Claude Schmit, Carsten Göttel © Super RTL
Interview mit Claude Schmit und Carsten Göttel

"Glücklicherweise wissen wir, wohin die Zuschauer gehen"

 

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Müssten Sie die Primetime bei Toggo Plus nicht stärken, indem Sie ab 20:15 Uhr von Ihrem Timeshift-Modell abweichen?

Schmit: Selbstverständlich können wir das Programm von Toggo Plus beliebig ausdehnen. Uns stehen sämtliche Optionen offen. Grundsätzlich besitzt die Primetime für Super RTL eine unverändert hohe Relevanz, immerhin erwirtschaften wir in dieser Zeitschiene 40 Prozent unseres Umsatzes. Es wäre also fahrlässig, darauf zu verzichten.

Das dürfte auch den Disney-Konzern freuen, der ja nicht nur Ihr Wettbewerber ist, sondern auch Ihr Gesellschafter und gerade im Begriff ist, einen Großteil von FOX zu kaufen. Inwiefern bekommt das auch Super RTL zu spüren?

Schmit: Derzeit gar nicht. Wir beziehen kein Programm von Disney. Von daher stellt sich die Frage momentan nicht. Ob sich das in Zukunft ändern wird, weiß ich nicht.

Sind Sie vier Jahre nach dem Free-TV-Start des Disney Channels gelassener geworden?

Schmit: Natürlich. Wenn man einen Weltkonzern wie Disney als Konkurrenten bekommt, dann darf man schon drei Mal schlucken. Die letzten Jahre haben allerdings gezeigt, dass die Ankündigungen alleine noch nicht viel zu bedeuten haben. Ich glaube auch nicht, dass sich an der Zweiklassengesellschaft mit dem Kika und uns an der Spitze sowie Disney und Nickelodeon im hinteren Bereich etwas ändern wird.

Göttel: Diese unerwartete Situation hat dazu beigetragen, uns darauf zu besinnen, wer wir sind. Wir haben ein neues Netzwerk aufgebaut und schauen jetzt ganz unabhängig vom Wettbewerb darauf, wie wir uns für die Zukunft positionieren können.

Zu Ihrem Netzwerk zählt Dreamworks. Wie hoch ist der Stellenwert?

Schmit: Dreamworks besitzt nach wie vor einen hohen Stellenwert, weil von dort immer wieder Serien kommen, die uns nach vorne bringen. Wir müssen jetzt allerdings abwarten, wie sich Dreamworks nach dem Kauf durch NBCU entwickeln wird.

"Unser Ziel sollte es sein, das Budget für Eigenproduktionen jährlich um 20 bis 25 Prozent zu erhöhen."
Claude Schmit, Geschäftsführer Super RTL

Ich frage auch deswegen, weil ich viele Dreamworks-Serien zunächst mit einigem Vorsprung bei Netflix sehen kann. Wer hält da eigentlich wem den Steigbügel?

Schmit: Am liebsten würde ich niemandem einen Steigbügel halten. Die Problematik kennen wir ja auch schon aus den klassischen Pay-TV-Zeiten. Das wird für die Zukunft natürlich eines der Themen sein, mit dem wir uns auseinandersetzen müssen.

Göttel: Das Problem mit Netflix ist, dass deren Produktionen im Kinderfernsehen etwas krawalliger sind. Das geht so weit, dass wir beispielsweise eine Serie wie "Trolljäger" für unsere Zuschauer redaktionell bearbeiten. Wir müssen also im Auge behalten, ob sich diese Spirale weiterdreht und zukünftige Serien auch weiterhin unseren Ansprüchen bzw. denen unserer kleinen Zuschauer genügen.

Wie wollen Sie darauf reagieren?

Schmit: Schon jetzt haben wir entschieden, den Anteil an Eigenproduktionen zu erhöhen, um verstärkt exklusive Inhalte auf dem Sender zu haben. Das werden wir dieses Jahr noch mehr machen als letztes Jahr und nächstes Jahr noch mehr machen als dieses Jahr. Unser Ziel sollte es sein, das Budget für Eigenproduktionen jährlich um 20 bis 25 Prozent zu erhöhen.

Göttel: Konkret werden wir mehr Folgen vom "Super Toy Club" sowie von "Wow! Die Entdeckerzone" und "Woozle Goozle" produzieren. In naher Zukunft möchten wir das Woozle-Universum weiter ausbauen und ins Netz überführen. Das ist ein wichtiger Baustein für unsere Wissensstrategie. Hinzu kommen vielversprechende Neustarts wie "Hotel Transsilvanien" oder "Trolls".

Das Vorschulprogramm spielt eher eine Nebenrolle?

Göttel: Der Vorschulmarkt rechnet sich im linearen Fernsehen nicht so unglaublich gut. Deswegen müssen wir schauen, ob es im Nebengeschäft etwas gibt, das die Serien für uns interessanter macht – beispielsweise Merchandising. Solche Serien sind rar gesät. Eine davon ist "Paw Patrol". Das Format haben wir von Viacom übernommen und erfreut uns mit einem durchschnittlichen Marktanteile von über 50 Prozent bei Drei- bis Fünfjährigen. Damit liegen wir im Vorschulbereich vor dem Kinderkanal, der dort bislang führend war. Viel Glück bringt uns hoffentlich demnächst das kleine Schweinchen "Peppa Pig", ein Format, das bisher in der "Sendung mit der Maus" lief.

Sie schielen auf Kika-Inhalte?

Göttel: Nicht grundsätzlich. Aber "Peppa Pig" ist international ein großer Merchandising-Erfolg und deshalb für uns so attraktiv. Wir werden nicht nur die TV-Ausstrahlung übernehmen, sondern das Thema als Lizenzagentur betreuen.

Was haben Sie sich für 2018 vorgenommen?

Schmit: Das Problem der sinkenden TV-Reichweiten haben wir ja bereits angesprochen – glücklicherweise wissen wir, wohin die Zuschauer gehen. Genau dort machen wir ihnen schon heute Angebote, werden das aber erheblich ausbauen. Dafür haben wir mit Boris Bolz als CDO und neues Mitglied der Geschäftsleitung einen ausgewiesenen Digitalexperten an Bord geholt. Wir haben schon einiges angestoßen. Geben Sie uns noch ein paar Monate, dann sollten wir ein weiteres Interview vereinbaren.

Herr Schmit, Herr Göttel, vielen Dank für das Gespräch.

Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Sport mag er am liebsten, wenn er in der Glotze läuft.

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