Christian Düren © ProSieben / Guido Engels
ProSieben-Moderator im DWDL.de-Interview

Christian Düren: "Ein Stück weit das Autounfall-Prinzip"

 

Er moderiert die umstrittene, aber erfolgreiche ProSieben-Show "Balls" und wundert sich selbst darüber, was Menschen für Geld alles machen. DWDL.de sprach mit dem Moderator Christian Düren über Hemmungen vor der Kamera und das baldige "taff"-Jubiläum.

von Alexander Krei
25.05.2020 - 08:20 Uhr

Herr Düren, der Untertitel Ihrer neuen ProSieben-Show "Balls" lautet "Für Geld mache ich alles". Gilt das auch für den Moderator?

(lacht) Ich gebe ehrlich zu, dass ich froh bin, dass mir ProSieben die Moderation der Show angeboten hat. Als Kandidat wäre ich denkbar ungeeignet. Da sollte man keinerlei Hemmungen haben vor der Kamera auch mal gewisse Grenzen zu über- beziehungsweise unterschreiten.

In der Sendung trinken Menschen abgestandene Milch oder springen nackt über ein Seil. Was macht Ihnen daran Spaß?

Wenn man einen Rahmen anlegen will, dann bewegt sich "Balls" sicher am äußeren Rand – keine Frage. Dasist eine gut gelaunte, provokative Show, die man mit einem gewissen Augenzwinkern sehen sollte. Unterhaltung ist ein großer Regenbogen, mit ziemlich vielen Farben, dessen sollte man sich bewusst sein. Es gibt mehr als nur den einen Weg zu Erfolg, das belegen ja auch die guten Quoten, die Balls bisher eingefahren hat.

Aber Sie werden sich doch sicher auch an den Kopf fassen, wenn sich der angehende Grundschullehrer vor Ihren Augen zum Affen macht.

Wir hatten so viele Situationen, über die wir uns im Nachhinein selbst gewundert haben, dass es Menschen gibt, die all diese verrückten Aufgaben bewältigen. Natürlich haben wir einige Male ein Stück weit das Autounfall-Prinzip bedient – manche Situation willst du eigentlich nicht wirklich sehen und schaust trotzdem hin, weil du kaum glauben kannst, was da gerade geschieht. Der angehende und vor allem nackte Kulturwissenschaftler, den Sie gerade ansprachen, war so ein Fall. Aber er hat sich nach der Ausstrahlung sogar noch bei uns bedankt, dass er dabei sein durfte. Für diese Show war er das Perfect Match.

Was sind das für Menschen?

Es sind auf jeden Fall allesamt Bewerber und Kandidaten, die genau wissen, an was für einer Show sie teilnehmen. Ich verstehe, wenn man das Genre als Trash bezeichnet – das trifft für viele oft bestimmt auch zu. Aber die Teilnehmer, vom Studenten bis zum Restaurantbesitzer, wollen einfach ein bisschen Spaß haben und dabei noch etwas Geld verdienen. Nicht mehr und nicht weniger. Ich finde das voll okay.

Wie sehen Sie Ihre eigene Rolle in der Show?

Ich bin Moderator und Beobachter der Show und habe an dieser Aufgabe große Freude gehabt. Von mir aus können wir sehr gerne weiter machen.

Was gefällt Ihnen an der Show-Bühne im Vergleich zu Ihrem Job bei "taff"?

Unser Redaktionsleiter Werner Danner bezeichnete taff immer als "unserer kleine Show". Das trifft es in meinen Augen ziemlich gut. Für mich persönlich ist taff mein beruflicher Hafen, aus dem ich ab und zu auch mal ins offene Meer herausfahren darf. Eine tolle Kombination und ein absoluter Glücksfall für mich. Ich traue mir auf jeden Fall zu, da draußen zu bestehen. 

Als "taff" gestartet ist, waren Sie fünf. In diesen Tagen feiert das Magazin seinen 25. Geburtstag. Wie haben Sie die Sendung früher wahrgenommen?

Früher hat man taff vielleicht geschaut, weil man den großen BH-Test sehen wollte. Aber seither hat sich die Sendung über all die Jahre ständig weiterentwickelt und ist heute deutlich aktueller geworden. Gleichzeitig hat taff nie vergessen, bunt zu sein und die Menschen zu unterhalten. Für mich war und ist taff letztlich eine einmalige Chance, die ich total zu schätzen weiß. Schließlich bin ich derjenige von den Moderatoren, der am jüngsten dabei ist. Jeder meiner Kollegen hat bewiesen, dass taff der Start für viele weitere Aufgaben ist. Ich befinde mich also in allerbester Gesellschaft.

Wie sind Sie überhaupt an den Job gekommen?

Ich war lange bei der Sat.1-"Akte", habe dort mein Volontariat gemacht und als Reporter gearbeitet. Dann habe ich für das "Frühstücksfernsehen" gearbeitet, wo die Moderatoren-Plätze durch Matthias Killing und Jan Hahn allerdings belegt waren. Weil ich aber gerne ausprobieren wollte, wie sich der Job vor der Kamera anfühlt, bin ich 2017 zu Sky Sport News HD gegangen – und dann dauerte es gerade mal drei Monate, bis ich zum "taff"-Casting eingeladen wurde. 

Kann es in diesem Tempo weitergehen?

(lacht) Ich hätte nichts dagegen. Ich durfte bereits einige Shows in der Prime Time moderieren. Aus Quotensicht mal mit mehr und mal mit weniger Erfolg. Ich habe aber auf jeden Fall Blut geleckt neben taff auch in anderen Shows mitzuwirken.

Sie werden in einigen Wochen 30. Nicht wenige in Ihrem Alter halten das Fernsehen für gar nicht mehr so relevant.

Ich bin ein absolutes Fernsehkind. Es gibt kein anderes Medium, das ein derartiges Lagerfeuer-Gefühl auslösen kann. Wenn "The Masked Singer" oder Joko und Klaas laufen, dann wird darüber am nächsten Tag gesprochen. Das schafft in dieser Form nur das Fernsehen.

In meiner TV-Kritik zu "Balls" habe ich mir gewünscht, Ihr Gesicht in 25 Jahren zu sehen, wenn Ihnen noch einmal die Szene vorgespielt wird, in der ein Mann vor Ihren Augen nackt über ein Seil springt. Haben Sie selbst einmal darüber nachgedacht, wie Sie das mit etwas Abstand empfinden würden?

Ja, das habe ich natürlich gelesen, aber ehrlich gesagt nicht wirklich darüber nachgedacht. Ich lebe sehr im Hier und Jetzt und bereue die Entscheidung bisher überhaupt nicht. Wie ich in 25 Jahren denken, können wir ja dann besprechen. Momentan ist alles gut.

Herr Düren, vielen Dank für das Gespräch.

ProSieben zeigt "Balls" am Dienstag um 22:40 Uhr, das "taff"-Jubiläum wird am Freitag um 17:00 Uhr gefeiert.

Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Ist Sesselsportler, von Bundesliga bis Darts-WM.

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