Petra Müller © Uwe Schaffmeister
Interview mit Geschäftsführerin Petra Müller

Film- und Medienstiftung NRW: Telekom und Sky neue Partner

 

Mit Rekordbudget fördert die Film- und Medienstiftung NRW in diesem Jahr mediale Projekte. Was Geschäftsführerin Petra Müller sorgt: Bei Personalmangel durch Vollbeschäftigung braucht es mehr Aus- und Weiterbildung. Und Osteuropa lockt mit Rabatten.

von Thomas Lückerath
13.02.2020 - 15:30 Uhr

Frau Müller, die Film- und Medienstiftung NRW vermeldet ein Rekordergebnis für 2019. Wie kommt es dazu?

Ohne Frage ist 2019 ein Rekordjahr für die Film- und Medienstiftung, denn sie konnte Förderungen mit einem Gesamtbetrag von rund 40 Millionen Euro aussprechen. In dieser Höhe war das vor allem deshalb möglich, weil die Landesregierung mit großem Interesse an der Medien- und Digitalbranche und mit Bezug zu unseren 2018 verabschiedeten Fördergrundsätzen strategisch wirksame Budgeterhöhungen ausgesprochen hat, und das erfreulicherweise über alle Mediengattungen hinweg. Recht bald nach dem Antritt erhöhte die Regierung die Mittel für die Film- und Serienförderung, dann die Mittel für so genannte Low Budget-Förderung, die kulturelle Filmförderung. 2019 wurden die Mittel für die Gamesförderung aufgestockt, mit dem Ziel, NRW jenseits der gamescom zum führenden Games-Standort zu entwickeln. Mit einem erhöhten Förderbudget von drei Millionen Euro konnten wir in 2019 neben der Entwicklung auch die Produktion von Videospielen fördern. Und schlussendlich haben Landesregierung und Landtag für 2020 beschlossen, auch die Kinoförderung zu erhöhen, u.a. um das von Frau Grütters auf Bundesebene angestoßene Förderprogramm Kino zu matchen.



Das bedeutet dann am Ende was genau?

Zusammengenommen mit der bereits bestehenden guten Finanzausstattung durch Land und Sendergesellschafter führt dies nun zur einem historisch hohen Förderbudget und zu insgesamt 40 Millionen Euro, die wir in Filme, Serien und Games, in Festivals und Standortprojekte, aber auch Aus- und Weiterbildung investieren konnten. Im Ergebnis. Ein sehr erfolgreiches Jahr für die Film- und Medienstiftung, vor allem aber ein gutes Jahr für alle Kreativen, Produzenten und Dienstleister am Standort.

Die medienübergreifende Vielfalt in der Förderung ist der Neupositionierung Ihres Hauses als Film- und Medienstiftung geschuldet. Aber welche Rolle spielt künftig noch der Kinofilm?

Der Kinofilm ist traditionell die Königsklasse der audiovisuellen Produktion, an seine Seite sind aber High End-Serien und insbesondere auch Videospiele getreten. Gleichzeitig finden sich spannende Bewegtbildinhalte auf allen Plattformen, ein audiovisuelles Kontinuum über alle Formate, Genres und Plattformen hinweg. Mit Blick auf diese Entwicklung haben wir das Haus geöffnet für die Förderung innovativer Serieller, Interaktiver, Online-Inhalte etc. Im Zentrum unseres Tuns steht die Unterstützung von Produzenten, Kreativen und dem Nachwuchs, die Entstehung von inhaltlich und formal anspruchsvollen Projekten am Standort Nordrhein-Westfalen. Sicherlich behält der Kinofilm einen besonderen Stellenwert, und zwar in seiner gesamten Bandbreite vom Publikumsfilm bis hin zum Arthouse mit starker künstlerischer Handschrift. Bei TV-Projekten und Serien fördern wir vorzugsweise Projekte, die inhaltlich und formal besondere Qualitäten sowie Aussichten auf eine internationale Vermarktbarkeit aufweisen. Hier haben wir im Jahr 2019 einen Umbruch erlebt, den man fast als „Streaming-Revolution“ bezeichnen möchte.

Mit welchen Auswirkungen?

Der Erfolg der Streaming-Anbieter hat den Film- und Fernsehmarkt weltweit in Bewegung gebracht. Stetig wachsender Contentbedarf, vermeintlich ein goldenes Zeitalter für Kreative, Produzenten und Dienstleister. Gleichzeitig sind die Qualitätsanforderungen enorm gestiegen und mit ihnen die Kosten. Um hier einerseits die deutschen Produzenten im Spiel zu halten, die Attraktivität des Produktionsstandorts zu erhalten und die Abwanderung von Produktionen ins Ausland zu verhindern, wurde die Förderung auf der Bundesebene ausgebaut und auch der sogenannte German Motion Picture Fund nochmals aufgestockt. Dennoch sehen wir zahlreiche, insbesondere internationale Produktionen in Osteuropa, da hier Konditionen angeboten werden, bei denen Deutschland rein ökonomisch nicht mithalten kann.

Wie sieht da Ihre Haltung aus: Am Preisdumping wollen Sie sich sicher nicht beteiligen, wie will man dagegen aber punkten? Wie kann man die Abwanderung von Produktionen verhindern?

Hier haben Produzenten und Förderer naturgemäß unterschiedliche Blickwinkel. Als Förderer müssen wir darauf achten, dass geförderte Produktionen auch gute Effekte in NRW auslösen. Das bedeutet, dass Produzenten nachweisen müssen, dass die erhaltene Förderung wieder am Standort NRW ausgeben wird, für Dienstleister; Studios, Kreative etc. Viele Produzent müssen diese Frage unternehmerisch betrachten. Angesichts des Kostendrucks ist es nicht ganz leicht, die niedrigen Lohnkosten und Incentives der osteuropäischen Produktionsstandorte zu ignorieren. Wie gesagt versuchen vor allem die automatischen Förderungen des Bundes, hier ein Gegengewicht zu schaffen.

"Bestimmte Departments und Gewerke lassen sich nicht mehr ohne Weiteres kurzfristig besetzen."

Früher war das Geld knapp, heute scheinen es die kreativen Ressourcen und Produktionsmöglichkeiten. Sehen Sie NRW da ausreichend aufgestellt oder gibt es Aufholbedarf?

Der Markteintritt der Streaming-Anbieter hat einen unvorhersehbaren Produktionsboom ausgelöst, und so auch in Bezug auf die Produktionsauslastung neue Verhältnisse geschaffen. Im vergangenen Jahr gab es in NRW wie an anderen Standorten deutliche Engpässe hinsichtlich der Verfügbarkeit von Kreativen und Fachkräften, insbesondere bei Film- und Serienproduktionen, aber auch in der Entertainment-Produktion. Produzenten müsse heute weit im Voraus planen, weil man bestimmte Departments und Gewerke nicht mehr ohne Weiteres kurzfristig besetzen kann. Das gilt für Buch, Regie, Editing ebenso wie für Aufnahmeleitung und Herstellungsleitung oder künstlerische Gewerke wie Kostüm. Es liegt auf der Hand, dass hier etwas passieren muss. Gemeinsam mit der ifs und den neuen Betreibern des Kölner Filmhauses prüfen wir gerade, wie man insbesondere in den technischen Gewerken berufsbegleitende Qualifikationsangebote schaffen kann.

Öffentlich wurde von einigen Kreativen in den letzten Jahren beklagt, dass neue Plattformen kreative Kraft aus dem Markt nutzen aber sich nicht an der Förderung beteiligen. Wie sehen Sie das?

Nach meinem Eindruck beginnen die internationalen Plattform-Betreiber zu verstehen, dass eine gewisse Beteiligung an der Förderung in den lokalen Märkten strategisch sinnvoll sein kann. Hierzulande ist man schon einen Schritt weiter: So kann sich die Film- und Medienstiftung über zwei neue Förderpartner freuen, die neben unseren Gesellschaftern Land NRW, WDR, ZDF, RTL und dem Kooperationspartner Partner ProSiebenSat.1 ab 2020 in den NRW-Fördertopf einzahlen. Wir gehören von Beginn an zu den Förderern von „Babylon Berlin“ und hatten schon „Wild Republic“ gefördert, eine Serie für Magenta TV und WDR. Aufgrund der guten Erfahrungen haben sich Deutsche Telekom und Sky entschieden, zum 1. Januar diesen Jahres auch als Partner einzusteigen. Darüber freuen wir uns sehr, nicht zuletzt, weil wir neben dem Pay-TV nun auch einen Streaming-Anbieter mit an Bord haben.

Frau Müller, herzlichen Dank für das Gespräch.

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