Thomas Bellut © ZDF/Markus Hintzen
DWDL.de-Interview mit dem ZDF-Intendanten

Herr Bellut, macht ZDFneo jetzt dicht ohne Böhmermann?

 

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Mit der aktuellen heute.de hatten Sie - anders als die ARD - wenig Streit mit den Verlegern, was der Tatsache geschuldet war, dass es sehr bewegtbild-lastig ist. Bleibt das so?

Texte in Maßen sind erlaubt und gehören dazu. Das neue heute-Angebot wird aber weiterhin Videos in den Mittelpunkt stellen. Wir sind ein Fernsehhaus, wir wollen diese Stärke nutzen und effektiver und passgenauer fürs Netz produzieren. Ich bin mir sicher, dass wir uns damit deutlich besser positionieren können als bisher. Wir haben für die neue „heute.de" neues Personal eingestellt und schichten dafür intern einiges um.

Also auch mehr Bewegtbild-Produktion gezielt für heute.de und nicht nur Übernahmen aus den Nachrichtensendungen?

So ist es, es gibt ein Team, das eng mit den Kolleginnen und Kollegen der Sendungen zusammenarbeitet, aber gezielt für heute.de produziert. Inhaltlich und technisch. Die unterschiedlichen Endgeräte der Nutzer erfordern verschiedene Videoformate und Aufbereitungen, aber sie machen auch ganz neue Formen der Informationsvermittlung möglich. Wir wollen hier einen deutlichen Schritt nach vorne machen und den Takt angeben für zukunftsfähige seriöse digitale Nachrichtenangebote.



Und wie steht es um die Nachrichtensendungen des ZDF? Vor zehn Jahren ist Ihre „grüne Hölle“ auf Sendung gegangen. Geben Ihre Nachrichtensendungen auch noch den Takt an?

Das Publikum ist zufrieden und das ist entscheidend. Wir freuen uns über steigende Einschaltquoten, obwohl ich immer höre, dass keiner mehr Fernsehen schaut. Wie schräg manchmal die öffentliche Wahrnehmung ist. Also: Als erstmal die Kamera-Roboter domestiziert waren und nicht mehr auf unsere Moderatorinnen und Moderatoren losgingen, haben wir viel gelernt im virtuellen Nachrichtenstudio, haben gemerkt wie praktisch es ist, aber auch dass man die Technisierung nicht überziehen darf. Das sage nicht ich, sondern die Menschen, die die Sendungen tagtäglich produzieren. Wir arbeiten bereits wieder an einem Relaunch von „heute“ und „heute journal“, investieren auch hier und werden die Ergebnisse 2020 präsentieren.

Hängen der Relaunch der Nachrichtensendungen und der von heute.de zusammen?

Nein, aber es zeigt, wie wichtig uns die Information ist. Die Neugestaltung von „heute“ und „heute journal“ geht einher mit einer notwendigen technischen Erneuerung des Studios. Gelegentliche optische Auffrischungen sind wichtig, aber wenn man über die Verpackung spricht, will ich sagen: Der Inhalt ist immer wichtiger und grundlegend. Seriöse Information ist die Basis von allem.

„heute+“ haben Sie jetzt nicht erwähnt. Das wurde einst als Experiment gestartet und sendet fleißig vor sich hin. Was wird aus den jungen Spätnachrichten im ZDF?

„heute+“ hat uns wichtige Erkenntnisse geliefert und war ein entscheidender Brückenschlag zwischen Fernsehen und Netz, auch für die Redaktionen dahinter. Es ist gut, dass „heute+“ eigene Themen setzt und Blickwinkel aufgreift und zeigt, dass jung aufbereitete Nachrichten ihr Publikum finden. Wir brauchen eine Spätsendung, die Nachrichten anders aufbereitet als das, was „heute“ und „heute journal“ machen. Der bevorstehende Relaunch von „heute.de“ mit mehr und eigenen Video-Formaten kann ein spätes Nachrichtenformat auch noch einmal ganz anders speisen als bisher.

Wir sprachen vorhin schon über die Bedeutung der ZDF-Mediathek, die bei „Bad Banks“ zum Beispiel maßgeblich zur Beauftragung der 2. Staffel beigetragen hat - stellt sich die Frage: Macht die Einschaltquote vom Vortag noch Sinn?

Die Frage beschäftigt uns in der Tat: Was ist heute eigentlich Erfolg? Der lineare Erfolg ist nach wie vor gegeben. Für das ZDF war 2018 das stärkste Jahr seit 22 Jahren. Und trotzdem ist die Erfolgsbewertung bei uns längst eine andere, bei der „heute show“ beispielsweise wissen wir ja genau, wie viele Zuschauerinnen und Zuschauer wir zusätzlich in der Mediathek erreichen. Hinzu kommt dann auch noch die Reichweite über Drittplattformen. Die digitale Reichweite einzelner Sendungen genauer zu erfassen und dann auch transparent zu machen, ist eine wichtige Herausforderung.

"Dem Vorwurf, ZDFneo wiederhole Sendungen des ZDF, setze ich aber auch klar entgegen: Diese Ausstrahlungen finden ein großes Publikum, das die Qualität unserer Eigenproduktionen schätzt"

Anfang November feiert ZDFneo seinen 10. Geburtstag, aber wenn Jan Böhmermann im kommenden Jahr dann ins Hauptprogramm wechselt, können Sie den Sender ja eigentlich auch gleich dicht machen oder?

(lacht) Nein, auch wenn Jan Böhmermann stärker ins Hauptprogramm geht, achten wir darauf, dass die Programmfarbe bei ZDFneo weiter gepflegt wird. Er selbst bleibt ZDFneo ja auch erhalten. ZDFneo ist insgesamt eine Erfolgsgeschichte. Da haben wir vor Böhmermann schon Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt die Bühne für ihre weitere Karriere bereitet und werden dem Image einer Talentschmiede weiter treu bleiben.

Aber die größten Zuschauererfolge feiert ZDFneo mit Wiederholungen aus dem Hauptprogramm und abseits von Böhmermann passiert da nicht viel…

ZDFneo steht für Comedy, Factual, aber auch für deutsche Fiction, die zu einem Teil aus Wiederholungen aus dem Hauptprogramm, aber zunehmend auch aus besonderen Eigenproduktionen entsteht. Und dann ist ZDFneo auch ein europäischer Kanal: Kein anderer Sender zeigt eine vergleichbare Auswahl an frischen europäischen Serien. Es gibt „Terra X“-Wiederholungen, aber wir wollen im Genre Wissenschaft verstärkt eigene Akzente setzen. Wir haben in den vergangenen Jahren den Etat von ZDFneo angehoben, um mehr frische Programme zeigen zu können. Dem Vorwurf, ZDFneo wiederhole Sendungen des ZDF, setze ich aber auch klar entgegen: Diese Ausstrahlungen finden ein großes Publikum, das die Qualität unserer Eigenproduktionen schätzt, die Ausstrahlung im Hauptprogramm aber vielleicht verpasst hat. Wir stärken auch damit unser öffentlich-rechtliches Profil.

Zu dem gehörte auch immer der ganz große Sport. Jetzt hieß es zuletzt, die Telekom könnte sich die Übertragungsrechte an der Fußball-EM 2024 im eigenen Land sichern. Schauen Sie in die Röhre?

Der Kampf um kostspielige Übertragungsrechte wird härter und für neue Anbieter zum einfachsten Mittel, Aufmerksamkeit zu kaufen. Es scheint darauf hinauszulaufen, dass - wie man lesen konnte - die Telekom den Zuschlag erhält. Unser Interesse, die EM 2024 in irgendeiner Form im Programm zu haben, ist natürlich da. Wir bleiben für Gespräche offen, sind niemals beleidigt. Ich suche immer gerne nach Lösungen, aber das ZDF muss jede Investition auch rechtfertigen können.

Turnusgemäße Nachfrage: Wie sieht es mit der Bundesliga aus?

Wir sind stolz auf das „Aktuelle Sportstudio“, das vom Publikum wie auch Sportlerinnen und Sportlern gut angenommen wird, weil es auch mal längere Gespräche ermöglicht und vertiefen kann. Das möchten wir gerne fortsetzen mit den entsprechenden Rechten für die Verwertung des Samstagabend-Spiels. Das Live-Paket in dieser Saison war eine willkommene Ergänzung, die dem Publikum Bundesliga kostenfrei live zugänglich macht. Wir freuen uns, in Zusammenarbeit mit Sky, auch am 2. November auf das Spiel von Eintracht Frankfurt gegen Bayern München live im ZDF. Ich sage mal so: Live-Fußball ist always nice to have. Wir warten aber erstmal die konkreten Pakete ab und es mangelt auch sonst nicht an Projekten, die Budget brauchen.

Beispielsweise „Der Schwarm“. Die geplante SciFi-Serie auf Frank Schätzings Bestseller soll schließlich die teuerste ZDF-Produktion aller Zeiten werden, wie man hört…

Die genaue Dimension zu benennen, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch zu früh, aber selbstverständlich wird das eine Highend-Produktion, bei der mit einem außergewöhnlich hohen Budget gearbeitet wird. Der Ansatz ist international und wir sind zusammen mit Jan Mojtos Beta Film in Gesprächen mit Partnern, die das Projekt mit uns gemeinsam stemmen. Wir glauben es gibt das perfekte Momentum für dieses Abenteuer.

Eine SciFi-Serie im ZDF… das ist in der Tat ein Abenteur.

Ich erinnere mich an viele Abenteuer, die wir eingegangen sind. Es gab schon auch schlaflose Nächte etwa wegen „Unsere Mütter, unsere Väter“, was damals auch sehr viel Geld gekostet hat, aber am Ende dem Publikum und uns als Sender viel gebracht hat. Das macht Fernsehen letztlich doch so spannend und wenn jemand auch mal ein kalkuliertes Risiko eingehen sollte, dann wir.

Herr Bellut, herzlichen Dank für das Gespräch.

Über den Autor

Thomas Lückerath ist Gründer und Chefredakteur des Medienmagazins DWDL.de. Hatte schon viereckige Augen, bevor es Bingewatching gab. Liebt Serien, das Formatgeschäft und das internationale TV-Business. Ist mehr unterwegs als am Schreibtisch.

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