ProSieben – Daniel Rosemann © ProSiebenSat.1 TV Deutschland
DWDL.de-Interview mit Daniel Rosemann

Mehr frisches Programm: Was ProSieben-Chef Rosemann plant

 

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Am Donnerstagabend hat ProSieben „Germany’s next Topmodel“ und „The Voice“ - aber zwei Formate allein reichen noch nicht, um das ganze Jahr durch frisches Programm zu liefern…

Vor zwei Jahren hatten wir auf dem Sendeplatz noch einen hohen Anteil von US-Spielfilmen zwischen unseren großen Entertainment-Formaten. Aber der Donnerstag ist eben durch „Germany’s next Topmodel“ und „The Voice of Germany“ als Abend für großes Entertainment bei ProSieben gelernt. Also haben wir uns zum Ziel gesetzt, die Spielfilme an diesem Abend zu reduzieren: Mit „Global Gladiators“ haben wir schon einen Schritt in die Richtung gemacht und machen in der nächsten Saison genau dort weiter. Die „Global Gladiators“ kommen zurück, wir haben mit „Die Besten“ eine neue Rankingshow und haben uns die Rechte am internationalen Format „Masters of Dance“ gesichert. Und bevor Sie jetzt fragen „Wie, ProSieben will nochmal tanzen?“…



Das ist ja super. Sie stellen sich ja die Fragen schon selbst (lacht). Hätte ich in der Tat gefragt.

Sehen Sie, habe ich erwartet. (lacht) „Masters of Dance“ hebt sich von der Vielzahl der international gehandelten Tanzformate ab, weil es zunächst einmal kein Promi-Tanzen ist. Damit ist das Tanz-Niveau von Anfang an deutlich höher, weil wir Menschen suchen, die tanzen können - und nicht Menschen, die es lernen wollen. Es teilt die Erzählhaltung von „The Voice“ mit vier Mentoren, die sich ihre Teams bilden. Damit entfällt die klassische Jury und die Mechanik jeder Runde ist ein Battle zwischen unterschiedlichen Tanzstilen.

Geht „Germany‘s Next Topmodel“ unverändert in die neue Staffel? Es gab ja schon mal Spekulationen über Männermodels oder Curvy Models?

„Germany‘s next Topmodel“ verändert sich stetig und das nicht nur durch den Cast. Diese Veränderungen machen aus GNTM seit 14 Jahren einen der größten Erfolge im deutschen Fernsehen. Wir haben vor zwei Jahren zum Beispiel das Battle eingeführt. Solche Veränderungen ergeben sich immer bei den Überlegungen für die nächste Staffel und auch aktuell haben wir schon wieder neue Ideen für die nächste Staffel. Aber da lassen wir uns jetzt noch nicht in die Karten schauen. Nur so viel: Thomas Hayo macht eine GNTM-Pause.

Am Freitagabend setzte ProSieben bislang auf Hollywood. Bleibt es dabei?

Dieser Abend ist für unser Publikum und uns klar definiert. Genre: Spielfilm. Zuschaueransprache: männlich. Auswahl des Films: Helden und große Marken. Das ist klar positioniert und erfolgreich. Wir bieten damit zum Start in das Wochenende die ganz großen Geschichten. Es ist aus unserer Sicht die klügere Variante, sich am Freitagabend nicht ins Entertainment-Duell mit RTL und Sat.1 zu begeben und dafür lieber den Dienstagabend umzubauen.

Wie sieht es eigentlich mit der deutschsprachigen Fiktion aus. Bleibt „Jerks“ die einsame Ausnahme?

Das ist ein sehr wichtiger und spannender Punkt. Man sucht ja auch immer die spannenden Herausforderungen, die einen kitzeln und morgens aus dem Bett treiben, um mit Spaß zu arbeiten. Eine dieser Herausforderungen ist die deutsche Fiction bei ProSieben. Ja, wir wollen zurück ins Spiel und und wollen mehr. Bei den Comedyserien wird es nicht bei „Jerks“ bleiben. Die vielleicht noch größere Nachricht: ProSieben steigt wieder in die Filmproduktion ein. Unser erster TV-Movie wird die Verfilmung des Romans „9 Tage wach“ von Schauspieler Eric Stehfest, einem Bestseller des vergangenen Jahres. 50 Wochen in der „Spiegel“-Bestsellerliste und neun Wochen davon an der Spitze. Es ist die Geschichte eines jungen Mannes, der schon zwei Leben gelebt hat: Einmal in extremer Abhängigkeit von Drogen und dann der Befreiungsschlag mit der Bereitschaft alles hinter sich zu lassen. Ein starkes, kraftvolles Buch. Das wird nicht für die kommende Saison fertig, aber ist für den Herbst 2019 am Sonntagabend geplant. Damit fangen wir an, aber wir suchen nach weiteren Stoffen.

ProSieben Screening© DWDL.de


Über den Sonntag sprachen wir eingangs schon, bleibt also noch der Samstagabend übrig. Hier hält ProSieben an den großen Shows fest? Gibt es neue Shows?

Wir investieren in die große Samstagabendunterhaltung und arbeiten daran, dass wir mehr Abende mit frischen Shows haben und weniger Samstage, die wir mit Spielfilmen überbrücken. Von August bis Weihnachten wird dem so sein. Neben den Einzelshows werden wir in der kommenden Saison neue Shows seriell über mehrere Wochen zeigen. Dazu gehört „Timebattle - Kämpf um deine Zeit“, in dem mit Kopf und Körper kämpfende Kandidaten-Paare genau überlegen müssen, wie viel Zeit der eine für seine Aufgabe nutzt - und wann er die restliche Zeit lieber dem Partner/der Partnerin überlässt. Das wird Level für Level erzählt - also nicht ein Kandidaten-Paar bis zum Finale und dann das nächste, sondern jedes Level wird erst einmal von allen absolviert, dann geht es weiter bis am Ende des Abends ein Sieger-Duo feststeht. Das produziert UFA Show & Factual für uns. Und die zweite neue serielle Show ist „Alle gegen Einen“.

Ein Format aus den Banijay-Katalog, also von der neuen Banijay Productions Germany produziert?

Brainpool produziert. In dieser Live-Show, die in Dänemark und Finnland schon ein großer Erfolg war, geht es um große Experimente, wie es das deutsche Publikum noch in Wettform kennt. Der Twist ist aber: Ein Studiokandidat muss den Ausgang des spektakulären Experiments schätzen - und dabei näher dran liegen als die Zuschauer, die von Zuhause mitspielen. Dann geben Joko & Klaas weiter Vollgas mit „Beginner gegen Gewinner“, „Das Duell um die Welt“, „Beste Show der Welt“ und, neu, einer ProSieben-Weihnachtsshow mit den Beiden. Wir freuen uns erst einmal auf weitere drei Shows „Schlag den Henssler“ bis Jahresende. Und dann wollen wir noch an die Tradition der großen Live-Events anknüpfen, die so nur ProSieben kann: Im nächsten Winter kommen die „ProSieben Winter Games“ mit Sportarten, die für mich großes Kultpotential haben. Pistenrennen auf Schneemobilen oder aber im Kayak den Hang hinunter, das sind nur zwei Beispiele für das, was wir vorbereiten. Für den Event werden wir ein ganzes Dorf in Österreich bespielen.

Jetzt sind wir die Primetime-Programme durchgegangen. Wie sieht es im Tagesprogramm und Vorabend bei ProSieben aus? Andere Sender haben hier Baustellen ausgemacht. Bei ProSieben bleibt alles wie es ist?

Wenn ich mir die Leistungswerte am Nachmittag anschaue, dann sind wir nicht gezwungen hier etwas anzupacken. Alles was wir hier neu probieren würden, müsste höhere Marktanteile bringen als das bisherige Programm. Und diese Latte liegt ganz schön hoch. Natürlich arbeiten wir parallel an Formaten, die man in der Daytime bringen könnte, wenn das nötig wird. Wir wollen ja vorbereitet sein. Es läuft eine sehr große Pilotierungswelle für den Nachmittag. Aber für die kommende Saison steht die Frische des Programms zur Primetime im Mittelpunkt unserer Bemühungen. Über allem steht: Wir senken die Anzahl der Wiederholungen um 20:15 Uhr für unsere Zuschauer spürbar.

Herr Rosemann, herzlichen Dank für das Gespräch.

Über den Autor

Thomas Lückerath ist Gründer und Chefredakteur des Medienmagazins DWDL.de. Hatte schon viereckige Augen, bevor es Bingewatching gab. Liebt Serien, das Formatgeschäft und das internationale TV-Business. Ist mehr unterwegs als am Schreibtisch.

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