Iain Armitage © WITVD
DWDL.de-Interview mit Iain Armitage

"Disketten? Was ist das?": Iain Armitage über "Young Sheldon"

 

Schon in der HBO-Serie "Big Little Lies" war er dabei, aber in "Young Sheldon" ist er der Star: Iain Armitage. Wir haben den bemerkenswerten 10-Jährigen getroffen und über die Serie, seine Theater-Kritiken auf YouTube sowie hässliche Kochbücher der 80er Jahre und andere ihm fremde Relikte gesprochen.

von Thomas Lückerath , Berlin
10.09.2018 - 16:53 Uhr

Iain, die Serie spielt in den späten 80er Jahren, also lange vor deiner Zeit. Was irritiert dich am meisten an dieser Zeit?

Alles (lacht). Die Geräte! Computer? Können wir über die Computer sprechen? Die waren ja größer als mein Zimmer zuhause. Es war witzig Sheldon zu spielen, der in einer Folge alles über die neuesten Computer weiß - und ich hatte keine Ahnung von was er spricht. Disketten? Was ist das? Aber es sind nicht nur die Geräte, auch die Farben und das generelle Design der Zeit. War damals denn alles orange, grün und gelb? In der Küche am Set liegt ein Kochbuch, original aus den 80er Jahren, und das hat ich sehr irritiert. Die Fotos vom Essen sind so unappetitlich. Ich weiß nicht ob das Buch eine Ausnahme war, aber es scheint mir als wenn man in den 80er Jahren noch nicht wusste, wie man essen appetitlich fotografiert. Heute läuft einem doch das Wasser im Mund zusammen, wenn man durch ein Kochbuch blättert.



Eine naheliegende Frage: Welche Gemeinsamkeiten gibt es zwischen Sheldon und Iain Armitage?

Nun, wir beide mögen keinen Sport, wir lieben Wissenschaft und Bücher. Man könnte eigentlich sagen: Sheldon mag alles, was ich mag - mit dem Unterschied, dass es bei ihm immer extrem ist.

Ein weiterer Unterschied: Dein großes Interesse am Theater - inklusive eigenem YouTube-Channel mit Theaterkritiken - würde Sheldon wohl eher nicht teilen, oder?

Nun, ich will nicht zu viel verraten aber früher oder später wird es bei „Young Sheldon“ auch ums Theater gehen. Sie denken Sie wissen schon alles über Sheldon? Irren Sie sich mal nicht! Aber ja, er ist nicht so leidenschaftlich wenn es ums Theater geht, wie ich. Macht ja nichts, darum kümmere ich mich dann (lacht).

Und das seit Jahren, meist schick mit Anzug und Fliege, mindestens so adrett in der Rolle des Sheldon. Wie kam es eigentlich zu dem YouTube-Kanal?

Nach dem allerersten Musical, das ich gesehen habe - „Hairspray“  - haben wir ein kleines Dankeschön für den Cast aufgenommen. Das war vielleicht 15 Sekunden lang. Einfach ein Lob: Wie toll die Show war, wie gut mir die Sets und die Kostüme gefallen haben. Wie wunderbar die Songs waren. Das war so spontan, im Hintergrund bellte mein Hund die ganze Zeit. Also nichts Aufwändiges erstmal. Es dauerte bis ich sechs Jahre alt war, bis ich anfing regelmäßig Theater-Kritiken zu machen. Das macht mir großen Spaß. Die Broadway-Community ist so herzlich. Ich liebe Theater!

Hättest Du Lust neben dem Fernsehen auch selbst auf der Theaterbühne zu stehen?

Das wär toll, aber ich bin mir noch nicht sicher, in welchem Theaterstück ich gerne dabei wäre. Ich habe aber sogar schon mal einen Workshop mitgemacht für ein Stück namens „Millions“. Und irgendwann klappt es bestimmt. Es sieht für mich nach viel Spaß aus.

Warum trägt Sheldon eigentlich so gerne Fliegen?

Das können letztlich die Autoren vielleicht besser beantworten als ich, aber ich würde vermuten aus dem gleichen Grund, aus dem ich privat auch gerne eine Fliege trage. Es lässt einen adrett und propper erscheinen. Ich mag es, schick zu sein. Und bezogen auf Sheldon passt einfach zu einer Figur, die so nach Perfektion strebt. Geht mir ja ähnlich, aber wie schon gesagt, weniger extrem als Sheldon.

Es gibt eine Szene in der Sheldon seiner Schwester verbietet, „Duck Tales“ zu schauen und umschalten will - mit der Begründung „Man sollte beim Fernsehen etwas lernen“. Was lernen wir denn bei „Young Sheldon“?

Was man von „Young Sheldon“ lernen kann? Eine ganze Menge schräge Fakten aus der Welt der Wissenschaft, die weder ich noch irgendjemand anderes am Set vorher wusste (lacht). Aber natürlich geht es darunter um einen Jungen, der durch eine schwierige Zeit geht und daraus aber auf seine Art das Beste macht. Wissen Sie, was ich an Sitcoms so sehr mag ist die Tatsache, dass Charaktere in dem Genre zwar auch ihre Schwierigkeiten haben, sie aber immer genretypisch überwindbar sind. Auf jedes Problem folgt der Gag, der es löst oder lindert.

Ian Armitage Thomas Lückerath
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„Young Sheldon“ begann wie fast jede Sitcom mit weitgehend abgeschlossenen Episoden, aber in der zweiten Hälfte der ersten Staffel, die jetzt bei ProSieben kommt, als wenn längere Geschichten erzählt werden, wenn ich an das Liebesleben von Meemaw denke. Werden wir mehr dieser längeren Erzählbögen erleben?

Sie haben definitiv ein bisschen was geändert, so dass wir manche Situationen einer Folge in der nächsten wieder aufgreifen. In den ersten Episoden geht es noch u.a. um Sheldons Angst vor Essen. Da geht er zum Arzt und am Ende der Folge ist wieder alles gut. In der nächsten Episode spielt das dann gar keine Rolle mehr. Aber inzwischen sind die Geschichten fortlaufender erzählt, etwa mit Meemaws Liebesleben, wie Sie schon richtig sagen. Und wir sehen auch wiederkehrende Charaktere, die immer wieder dazustoßen. Das gefällt mir sehr gut. Wir werden auch noch mehr Nachbarn und Freunde der Familie kennenlernen demnächst.

Hast Du Lieblingsszenen aus der ersten Staffel?

Alle Szenen bei Tisch. Beim Abendessen mit der Familie spitzt sich alles zu, da wird's verrückt und lustig. Da entfaltet sich die ganze Dynamik zwischen den Charakteren der Familie. Mary spricht über Kirche, Georgie über Football, Missy und George über das Aufschneiden von Fröschen in der Schule, Sheldon über mathematische Gleichungen und Meemaw über ihren neuen Boyfriend. Das ist nicht gerade die beste Kombination für ein Gespräch bei Tisch. (lacht) Aber das Beste ist: Wir haben jedes Mal echtes Essen vor uns und es schmeckt so gut! Manchmal nehm ich mir nach einer Szene einfach was mit und esse in Ruhe weiter.

Wie würdest Du das Verhältnis zwischen Sheldon und seiner Großmutter beschreiben?

Wir haben Sheldon, einen ehrgeizigen, selbstbewussten Jungen, der alles über Mathe weiß und so viel wissenschaftliche Kenntnisse hat. Und dann ist da Meemaw, eine Poker spielende, ständig Bier trinkende Großmutter, die eigentlich alles verkörpert was Sheldon nicht ist. Sie ist nicht so intelligent wie er, aber clever. Sie erzieht ihn eher, sagen wir, pragmatisch aus ihrer gesammelten Lebenserfahrung, was ihn häufig irritiert. Also sollte Sheldon jemals in einem Casino landen, ist er dank Meemaw bestens vorbereitet (lacht).

Was war an dem vergangenen Jahr, in dem Du an „Young Sheldon“ gearbeitet hast, eigentlich das Beste?

Am schönsten war sicher das Gefühl, dass die Menschen die Serie lieben. Es war kein bestimmter Moment aber ein Prozess, der sich bis heute ganz toll anfühlt.

"Ich schau eigentlich gar kein Fernsehen. Das ist irgendwie nichts für mich."

Hast Du bei dem kurzen Berlin-Besuch gerade eigentlich auch schon etwas von der Stadt sehen können?

Oh ja, es ist so schön hier. Wir genießen es. Wir haben das Brandenburger Tor gesehen - wir können sogar aus unserem Hotelzimmer drauf schauen. Wir haben auch eine Standrundfahrt in einem dieser Doppeldecker-Busse gemacht und saßen oben im Freien. Das Wetter hat mitgespielt, wir haben viel gesehen. So viele interessante Monumente! Berlin ist wirklich schön, ich liebe es.

Wurdest du auf der Straße wiedererkannt?

Ein, zwei Leute haben mich erkannt. Aber das habe ich nicht immer mitbekommen, es wurde mir dann nur gesagt. Ich war so beschäftigt damit, mir Berlin anzuschauen. Aber die, die ich getroffen habe, waren sehr nett.

Ian Armitage Thomas Lückerath
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Und wie fühlt sich das an, so weit zu reisen und den Menschen hier ein Begriff zu sein?

Das ist schon toll. Vor ein paar Jahren habe ich einen Film in Kanada gedreht und als der rauskam, war ich auf Promotour in London, Paris und ein paar anderen Städten. Da war ich wirklich jung. Aber in den letzten Jahren bin ich nicht mehr so viel gereist, was schade ist, weil ich es liebe andere Länder zu bereisen. Und Reisen an sich ist aufregend! Es ist schon toll in den USA zu reisen, aber ich bin schon so viel rumgekommen… also es ist nicht so, dass ich die Nase voll hab von den USA, aber es ist doch viel aufregender, darüber hinaus unterwegs zu sein. Es gibt eine ganze Welt zu entdecken.

Letzte Frage: Wir sprachen vorhin über das Theater, aber wie sieht es mit dem Fernsehgeschmack von Iain Armitage aus. Was guckst Du gerne?

Ich schau eigentlich gar kein Fernsehen. Das ist irgendwie nichts für mich. Ich spiele lieber draußen, was eigentlich witzig ist, weil Sheldon genau das überhaupt nicht mag. Denn das wäre ja etwas was Kinder tun. Und Sheldon tut nichts, was Kinder tun.

Iain, herzlichen Dank fürs das Gespräch.

(ProSieben zeigt die zweite Hälfte der ersten Staffel "Young Sheldon" ab Montagabend als Deutschland-Premiere wieder jeden Montag um 20.45 Uhr)

Über den Autor

Thomas Lückerath ist Gründer und Chefredakteur des Medienmagazins DWDL.de. Hatte schon viereckige Augen, bevor es Bingewatching gab. Liebt Serien, das Formatgeschäft und das internationale TV-Business. Ist mehr unterwegs als am Schreibtisch.

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