© UFA/Marcus Höhn
DWDL.de-Interview mit dem UFA-CEO

Nico Hofmann: "Irgendwann wird diese Serienblase platzen"

 

Das Geschäft mit Fernsehserien brummt, auch die UFA lebt sehr gut davon. CEO Nico Hofmann sorgt sich aber um die Nachhaltigkeit. Im DWDL.de-Interview spricht er über seine neue Strategie, neue Labels mit Kreativen und den weiteren Abbau von Doppelstrukturen.

von Thomas Lückerath , Düsseldorf
08.01.2019 - 08:45 Uhr

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Herr Hofmann, wie würden sie das Fernsehjahr 2018 zusammenfassen? Was bleibt vom vergangenen Jahr?

2018 war ein signifikantes Jahr für unsere Branche mit meinen Lieblingsserien „Bad Banks“ und „Das Parfum“, aber auch der erfolgreichen ARD-Ausstrahlung von „Babylon Berlin“ oder unserer Serie „Deutschland86“. Ich empfinde übrigens auch „Das Boot“ als exzellent produziert. Die Vielfalt und der Erfolg der deutschen Serie war noch nie so sichtbar wie im vergangenen Jahr. Da hat der deutsche Fernsehmarkt mit all seinen Gewerken gezeigt, was er kann.

Es gibt immer mehr Serienprojekte, das Angebot wird immer größer. Ist das goldene Zeitalter der Fernsehserien unendlich ausbaubar?

Nein, den Peak in der Stückzahl haben wir garantiert schon erreicht, vor allem in Amerika. Das ergibt sich aus natürlichen Begrenzungen von Produktionskapazitäten, verfügbarem Talent und Budget. Wir haben in den USA in den vergangenen Monaten erlebt, wie sich der Markt der TV-Serien überhitzt, was sich im Übrigen auch in den  horrenden Summen ausdrückt, die für exklusive Bindung von Talent gezahlt wird. Irgendwann wird diese Serienblase platzen – auch in punkto Wirtschaftlichkeit.

Das klingt besorgt.

Es gibt einfach immer mehr Programm, das wird auch in Deutschland zunehmen. Ich würde bereits heute sagen: Es ist zu viel Programm auf dem Markt. Die Zuschauer konsumieren gleichzeitig selektiver und das erhöht den Druck auf jede einzelne Produktion, hervorzustechen, weil man sich schon lange nicht mehr auf der Erwartung ausruhen kann, dass auf einem bestimmten Sendeplatz genügend Menschen Neugier mitbringen. Das scheint gerade noch dem „Tatort“ vorbehalten. Gerade aber die besonderen Event-Produktionen sind kostspielig. Der künstlerische Konkurrenzdruck wird also größer, auch für uns.



Im September kündigten Sie an, dass Jörg Winger ein eigenes Label unter dem Dach der UFA erhalten soll. Wie weit sind Sie damit?

Das wird immer konkreter, wir stehen kurz vor dem Abschluss. Das Startup mit Jörg Winger ist eine spannende Angelegenheit, weil es innerhalb der RTL Group und auch der UFA eine durchaus neue Herangehensweise ist. Diese Label-Strategie mit herausragendem Talent ist für die UFA kein ganz neuer Weg. Bevor wir riskieren, Talente an den Markt zu verlieren, müssen wir unsere Strukturen ständig neu überdenken. Ich kann mir für die UFA auch gut vorstellen, eine solche, personalisierte Label-Strategie auch mit weiteren Autorinnen und Autoren umzusetzen. Früher gab es übrigens bei uns schon einmal diese Zusammenarbeit mit eigenen Firmen großer Talente wie Gabriela Sperl, Jan Kromschröder und Christian Pfannenschmidt oder Natalie Scharf.

Ich meine mich auch an eine Firma namens Teamworx zu erinnern…

(lacht) Auch das war 1998 ein Talent-getriebenes Startup von Bettina Reitz, Ariane Krampe, Doris Zander und mir, aber die Gründung der GmbH unter dem enormen Engagement von Wolf Bauer hat damals übrigens auch ein halbes Jahr gedauert. Die neue Label-Strategie zeigt aber den Weg auf, den ich künftig mit der UFA gehen will: Wenn jemand bereit ist, sich lieber von Anfang bis Ende ganz auf ein Projekt konzentrieren zu wollen, wollen wir als UFA auch diese Talente für uns gewinnen.

Ist OneUFA damit Geschichte?

Nein, an OneUFA ändert sich nichts, im Gegenteil. An der OneUFA-Strategie war ich genauso beteiligt wie Wolf Bauer, auch wenn das manchmal in der Vergangenheit anders dargestellt wurde. Es ging zunächst einmal um die Zusammenlegung von drei Firmen im Bereich des fiktionalen Erzählens mit gleicher Struktur im gleichen Marktsegment. Die Zusammenführung von teamWorx, UFA Fernsehproduktion und Phoenix Film war zum damaligen Zeitpunkt richtig. Die Fragestellung, ob es Sinn macht, weitere Doppelstrukturen innerhalb der UFA zu koordinieren, diskutieren wir seit einigen Monaten im Team.

Sie haben im vergangenen Jahr mehrfach öffentlich beklagt, wie internationale SVoD-Dienste Talente mit horrenden Summen an sich binden und damit vom Markt nehmen. Ist die neue UFA-Strategie Ihre Antwort darauf?

Wir leben in einem völlig anderen Wettbewerb und erleben gleichzeitig eine neue Blütezeit deutscher Serien. Dabei entdeckt man viele Talente an unterschiedlichsten Positionen einer Produktion, allen voran Autorinnen und Autoren. Einmal entdeckt, müssen wir Talenten eine Perspektive bieten, sonst tun es andere. Wir erleben, wie insbesondere in den USA von Plattform-Betreibern mehrjährige Exklusivdeals geschlossen werden. Hier werden mittlerweile Summen gezahlt, die - freundlich formuliert - enorm sind. Der Talentmarkt hat sich also völig verändert. Wir müssen als deutsches Produktionsunternehmen hierzu eine Lösung finden zwischen der Förderung von Kreativität und gesundem Unternehmertum. Das ist eine Aufgabe für die gesamte deutsche Branche. Dieser Punkt ist absolut zentral, aber er ändert bei uns nichts am OneUFA-Prinzip im Großen und Ganzen: Die UFA produziert insgesamt 800 Stunden Erstausstrahlungen im Jahr, dieser Output ist nur mit einer großen teamorientierten Mannschaft möglich.

Überwiegt bei SVoD-Diensten Ihre Freude über die Bereicherung des Marktes Ihre Sorge um das Abgrasen von Talenten?

Ich entdecke bei Amazon, Netflix und Co. immer wieder aufregendes Programm, das auch nur so im Pay-TV möglich ist, das aber natürlich seit Jahren den Ehrgeiz der Fernsehsender und Produzenten, hier qualitativ mitzuhalten, befeuert. Das gelingt uns nicht immer, weil uns eine gewisse Coolness, auf der Netflix sein ganzes Erscheinungsbild aufbaut, in der öffentlichen Wahrnehmung fehlt. Für Netflix und Co. ist das äußere Erscheinungsbild natürlich der elementare Teil einer guten Marken- und PR-Strategie, die auch umfasst, dass gewisse Zahlen gar nicht veröffentlicht werden und man so nie recherchieren wird, ob eine Serie von Netflix oder Amazon gut gelaufen ist oder nicht. Ich will dabei gar nicht kleinreden, dass aus diesen Häusern hervorragendes Programm gekommen ist. Wenn Markenbildung mit Qualität gelingt, ist das toll. Aber die Welt besteht eben nicht nur aus Netflix und Co.

Es klingt als würden Sie sich schon ein bisschen ärgern…

Ich erfreue mich eher an einer gesunden Abkühlung der Wahrnehmung und im Übrigen auch der Besprechung von Produktionen für diese Plattformen, weil ich die Annahme, dass hier automatisch alles toll ist und wir von Netflix, Amazon und Co. sozusagen gerettet werden müssen, bei jeder Gelegenheit widerlegen will -  wie auch zuletzt  im Oktober bei Ihrem Kollegen Torsten Zarges auf den Medientagen in München. Ich erlebe es leider permanent, dass Kreative davon ausgehen, die beste Heimat für ihr Programm wäre eine amerikanische Plattform. Es ist faszinierend, wie eine Plattform diese Erwartungshaltung schürt. Was macht Netflix und Co. aus? Was wird da permanent reinprojiziert, was mancher dem ZDF mit seiner ZDFmediathek, der ARD oder TV Now nicht zutraut, ich aber wohlgemerkt schon.

Und was ist es?

Es ist immer noch der Reiz des Neuen, des Progressiven, des Mutigen. Um dem auch produzentisch noch einmal auf neue Art und Weise zu begegnen, fördert die UFA massiv unsere neue Unit für junge Talente zwischen 25 und 35 Jahren, die sich selbst den Namen „Freder Fredersen“ gegeben hat – dieser Name basiert auf einer Filmfigur von Fritz Lang. „Freder Fredersen“ ist im Grunde genommen auch ein Mini-StartUp innerhalb der UFA, bei dem eine bestimmte Altersgruppe komplett eigenständig mit eigenem Budget agiert.

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