Jochen Horst © RTL
DWDL.de-Gespräch

Jochen Horst: "In unserem Beruf geht es zu 50% um Sex"

 

Nach sechs Jahren Pause geht die RTL-Sitcom "Sekretärinnen - Überleben von 9 bis 5" tatsächlich in die nächste Runde. Zum Start der Büro-Comedy haben wir uns mit Hauptdarsteller Jochen Horst darüber unterhalten, wie Komik entsteht und wie wichtig die Frauenquote ist.

von Kevin Hennings , Köln
29.12.2019 - 23:21 Uhr

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Herr Horst, wie überrascht ist man als Schauspieler, wenn man nach sechs Jahren einen Anruf erhält und das Angebot bekommt, eine beinahe vergessene Serie fortzuführen?

In erster Linie habe ich mich wahnsinnig gefreut. Schon damals hatte ich großen Spaß, die Figur des Wolf Berger darzustellen. Außerdem bin ich der Meinung, dass das Sujet Sitcom in Deutschland absolut unterbesetzt ist. Als Schauspieler kann ich gewisse Dinge beeinflussen und dazu beitragen, das ungeliebte Kind der Sitcom nach vorne zu bringen. Ich hatte auch andere Angebote für Sitcoms. Jedoch haben mich diese nicht gereizt, da ich sie schlicht nicht komisch fand. Bei einer Sitcom braucht man drei wichtige Dinge, die gut sein müssen: Das Buch, der Regisseur und die Schauspieler. Wenn eine Sache davon nicht funktioniert, funktioniert die ganze Sitcom nicht. Wenn bei einem anderen Genre, und sei es Film oder Serie, die Schauspieler nicht gut sind, kann sich der Rest drumherum winden und letztendlich noch was Gutes draus machen. Bei der Sitcom ist das nicht der Fall. Genau deswegen ist es so schwer, eine gute Sitcom auf die Beine zu stellen.

Sie scheinen äußerst selbstbewusst in die Premiere von "Sekretärinnen – Überleben von 9 bis 5" zu gehen.

Ich kann nicht beurteilen, wie gut wir tatsächlich sind. Ich weiß jedoch, dass wir stets versuchen, etwas an Können draufzupacken und die Komik laufend verfeinern. Außerdem war die erste Staffel bereits sehr witzig, was sich hier nicht ändernd.

Wurde überhaupt an Stellschrauben gedreht, wenn mit der ersten Staffel scheinbar schon alle Ziele erreicht wurden?

Tatsächlich wurde vor allem meine Figur, Herr Berger, etwas überdacht. In der Redaktion wurde festgestellt, dass er etwas zu frauenfeindlich war. Da musste ich jedoch dazwischengehen und sagen, dass er nicht frauen- sondern schlicht menschenfeindlich ist. Dem ist es egal, ob er einer Frau, oder einem Mann gegenüber sitzt. Er sitzt am Schreibtisch, und hat die Hose offen. Wir Männer machen solche Sachen. Dadurch, dass die Frauenquote in unserer Produktion sehr hoch ist, fällt es mir nicht immer leicht, solche Dinge durchzusetzen. Ich muss immer als Mann dafür argumentieren. Der Austausch ist aber wichtig, da Frauen natürlich ideal für andere Frauen argumentieren können, ich als Mann aber unsere Sichtweise erklären muss. Ich verstehe de facto besser, was ein Mann macht, als eine Frau. Wenn Berger mit offener Hose aufsteht und zu einer Frau geht, ist das nicht nur lustig, sondern auch respektlos. Das würde er aber auch vor einem Mann machen. Ein Mann reagiert in diesem Fall jedoch anders. Der würde kurz hinschauen und das dann wegnicken. Vor einer Frau wäre das der höchste Punkt der Respektlosigkeit. Und das ist für mich Comedy. Es ist für mich Komik, wenn jemand ständig versucht, Dinge zu durchbrechen und völlig neue Moralvorstellungen aufbringen zu wollen.

Gewisse Parallelen zu Bernd Stromberg bestehen also auch in der neuen Staffel.

Ich finde, dass Stromberg im Gegensatz zu Berger bösartig ist. Der kommt schlicht von einem anderen Stern. Man muss ihn als Komik-Figur verstehen, die alle Sachen umschließt, die Männer heutzutage nicht mehr machen beziehungsweise nicht mehr machen dürfen. Vor Frauen beispielsweise. Deswegen liebe ich diese Figur so sehr, weil ich mit ihr alles performen kann, was ich als echter Mensch schlimm finde.

Heutzutage gibt es durch die Flut an Serien schon als Zuschauer das Problem, dass ein Recap geschaut werden muss, wenn eine neue Staffel erst zwei Jahre später erscheint. Wie war das bei Ihnen, haben Sie sich zur Vorbereitung noch einmal die erste Staffel angeschaut?

Es gibt bestimmt Schauspieler, die das machen. Ich brauche das aber nicht. Mein Beruf ist auch mein Hobby, ich spiele wahnsinnig gerne. Deswegen könnte ich mir auch nicht vorstellen, etwas anderes zu machen. Das ist der Grund, weshalb ich mir vor einer Performance nicht den Kopf zerbrechen muss – ich komme ans Set und bin drinnen. Ich habe zwar auch Momente, wo ich zur Leseprobe komme und nichts funktioniert. Aber auch da sage ich dann einfach, dass ich nicht krampfhaft etwas versuchen möchte, sondern es einfach laufen lasse. Spontan passiert viel Gutes.

Drei Jahre nach der Premiere im Jahr 2013 wurden die Folgen der ersten Staffel nach dem Dschungelcamp wiederholt und konnten dort gute Quoten erreichen. Jetzt hat es noch einmal drei weitere Jahre gedauert, bis die Fortsetzung eingeleitet wurde. Wann wurde an Sie herangetreten?

Die ersten Gespräche fanden Ende 2018 statt. Bereits davor gab es aber schon Anrufe, in denen mir gesagt wurde, dass es Überlegungen gäbe. Nach dem fünften oder sechsten Anruf habe ich dann nur noch gesagt: "Ja, überlegt mal." Ende 2018, als dann Bantry Bay die Produktion übernommen hatte, klangen die Pläne schon deutlich konkreter. RTL-Fiction-Chef Philipp Steffens hatte dann das endgültige Go! ausgelöst, da er die Serie super fand und unbedingt zurückholen wollte. Ich hatte von Anfang an Lust drauf.

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