Torsten Rossmann © WeltN24
DWDL.de-Interview zur Namensumstellung

N24-Chef Rossmann: "Es gibt keine Kompromisse"

 

Im Januar ändert N24 seinen Namen und heißt fortan WELT. Im Interview spricht Geschäftsführer Torsten Rossmann über die Vorbereitungen, die anstehende Kampagne sowie über Neues im Programm und Veränderungen am Studio. Und er erklärt, wieso N24 Doku seinen Namen behält.

von Timo Niemeier
22.09.2017 - 08:00 Uhr

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Herr Rossmann, am 18. Januar 2018 wird N24 umgetauft und heißt fortan WELT. Sie haben sich für die Namensumstellung einen Donnerstag ausgesucht, das wirkt etwas willkürlich. Was macht diesen Tag für die Namensumstellung perfekt?

Torsten Rossmann: Die Umstellung erfolgt im Januar, weil wir inzwischen sicher sind, dass unsere Zuschauer diesen Schritt akzeptieren werden. Wir wollen unsere Auftritte unter einer gemeinsamen, starken Marke bündeln und eine hohe Glaubwürdigkeit und Orientierung über alle Medien bieten. Die Namensänderung selbst ist dabei vor allem eine Marketingherausforderung. Deshalb richten wir uns beim konkreten Timing nach den Rahmenbedingungen für die bestmögliche Kommunikation. Wir planen eine Marketingkampagne auch mit Plakaten, und da sind wir auf sogenannte "Umhängetage" angewiesen. Zusätzlich bietet die lange Nachrichten-Live-Strecke wochentags wegen der vielen bekannten Designelemente maximale Wiedererkennbarkeit für den Zuschauer. Schöner Nebeneffekt: Das Datum 18.1.18 lässt sich leicht merken.

Die Namensänderung ist, trotz aller Vorbereitungen, eine gewaltige Kommunikationsaufgabe. Welche Dimension wird die Kampagne haben?

Zur Umstellung gibt es die mit Abstand größte Kampagne, die wir für den Sender jemals gemacht haben. Wir werden bundesweit präsent sein, erstmals in der Sendergeschichte übrigens auch auf Plakaten im Out-of-Home-Bereich. Wir entwickeln sie derzeit gemeinsam mit Jung von Matt Spree.


Man kann also davon ausgehen, dass es knallen wird und Sie sich nicht zurückhalten werden?

Ich gehe fest davon aus, dass man der Botschaft dieser Kampagne nicht entkommen kann (lacht). Eine Kampagne zum Namenswechsel muss auf den Punkt kommunizieren, die Umbenennung eines Senders ist ja nichts Alltägliches.

Das Senderdesign ist noch relativ neu. Inwieweit wird es hier zu Anpassungen kommen?

Unser Design ist jetzt genau ein Jahr on air. Beim Redesign haben wir den neuen Namen damals bereits mitgedacht. Deshalb bleibt im Wesentlichen alles, wie es ist. Zum einen finde ich es sehr gelungen, es ist modern und aus dem Digitalen für brillante Screens gedacht. Zum anderen wollen wir den Zuschauern auch signalisieren, dass es ihr vertrauter Sender ist, mit den bekannten Moderatoren, Programmfarben, einer gelernten Struktur und dem blau-orange geprägten Design.

Wird es im Zuge des neuen Namens auch zu Veränderungen im Studio kommen?

Das geschieht, immer vorbehaltlich der Nachrichtenlage, noch in diesem Jahr. Erste Anpassungen haben wir bereits mit dem neuen Senderdesign vorgenommen. Aktuell sind wir dabei, im laufenden Betrieb nachts und an den Wochenenden Vidiwall, Boden und Tisch neu zu gestalten. Im Unterschied zu den meisten Wettbewerbern senden wir aus einem realen Studio, dessen Atmosphäre eher an ein Loft erinnert, mitten aus der Redaktion. Ein moderner Arbeitsraum, in dem Journalisten Nachrichten präsentieren.

Die Marke N24 selbst stellt im TV-Markt einen Wert dar, von dem wir im Doku-Bereich mit dem Timeshift-Sender weiter profitieren können.

Und wie sieht es in diesem Zusammenhang mit N24 Doku aus? Wird daraus WELT Doku?

Nein. Zur besseren Orientierung und aus Gründen der Unterscheidbarkeit behält N24 Doku seinen Namen. Das stützt uns auch bei der Umbenennung des Hauptsenders.

Das überrascht mich etwas. Sie blasen zur großen Umbenennung und dann bleibt die Marke N24 doch erhalten?

N24 Doku ist ja noch ein sehr junger Sender. Wir halten es daher für sinnvoll, beim gewohnten und gerade erst gelernten Namen zu bleiben. Die Marke N24 selbst stellt im TV-Markt einen Wert dar, von dem wir im Doku-Bereich mit dem Timeshift-Sender weiter profitieren können. Aber in Stein gemeißelt ist der Name nicht: Wir werden uns das später noch einmal ganz nüchtern anschauen.

Sie haben eingangs bereits erwähnt, dass die Akzeptanz der Zuschauer für die Namensänderung da ist. Haben Sie keine Angst, dass es trotz der langen Vorbereitungszeit zu Verwirrungen unter den Zuschauern kommen wird?

Nein, das habe ich nicht. So eine große Veränderung ist nicht übers Knie zu brechen. Wir haben versucht, beide Unternehmen so harmonisch wie möglich zusammenzuführen, damit wir nichts verlieren und im besten Fall noch viel gewinnen. Das ist uns, das kann man, glaube ich, heute sagen, auch gelungen. Mit dem gemeinsamen digitalen Angebot performen wir deutlich besser als erwartet. Außerdem haben wir in regelmäßigen Abständen repräsentativ erhoben, wie unser Publikum auf die Namensänderung reagieren würde. Am Ende war das Ergebnis so, dass nur sechs Prozent der befragten Leute meinten, sie hätten bei einer Umbenennung Vorbehalte. Deshalb sind wir sicher, den Namen jetzt ändern zu können.

Wie wird WELT dann in den sozialen Netzwerken auftreten? Gibt es einen WELT-Account für TV und einen für die Webseite?

Schon heute verfolgen wir ja eine Mehrkanalstrategie und differenzieren dabei auch nach jeweiliger Social-Media-Plattform. Das wird so bleiben. Für die Sender sind die Social-Media-Kanäle nicht nur pure Informationsangebote, sondern auch für unser Dokuangebot eine wichtige Kommunikationsplattform.

Es war uns wichtig, dass wir eine Dachmarke schaffen – und die konnte nicht N24 sein.

Wie wehmütig sind Sie denn nun, dass zumindest beim Hauptsender die Marke N24 verschwindet? Sie waren ja von Anfang an dabei.

(lacht) Eine gute Frage (überlegt). Marken sind kein Selbstzweck, sie erfüllen eine Funktion. N24 hat über die letzten Jahre sehr viel geleistet und ist eine starke, sehr klare Marke geworden. Wir haben über die Markenfrage viel und zugegebenermaßen auch kontrovers diskutiert. Am Ende haben wir uns mit WELT für eine Marke entschieden, die schon begrifflich alles umfasst, was unsere Inhalte ausmacht. Es war uns wichtig, dass wir eine Dachmarke schaffen – und die konnte nicht N24 sein. Insofern freue ich mich, dass jetzt ein neues Kapitel beginnt, auch wenn ich N24 mit aus der Taufe gehoben habe und die Marke in meiner beruflichen Vita einen sehr großen Raum einnimmt. Dieses neue Kapitel heißt WELT.

Was steht denn noch alles Organisatorisches vor der Umbenennung an?

Alles muss geändert werden, das ist richtig viel Arbeit. Sie müssen vom Kugelschreiber bis zu den Mikroschonern, von den Außenwerbeflächen an unseren Gebäuden bis hin zu den Aufklebern an den Bürotüren alles ändern. Das ist natürlich sehr kleinteilig, aber zum Glück haben wir eine gute Marketingabteilung, die das generalstabsmäßig vorbereitet hat. Grundsätzlich ist das zwar etwas, das bei jeder Logoänderung gemacht werden muss. Nur kann es dann etwas schleichender passieren. Jetzt muss wirklich alles möglichst auf den Punkt erfolgen.

Kann man das überhaupt mit einem Schlag verändern? Ist es auszuschließen, dass zufällig noch jemand mit N24-Logo auf der Jacke oder dem Mikro vor der Kamera steht?

Das kann man nicht ausschließen. Wichtig ist nur, dass man den Kollegen dann anruft und ihm sagt, dass er das bitte ändern möge. Wir arbeiten hier nicht anders als jeder große Markenartikler. Bei der Marke und dem Branding gibt es keine Kompromisse.

Auf Seite 2 lesen Sie, was Torsten Rossmann zu Kritik am Sender sagt, welche neuen Programme es gibt und warum N24 keine neuen Formate zur Bundestagswahl gestartet hat.

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