Oliver Heidemann © ZDF/Kerstin Bänsch
Interview mit ZDF-Showchef Oliver Heidemann

"Nicht jede Show kann auf drei Stunden gestreckt werden"

 

Es muss nicht immer die große Showtreppe sein: Im DWDL.de-Interview spricht ZDF-Showchef Oliver Heidemann über die Zukunft der ZDF-Unterhaltung. Welche Rolle Factual Entertainment spielt und warum er auch auf kürzere Shows setzen will...

von Alexander Krei , Köln
21.03.2019 - 08:11 Uhr

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Herr Heidemann, noch vor wenigen Jahren war aus Ihrem Haus zu vernehmen, dass der ZDF-Zuschauer bei Unterhaltungsformaten stets eine große Showtreppe erwartet. Gilt das heute auch noch?

Wenn wir uns für eine Shiny-Floor-Show entscheiden, dann sollte es auch eine amtliche Auftrittsmöglichkeit geben. Ich glaube aber nicht mehr, dass das zwingend nötig ist, wenn wir an Primetime-Unterhaltung denken. „Bares für Rares“, das wir seit zwei Jahren auch um 20:15 Uhr mit großem Erfolg zeigen, weist einen anderen Weg – sowohl stilistisch als auch mit Blick auf das Genre.

Was bedeutet das für die ZDF-Unterhaltung der Zukunft?

Natürlich lässt sich rückblickend sagen, dass es auf der Hand lag, mit „Bares für Rares“ in die Primetime zu gehen. Nichtsdestotrotz hatten wir bis dahin in der Abendunterhaltung mit klassischem Factual in dieser Form noch nie operiert. Der Erfolg ermöglicht es jetzt, diesen Weg auch mit anderen Formaten beschreiten.

Wie sehen die Pläne aus?

Wir werden im Frühjahr mit der Produktion der zweiten Staffel von „Mit 80 Jahren um die Welt“ beginnen und das Format ab Mitte August dienstags um 20:15 Uhr ausstrahlen – erneut mit Steven Gätjen als Reiseleiter. Die erste Staffel hat in ihrer Besonderheit so viel Aufmerksamkeit erregt, dass wir im Haus entschieden haben, diese Sendung künftig ins Schaufenster zu stellen. Das ist einerseits gute Unterhaltung, andererseits reflektiert das Thema die wichtige gesellschaftliche Diskussion, wie wir mit älteren Menschen umgehen.

Sie haben gerade Steven Gätjen erwähnt, der große Live-Qualitäten besitzt, diese zuletzt im ZDF aber nicht so recht ausspielen konnte.

Wir machen auf vielfältige Weise mit Steven weiter – mit den 80-Jährigen, aber auch mit seinem Kino-Format, das am Programmrand läuft. Gleichzeitig wird er ab Herbst eine neue Abendshow bei uns präsentieren, nachdem wir uns dazu entschieden haben, die „Versteckte Kamera“ nicht fortzusetzen. Wir haben inzwischen eine vierjährige Verbindung hinter uns, sicher mit Ups und Downs. Aber uns war immer klar, dass wir gerne mit Steven weitermachen möchten, wenn das Format stimmt.

Und Johannes B. Kerner bleibt Ihr Mann fürs Quiz?

Johannes ist unumstritten ein Top-Moderator, und die beiden Quiz-Formate, die er neben „Ein Herz für Kinder“ und der Silvesterparty präsentiert, passen wunderbar zu ihm. Bei „Da kommst du nie drauf!“ wollen wir im Sommer noch einmal neue Wege gehen und das Format zusätzlich samstags um 19:25 Uhr spielen, wenn die Bundesliga in der Sommerpause ist. Wir hatten auf diesem Sendeplatz lange keine Unterhaltung mehr und sind gespannt, wie unser Publikum diese Programmfarbe annehmen wird. Vielleicht ist es auch ein kleiner Wegweiser, vermehrt 45-minütige Shows zu zeigen, nachdem der Trend in der Primetime zuletzt Richtung drei Stunden ging.

Bedauern Sie diese Entwicklung?

Nicht jedes Format ist dafür geeignet, es auf drei Stunden zu strecken. Oft hat die Länge auch schlicht ökonomische Gründe. Allerdings bin ich der Meinung, dass wir uns wieder vermehrt an kürzeren Formaten versuchen sollten. Das werden wir an unserem Show-Mittwoch auch ganz sicher ausprobieren.

Haben Sie schon konkrete Pläne?

Wir werden in der zweiten Jahreshälfte eine neue, eigenentwickelte Show mit dem Titel „Mein Lied für dich“ auflegen. Das wird eine Musikshow mit großen Factual-Anteilen, in der es um Menschen geht, die für andere Personen aus einem bestimmten, meist emotionalen Grund einen Song produzieren wollen. Unterstützt werden sie dabei von prominenten Musikern. Am Ende steht dann ein großer Auftritt im Studio. Produziert wird die Show von Talpa, die ja in der Vergangenheit ihre Expertise in diesem Genre schon oft unter Beweis gestellt haben.

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