken kann, ist von Vorteil.

Arne Merten: Wir waren immer stolz auf die Eigenständigkeit, sonst macht man so etwas ja nicht mehr als zwei Jahrzehnte lang. Aber man verfolgt die Entwicklungen in einem Markt mit immer größeren oft internationalen Wettbewerbern, so dass man natürlich Ausschau hält nach strategischen Partnern, um gemeinsames Wachstum zu realisieren. Wir geben unsere Eigenständigkeit auf, aber behalten unsere Identität.

Das klingt so frei von Zweifeln. Fällt es so einfach, sich von einer Marke zu trennen, die man selbst aufgebaut hat?

Alessandro Nasini: Sie wissen ja selbst wie es ist, wenn man ein eigenes Baby unternehmerisch großzieht. Aber natürlich hängt man an seinem Baby. Das geht einem schon nahe und ist keine Entscheidung, die man von heute auf morgen fällt. Man denkt lange darüber nach und kommt irgendwann zu der Erkenntnis, dass man mehr mitnimmt als man zurücklässt, und es sinnvoller ist, gemeinsam zu agieren.

Arne Merten: Mit der Bavaria Entertainment stehen uns Möglichkeiten offen, die wir bisher nicht hatten, und wir teilen einen gemeinsamen Weg: aus dem Öffentlich-Rechtlichen kommend, aber offen für die Privatsender. Das haben Bavaria Entertainment und wellenreiter.tv gemeinsam.



Herr Fuchs, dann die Frage an Sie: Warum wellenreiter.tv?

Oliver Fuchs: Zunächst mal sind Alessandro und Arne Persönlichkeiten, mit denen ich sehr gerne zusammenarbeite. Wir haben uns besser kennengelernt in meiner Zeit beim ZDF damals. Mir gefällt die Truppe. Die Bavaria Entertainment gibt es in der aktuellen Form jetzt rund zweieinhalb Jahre. Wir haben das Unternehmen neu aufgestellt und sind gewachsen, aber noch zu langsam. Wir kamen nicht schnell genug voran, um eine kritische Größe im Wettbewerb zu erreichen.

Die Bavaria Film ist jetzt aber nicht gerade ein Underdog im Produktionsgeschäft.

Oliver Fuchs: Der Konzern, also die in München beheimatete Bavaria Film, ist groß, aber die Bavaria Entertainment in Köln ist nur ein Teil davon. Wir tragen den gleichen Namen, aber agieren im Alltag weitgehend unabhängig und müssen gucken, wie wir vorankommen. Da bin ich sehr froh, dass wir trotz der größeren Strukturen sehr unternehmerisch agieren können. Und es gab den Wunsch unserer Mutter stärker zu wachsen.

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